Super League
Das ewige Leiden des Marco Schönbächler

Ärzte, Physiotherapie und Besuche bei Naturheilern statt Fussball, Tore und Siege. Noch immer weiss kein Arzt, woran FCZ-Star Schönbächler wirklich leidet. Seine Schmerzen sind rätselhaft. Seit acht Monaten spielt er nicht mehr – naht nun Besserung?

Etienne Wuillemin
Merken
Drucken
Teilen
«Pässe bereiten Schmerzen, Schüsse nicht – wo bleibt die Logik?», fragt sich Marco Schönbächler.

«Pässe bereiten Schmerzen, Schüsse nicht – wo bleibt die Logik?», fragt sich Marco Schönbächler.

Keystone

Es ist ein wunderbarer Mittag in Zürich. Marco Schönbächler hat soeben seine Trainingseinheit beendet. Ein Training nur für verletzte Spieler. Es ist Routine geworden für den 25-Jährigen. Im Gespräch wirkt Schönbächler zuversichtlich. Hoffnungsvoll, dass er bald zurück ist. Als gesunder Fussballer. Aber er sagt auch: «Ich habe schon zwei, drei Mal gedacht: Jetzt kommt es endlich wieder gut. Und dann kam der nächste Rückschlag.»

Marco Schönbächler im FCZ-Trikot auf dem Fussballplatz? Es ist ein Bild, das es lange nicht mehr gegeben hat. Mehr als acht Monate ist es jetzt her. Er selbst weiss genau, wann sein letzter Einsatz war. «Mitte März gegen den FC Sion.» Nach 75 Minuten sind die Schmerzen zu gross. Schönbächler wird ausgewechselt. Es ist der Beginn einer rätselhaften Verletzungsgeschichte.

Auf Ursachensuche

Was ist passiert? Eineinhalb Wochen zuvor, im Cup-Viertelfinal gegen GC, will Schönbächler einen Ball stoppen. Er spürt einen Zwick in den Adduktoren des linken Beins. Zuerst vermuten die Ärzte Leistenprobleme. Schönbächler spielt noch zwei Spiele, dank Schmerztabletten. Dann wird der Schmerz zu gross.

Doch bald zeigen die Tests: Es sind keine Leistenprobleme. Die Verletzung kommt von tiefer innen. Auch eine Schambeinentzündung erhärtet sich nicht. Schönbächler besucht einen Spezialisten nach dem anderen, niemand kann ihm helfen. Die Ungewissheit bleibt.

Der gütmütige Ancillo Canepa

Es ist die Zeit, in der es um einen neuen Vertrag geht. Schönbächler hat sich in der Super League zu einem dominierenden Spieler entwickelt. Der Sprung ins Ausland scheint möglich. «Aber vielleicht hat Gott nicht gewollt, dass es so weit kommt», sagt er. Mit einer Verletzung wechseln? Das kommt für ihn nicht infrage. Darum verlängert er seinen Kontrakt beim FCZ um drei Jahre. «Es ist nicht selbstverständlich, dass der Verein einem verletzten Spieler einen neuen Vertrag anbietet – ich schätze die Geste von Ancillo Canepa sehr.»

Schwierig ist für Schönbächler in dieser Zeit vor allem eines: Immer wieder trainiert er in einer Gruppe mit anderen verletzten Spieler. Aber diese wissen, woran sie leiden, machen Fortschritte und sind bald zurück auf dem Platz, «nur ich blieb immer und wusste nicht, wie lange noch. Bei einem Bruch ist die Diagnose und Ausfallzeit klar. Mit meiner Verletzung aber war ich stets im Ungewissen».

Naturheiler empfielt biologische Tabletten

Zeitweise bereiten ihm Schüsse im Training keine Schmerzen – aber Pässe schon. «Wo bleibt da die Logik?», fragt er sich. Neben der Physiotherapie besucht er nun auch einen Osteopathen. Und über Präsident Canepa erhält er einen – vielleicht entscheidenden – Tipp. Schönbächler besucht einen Naturheiler. «Innerhalb von einer Minute hat er mich nur aufgrund meines Aussehens und meiner Mimik und ohne mich zu berühren analysiert. Krumme Wirbelsäule, schiefes Becken, das eine Bein länger als das andere. Da wurde ich hellhörig.»

Bei der nächsten Sitzung schaut der Naturheiler einige Porträt-Fotos von FCZ-Spielern an. Er sagt zu jedem etwas. Und Schönbächler staunt, weil so vieles stimmt. Also versucht er, die Tipps umzusetzen. «Schaden kann es ja nicht.» Fortan isst er mehr Fleisch, um den Eisenmangel (und die damit verbundene häufige Müdigkeit) zu bekämpfen. Er nimmt auch täglich biologische Tabletten zu sich und spezielle Basen-Bäder, um den Körper von innen zu reinigen. «Neunzig Minuten Baden bei vierzig Grad – das ist eine Herausforderung.»

Schönbächler leidet als Zuschauer mit seinem Verein mit

Mittlerweile ist Schönbächler wieder in einer Phase angekommen, wo er Licht am Horizont sieht. Die Schmerzen sind weg. Er konnte teilweise wieder voll mittrainieren. «Aber ich will nichts überstürzen.» Priorität hat für ihn nun, verletzungsfrei in die Winterpause zu kommen, um dann die Vorbereitung auf die Rückrunde vollständig absolvieren zu können.

Parallel zum persönlichen Leiden kommt jenes mit dem Verein. Natürlich hat das nicht nur mit ihm zu tun. Fakt ist trotzdem: Seit Schönbächler fehlt, ist die Krise beim FC Zürich allgegenwärtig. «Es ist schwierig, mit ansehen zu müssen, wie bei vielen das Selbstvertrauen davongeflogen ist. Im Training denke ich häufig: Das sieht ja gar nicht so schlecht aus! Aber am Wochenende im Stadion ist es dann doch immer dieselbe Geschichte.»

Eine harzige Geschichte. 14 Punkte aus 16 Spielen, der FCZ steckt im Abstiegskampf. Nur ein Sieg (aus neun Versuchen) hat er unter dem neuen Trainer Sami Hyypiä errungen. Und trotz des 5:3 gegen Lugano sucht er weiter nach dem Befreiungsschlag. Noch kann Schönbächler nichts dazu beitragen. «Aber manchmal träume ich davon, im letzten Spiel des Jahres, im Cup-Viertelfinal gegen Thun, wieder dabei zu sein und ein Tor zu schiessen.» Es wäre der versöhnliche Abschluss eines schwierigen Jahres.