Frauenfussball
Das Erfolgsrezept der U17-Nati heisst «Arschlöchle»

Plötzlich berühmt. So ergeht es den Kickerinnen der Schweizer U17-Auswahl dieser Tage im fernen Island, wo sie am Samstag den EM-Final bestreitet. Im Windschatten der Erwachsenen-Weltmeisterschaft wird ihr Beachtung zuteil.

Raphael Biermayr
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Lara Jenzer ist die Schweizer Mittelfeldstrategin.

Lara Jenzer ist die Schweizer Mittelfeldstrategin.

Keystone

Die Aufmerksamkeit für die U17-Equipe hochverdient: Das Team bestreitet am Samstag um 18 Uhr den EM-Final gegen Spanien (live auf Eurosport). Das ist erstaunlich, obwohl die Schweiz in der zweiteiligen Qualifikationsphase keine Partie verloren hat.

Auch für die Spielerinnen kommt das überraschend, wie Mittelfeldstrategin Lara Jenzer erklärt: «Niemand hat damit gerechnet. Wir haben Schritt für Schritt gemacht und schossen im richtigen Moment die Tore – und jetzt stehen wir im Final!»

Für den Final rechnet sie gute Chancen für ihr Team aus: «Spanien gegen Frankreich nur knapp gewonnen, genau wie wir.» Die Statistik steht nicht auf der Seite der Schweizerinnen: Von drei Vergleichen mit den Südwesteuropäerinnen konnten sie keinen gewinnen (2 Niederlagen, 1 Remis). Allerdings liegt die Begegnung bereits fünf Jahre zurück.

Die Physis ist ihr Trumpf

Während die Spielerinnen anderer Nationen an Vereinsinternaten Quasi-Profis sind, führen die Schweizerinnen neben dem Platz das Leben ganz normaler Teenager. Die 16-jährige Jenzer beispielsweise ist Kantischülern in Aarau, wo sie auch für das NLB-Team spielt.

Das Niveaugefälle zwischen den Teams in der zweithöchsten Spielklasse ist riesig. Dennoch vermag Jenzer auf internationalem Terrain zu bestehen- Sie selbst führt auf ihre starke konditionelle Verfassung zurück.

U17-Nationaltrainerin Monica Di Fonzo beschreibt Jenzer im «Blick» als «Traum für jeden Trainer. Sie ist sehr diszipliniert, setzt alle Vorgaben perfekt um. Lara ist eine Marathonläuferin, die marschiert.»

Ein Kartenspiel als Rital

Das Erfolgsrezept der Schweizer Equipe ist neben einem starken Teamgeist das Kartenspiel Arschlöchle, verrät Jenzer und führt lachend aus: «Vor jedem Spiel machen wir eine Runde. Andernfalls würden wir verlieren.»

Die beredte Spielerin begegnet der ungewohnten Aufmerksamkeit, die ihr Team derzeit geniesst, mit Staunen, aber auch mit einer gesunden Portion Realismus. «Was in den letzten Tagen passiert ist, ist mega. Aber nach der EM wird es vermutlich wieder ruhiger werden um uns.»

Wenn die Schweizerinnen am Samstag den Titel gewinnen, dürfte die Aufmerksamkeit noch etwas länger andauern.

Den EM-Final können Sie hier live mitverfolgen.

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