Ski alpin

Das Ende der Einsamkeit - Speedkönigin Lindsey Vonn kehrt in den Skizirkus zurück

Lindsey Vonn, hier zusammen mit ihrer Hündin Lucy, wird am Samstag wieder in das Weltcup-Geschehen eingreifen.

Lindsey Vonn, hier zusammen mit ihrer Hündin Lucy, wird am Samstag wieder in das Weltcup-Geschehen eingreifen.

Lindsey Vonn kann endlich wieder das tun, was sie glücklich macht – Ski fahren. Nach einer schwierigen und harten Verletzungspause kehrt die Amerikanerin am Samstag bei der Weltcup-Abfahrt in Altenmarkt-Zauchensee zurück.

Lindsey Vonn isst ein Joghurt. Lindsey Vonn schreibt ein Autogramm. Lindsey Vonn schüttelt die Hand ihrer Trainerin. Was sich wie Alltag im Leben der Ski-Olympiasiegerin liest, ist alles andere als das. Vonn zittert bei jeder dieser Tätigkeiten die rechte Hand, ihr Gesicht ist bisweilen schmerzverzerrt, und aus dem Hintergrund kommen ermunternde Rufe wie «Versuch es!», oder «Auf gehts, Lindsey!»

Im Video zeigt Lindsey Vonn ihren langen Weg zurück.

Schwerer verletzt als bekannt

Die Speed Queen spricht angesichts dieser mitleiderregenden Szenen in einem fünfminütigen Video auf ihrer Facebook-Seite von der «schwersten Reha» ihrer langen, zuletzt von schweren Verletzungen geprägten Karriere.

Am 10. November hatte sie sich beim Training nicht nur einen Spiralbruch im rechten Oberarm zugezogen, sondern, wie sie jetzt verriet, «schwerwiegende Nervenschäden» erlitten.

Und doch: Nach «zermürbenden neun Wochen» (Vonn) mit über 300 Stunden Therapie kehrt sie bei der Weltcup-Abfahrt morgen Samstag in Altenmarkt-Zauchensee zurück.

Die 32-Jährige inszeniert ihr Comeback mit der ihr eigenen Dramatik. Das Video, ein Auszug aus einer in Zusammenarbeit mit Spartensender Eurosport entstandenen Dokumentation, setzt mit erschütternden Bildern ein: Vonn nach ihrem Unfall in Copper Mountain im Rettungsschlitten. Vonn im Rollstuhl auf dem Weg ins Krankenhaus. Röntgenbilder von ihrem völlig zertrümmertem Oberarmknochen. Dann das böse Erwachen nach der OP, als sie ihre Hand nicht mehr bewegen kann.

Auf dem harten Weg zurück begegnen Vonn ihre Dämonen wieder, wie sie Anfang Januar zur besten Sendezeit im US-Fernsehen berichtet. Sie sei «sehr einsam», gesteht sie bei «60 Minutes» auf CBS, obwohl sie noch Ende November Kenan Smith, einen Trainer des Football-Teams LA Rams, als «wunderbaren boyfriend» vorgestellt hatte.

Lindsey Vonn setzt sich gerne publikumswirksam in Szene, hier bei einem Selfie mit dem Italiener Peter Fill.

Lindsey Vonn setzt sich gerne publikumswirksam in Szene, hier bei einem Selfie mit dem Italiener Peter Fill.

Doch die Depression, die Vonn mit Medikamenten behandelt, ist stärker als die Liebe. Es gebe «sehr harte Momente», sagt Vonn, manchmal wolle sie nicht einmal aufstehen – vor allem, wenn sie nicht Ski fahren dürfe.

Suche nach Liebe und Anerkennung

Offen wie nie zeichnet Vonn von sich das Bild einer von Selbstzweifeln geplagten jungen Frau, die nichts sehnlicher wünscht als Liebe und Anerkennung. «Skifahren macht mich glücklich», sagt sie, «und wenn ich nicht fahre, fällt es mir schwer, glücklich zu sein.» Sie muss zurück auf die Piste, die ihr die Welt bedeutet.

Dort will Vonn (76 Weltcup-Siege) die Bestmarke von Ingemar Stenmark (86 Siege) übertrumpfen – koste es, was es wolle. «Ich kann mich belügen und sagen, dass mir das nichts bedeutet, aber das tut es. Wenn ich den Rekord knacke, gehe ich in die Skigeschichte ein», sagt sie.

Die Doku, die im Februar vor der Weltmeisterschaft ausgestrahlt werden soll, trägt den passenden Titel «Chasing history». «Ich will, dass die Leute sich daran erinnern, dass ich immer gewonnen habe – nicht, dass ich immer verletzt war», sagt Vonn.

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