Schwingen
Darum wird das «Eidgenössische» in Estavayer das Fest der Rekorde

Gross, grösser, «Eidgenössisches». Das 44. Eidgenössische Schwing- und Älplerfest findet am Samstag und Sonntag in der Romandie statt, in jener Region mit Ausnahme des Tessins also, die dem Schwingen am wenigsten zugetan ist. Dennoch wird der Grossanlass in Estavayer, durchgeführt auf dem Militärgelände im nahen Payerne VD, alle Rekorde brechen.

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Die Schwinger-Arena in Estavayer steht, die Sägemehlringe sind aufgeschüttet: Am Wochenende kann das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in der Romandie über die Bühne gehen.

Die Schwinger-Arena in Estavayer steht, die Sägemehlringe sind aufgeschüttet: Am Wochenende kann das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in der Romandie über die Bühne gehen.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Das Fassungsvermögen der im traditionellen Sechseck angeordneten Ad-hoc-Arena wird nicht mehr stark wachsen können. Die Grenzen der Grösse scheinen erreicht zu sein. 52'016 Zuschauerinnen und Zuschauer werden die Wettkämpfe von Samstagmorgen bis Sonntagnachmittag verfolgen. 50'000 steht für 50'000 und 2016 für das Jahr. 2013 in Burgdorf waren folgerichtig 52'013 Plätze zur Verfügung gestanden.

Würde man das Sechseck vergrössern, würden die Zuschauer in den obersten und hintersten Reihen die Schwinger wohl nur noch mit einem Feldstecher erkennen können. Mehr Zuschauer noch, als in der Arena Platz haben, werden sich auf dem Festplatz um die Arena herum einfinden. An beiden Wettkampftagen zusammen werden schätzungsweise mehr als eine Viertelmillion Menschen dort sein.

Der Schwingsport ist in den letzten 15 Jahren einen Weg gegangen, den man kaum für möglich gehalten hätte. Die Besten wie Jörg Abderhalden, Arnold Forrer, Martin Grab, später Christian Stucki, Kilian Wenger und Matthias Sempach mussten sich ihre brachiale Kunst plötzlich nicht nur mit Treicheln, Stabellen, Trögli oder einem Muni vergüten lassen. Vielmehr konnten sie ihre Popularität mehr und mehr vermarkten lassen. Sie sind gut verdienende Werbebotschafter für die verschiedensten Produkte und Institutionen.

In kurzer Zeit wurde der eine oder andere von ihnen Millionär, was nach den früheren Richtlinien des Verbandes - jegliche kommerzielle Werbung war verboten - undenkbar gewesen wäre. Das führte für eine Weile zu einem Hosenlupf zwischen Traditionalisten und Verbandsvertretern einerseits sowie den Athleten andererseits. Sogar Jörg Abderhalden und sein Götti Ernst Schläpfer, zweimaliger Schwingerkönig, gerieten sich in die Haare. Heute ist die Sache so geregelt, dass die Schwinger einen Teil ihrer Einnahmen dem Verband zukommen lassen. Damit können offenbar beide Seiten gut leben - und das Schwingen ist in der neuzeitlichen Geschäftswelt angekommen.