Beginnen wir mit einer Banalität. Olympische Spiele unterscheiden sich in Einzeldisziplinen fundamental von allen anderen Wettkämpfen. Für sehr viele Sportarten ist die olympische Bühne die einzige Chance zum Ruhm. Sie ist nur alle vier Jahre offen. Und das hat weitreichende Folgen. Ein Tag in vier Jahren entscheidet alles. Die Vorbereitung wird bei dieser extremen Konzentration auf den «Tag X» eine logistische Herausforderung der besonderen Art.

Nur wenn alle berechenbaren äusseren Faktoren stimmen, ist ein Erfolg möglich. Deshalb ist es kein Zufall, dass die Schweiz bereits bei Halbzeit mit fünf Medaillen und neun Diplomen mehr erreicht hat als vor vier Jahren in London (4/6) während der ganzen Spiele. Ja, in London hatten die Schweizer bei der traditionellen Halbzeitbilanz noch keine Medaille. Es ist sogar möglich, dass der Rekord der Neuzeit (9 Medaillen 2000 in Sidney) übertroffen wird.

Olympiasieger in der Vorbereitung
Warum sind die Schweizer erfolgreicher als vor vier Jahren? Von den vielen Faktoren ist einer von zentraler Bedeutung und wird in den Emotionen des Augenblicks kaum erwähnt. In der britischen Hauptstadt war die Vorbereitung einfacher, in Rio ist sie ungleich schwieriger. In Rio ist mit akribischer Detailarbeit noch mehr herauszuholen als in London. Die Schweizer sind Olympiasieger in der Vorbereitung. Die Effizienz des Dachverbandes «Swiss Olympic» und der Fachverbände ist in diesem Bereich weltweit unübertroffen.

Nicht die Quantität der eingesetzten finanziellen Mittel entscheidet. Es ist die Qualität. Die Effizienz. Die Intelligenz beim Einsatz der Mittel. Und das ist ein Problem. Die Schweizer werden alle vier Jahre für ihre Tüchtigkeit bestraft. Die Forderungen nach grösserer finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand (Bundeskasse) verhallen immer wieder ungehört. Mit einem einleuchtenden populistischen Argument: Es geht ja, was wollt ihr mehr?

Stöcklis Hoffnung
Aber wie lange funktioniert das noch? Weltweit wird in immer mehr Ländern immer mehr in den Spitzensport investiert. Im Herbst werden bei uns politische Weichen gestellt. Der Bundesrat wird dem Parlament einen Aktionsplan für die nächsten Jahre vorlegen. Es soll nicht mehr Geld aus der Bundeskasse in den Spitzensport fliessen. Olympiageneral Ralph Stöckli sagte gestern im Rahmen der «Halbzeit-Bilanz», er hoffe immer noch auf grössere finanzielle Unterstützung durch den Bund. Sportminister Parmelin und Bundespräsident Johann Schneider-Ammann waren hier in Rio. Man habe gute Gespräche geführt.
Unsere Sportgeneräle mögen zu den Besten der Welt gehören. Politisch sind sie naiv. Bundesräte sind immer gut gelaunt, wenn sie eine schöne Reise machen und mit Sportlern plaudern. Gute Gespräche unter Palmen haben keinerlei politische Bedeutung. Die Schweiz ist in Rio eine grosse Sportnation. Sportpolitisch bleibt sie daheim im eigenen Land ein Zwerg.

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Grafik: Elia Diehl

Cartodb: Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

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