Die Fussfessel ist Petter Northug wieder los. Der 13-fache Langlauf-Weltmeister hat seine Strafe verbüsst. Fünfzig Tage Gefängnis hatte ihm die norwegische Justiz dafür aufgebrummt, dass er sich im Mai 2014 stark alkoholisiert ans Steuer seines Sportwagens gesetzt und diesen nach kurzer Fahrt mit Totalschaden im Strassengraben versenkt hatte.

Einen Klotz hat Northug allerdings noch immer am Bein. Der norwegische Verband hat den erfolgreichsten Langläufer der WM-Geschichte vergangene Woche für die kommende Saison aus dem Weltcup-Team ausgeschlossen. Der Grund: Northug hat die vom Verband verlangte Sponsoringvereinbarung nicht unterzeichnet.

Das Thema bewegt die norwegische Öffentlichkeit in diesen Tagen wie keine andere Frage. Northug ist in seiner Heimat so populär wie kein anderer Sportler. Ebenso zuverlässig wie Medaillen in der Nationalsportart Langlauf liefert der Exzentriker aus der Nähe von Trondheim Schlagzeilen für die stark vom Boulevard geprägten Medienlandschaft. Um einen trockenen Spruch, eine Stichelei gegen die Lieblingsnachbarn aus Schweden oder eine provokative Geste nach einem Sieg ist der 29-Jährige selten verlegen.

Seinen Erfolg verdankt Northug zu einem grossen Teil dem Willen, konsequent seinen eigenen Weg zu verfolgen – eine Charaktereigenschaft, die in der Vergangenheit immer wieder für Konflikte mit dem Verband sorgte. Zu Misstönen kam es bereits 2006, als der damals 20-Jährige nicht für die Olympischen Spiele in Turin aufgeboten wurde. Später löste er mit einem Sponsoring-Deal mit dem Getränkehersteller Red Bull in der norwegischen Sportszene eine Diskussion zum Thema gesunde Ernährung aus.

Seit 2013 trainiert Northug nicht mehr mit der Nationalmannschaft, sondern in einem eigenen Privatteam, das sich ausserhalb der Wettkämpfe vom Skiservice bis zur medizinischen Betreuung um alles kümmert. Seinen Betreuerstab finanziert Northug selber – über seine eigenen Sponsoren.

Und da liegt auch der Grund für den Clinch mit dem Verband. Northugs Hauptsponsor ist die Supermarktkette Coop, ein direkter Konkurrent des Verbandssponsors Spar. Im letzten Winter durfte Northug nur deshalb im Weltcup sowie an den Weltmeisterschaften in Falun teilnehmen, weil er während der gesamten Saison darauf verzichtete, für Coop zu werben.

Diesen Deal will Northug heuer nicht mehr eingehen. Er will die Nationalmannschaft nur noch dann repräsentieren müssen, wenn er wirklich mit dem Team unterwegs ist. Weil diesen Winter weder Olympische Spiele noch Weltmeisterschaften stattfinden, betrifft dies vor allem die Weltcuprennen – zu denen auch die Tour de Ski gehört.

Kommt es bis zum Saisonstart nicht zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien, muss sich Northug diesen Winter mit Auftritten bei Langdistanz-Volksrennen wie Wasalauf oder Birkebeiner begnügen. Solchen ist er zwar nicht abgeneigt, aber sein primäres Ziel für die kommenden Jahre ist ein anderes: «Ich will im Weltcup die Konkurrenten schlagen und an den Meisterschaften für Norwegen Medaillen gewinnen.»

Darf er dies nicht, wird die internationale Konkurrenz vom Streit der Wikinger profitieren – und Olympiasieger Dario Cologna nicht mehr gegen seinen grössten Widersacher antreten müssen. Ob der Ausschluss seines grössten Stars dem Langlauf-Sport dienlich wäre, ist allerdings zu bezweifeln. Für Norwegen wäre Northugs Absenz zudem besonders bitter, als mit Marit Björgen im kommenden Winter auch der grosse weibliche Star fehlen wird. Die 35-Jährige wird im Dezember Mutter.

Northug muss sich zumindest keine Sorgen machen, in Norwegen in Vergessenheit zu geraten. Diese Woche hat er mit seinem Team einen eigenen TV-Sender im Internet lanciert – mit der norwegischen Premierministerin als erster Talkpartnerin von Interviewer Northug.