So schnell gibt ein Champion nicht auf. Einen Tag nach der herben Niederlage im 30-km-Massenstartrennen zeigte Dario Cologna bei der Tour de Ski auf der Lenzerheide eine starke Reaktion. Der Bündner liess sich in der Skating-Verfolgung über 10 km die drittbeste Tageszeit notieren und rückte damit in der Gesamtwertung um zwei Positionen auf dem 8. Platz vor.

Dario Cologna auf der Lenzerheide

November 2015: Dario Cologna spricht auf der Lenzerheide über die neue Saison.

Der Abschluss des dreitägigen Tour-Auftakts in seinem Heimatkanton markiert für den dreifachen Olympiasieger gleichzeitig einen Neustart innerhalb des Etappenrennens mit revidierter Zielsetzung. Nachdem sich Cologna am Samstag einen Rückstand von fast drei Minuten eingehandelt hatte und sich für diesen Winter von den Hoffnungen auf seinen vierten Toursieg verabschieden musste, setzte der 29-jährige Münstertaler gestern zur Aufholjagd auf einen Podestplatz an.

«Ich fühlte mich wieder deutlich besser als in der zweiten Etappe», sagte Cologna, der auf den ersten Kilometern in einem Kraftakt zum vor ihm gestarteten Trio aufschloss und in der Folge von der Arbeit der Gruppe profitieren konnte. «Ich habe zu Beginn viel Energie investiert, um dem Anschluss nach vorne zu schaffen. Das hat sich ausbezahlt.»

Podest noch in Reichweite

Obwohl die vergleichsweise kurze Etappe nicht annähernd für die gleiche Zäsur sorgte wie das Massenstartrennen mit Bonussekunden am Vortag, konnte Cologna damit im Zwischenklassement den Rückstand auf einen Podestrang reduzieren. Nach drei von acht Etappen beträgt die Differenz zum drittklassierten Norweger und gestrigen Tagesschnellsten Finn Hagen Krogh 47 Sekunden. «Das ist noch in Reichweite», sagte Cologna kämpferisch, ohne sich Illusionen zu machen. «Wenn ich noch das Podest erreichen will, darf ich mir keine Schwächen mehr erlauben.»

Darauf kann er sich angesichts des bisherigen Saisonverlaufs allerdings nicht verlassen. Noch immer rätselt Cologna über die Gründe für die Formschwankungen, die ihn seit dem Saisonstart von Ende November in Kuusamo begleiten. Nach der Analyse der ersten Weltcuprennen hatte der Bündner gehofft, mit einem Trainingsblock mit zahlreichen Einheiten im intensiven Bereich auf den ersten Saisonhöhepunkt hin zu Konstanz auf hohem Niveau zu finden.

Nun scheint sich die Achterbahnfahrt aber bei der Tour de Ski fortzusetzen. Nach einem starken Tourauftakt am Neujahrsstag mit dem ersten Sprint-Finaleinzug seit drei Jahren, folgte am Samstag der Rückschlag im Massenstartrennen in klassischer Technik, der sich mit den offensichtlichen Materialproblemen nicht abschliessend erklären lässt. Neben Cologna wird auch das Serviceteam in den kommenden Tagen weiter gefordert sein: Nach dem heutigen Ruhetag stehen morgen und übermorgen in Oberstdorf mit einem Sprint und einem 15-km-Massenstartrennen zwei weitere Etappen in klassischer Technik auf dem Programm, ehe die Tour ab Freitag mit drei Rennen in Toblach und im Val di Fiemme zu Ende geht.

Im Vergleich zum souveränen Tourleader Martin Johnsrud Sundby blieb Colognas Rückstand gestern konstant. Der Norweger, der die Distanzrennen in diesem Winter nach Belieben dominiert, zeigte auch gestern keine Anzeichen einer Schwäche, obwohl er nach eigener Einschätzung nicht den besten Tag erwischte. «Ich habe die beiden ersten Etappen in den Beinen gespürt», sagte der 31-Jährige, der in der Loipe ganz auf sich allein gestellt war und das Klassement mit anderthalb Minuten Vorsprung auf Landsmann Petter Northug anführt. «Ich bin froh um einen Ruhetag.»

Johaug überraschend geschlagen

Bleibt Sundby von Krankheit und Unfall verschont, dürfte ihm der dritte Toursieg in Folge kaum mehr zu nehmen sein. Eine überraschende Wendung hat hingegen das Frauenrennen genommen, wo sich die haushohe Favoritin Therese Johaug im Verfolgungsrennen überraschend ihrer norwegischen Landsfrau Ingvild Flugstad Östberg geschlagen geben musste. «Ich kann selber kaum glauben, was mir gelungen ist», sagte die verblüffte Siegerin, welche die Tour nun 14 Sekunden vor Johaug anführt und damit für unerwartete Spannung sorgt.

Eine äusserst positive Bilanz dürfen nach dem ersten Tour-de-Ski-Auftakt in der Schweiz die Organisatoren auf der Lenzerheide ziehen. Rund 27 000 Zuschauer trugen an den drei Tagen in der Biathlon-Arena ihren Teil zu stimmungsvollen Wettkämpfen bei, wobei die frisch verschneite Umgebung und Sonnenschein am letzten Tag die Kulisse noch vollendeten.