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Dario Cologna fehlt für den Sieg ein Gang, Ingvild Östberg ein Stock

Die Norwegerin Ingvild Flugstad Östberg steht an der Tour de Ski nach den Geschichten über ihre Gewichtsprobleme unter immenser Beobachtung.

Die Norwegerin Ingvild Flugstad Östberg steht an der Tour de Ski nach den Geschichten über ihre Gewichtsprobleme unter immenser Beobachtung.

Der Schweizer Teamleader zeigt an der Tour de Ski eine starke Leistung, im spannenden Kampf um den Gesamtsieg spielt er aber keine Rolle. Drei Männer und fünf Frauen können sich am abschliessenden Tour-Wochenende noch Hoffnungen auf den Triumph machen.

Die Auseinandersetzungen um den Sieg bei der Tour de Ski sind so spannend wie nie in den vergangenen Jahren. Die bewussten Änderungen im Rennprogramm und bei der Vergabe von Bonussekunden haben dazu beigetragen, dass vor dem abschliessenden Wochenende noch drei Männer und fünf Frauen als Gewinner in Frage kommen.

Nicht zu den potenziellen Gesamtsiegern gehört der Schweizer Dario Cologna. Der 33-Jährige zeigte im Massenstartrennen über 15 km klassisch zwar das angestrebte offensive Auftreten und gehörte in der Schlussphase zum Sextett, welches sich vom Rest des Feldes absetzen konnte.

Im Kampf um den Tagessieg, den die drei Führenden der Gesamtwertung unter sich ausmachten, war Cologna letztlich chancenlos. «Im klassischen Stil fehlt mir im Vergleich zu den Besten ein Gang», gab der vierfache Olympiasieger zu, «und Klaebo, Ustjugow und Bolschunow waren auch heute stärker als die Anderen».

In einem Meisterschaftsrennen hätte er noch etwas mehr riskiert, wäre in der verhaltenen ersten Phase des Rennens etwas aktiver gelaufen. Aber letztlich sei für ihn klassisch nur dann noch mehr möglich, «wenn das Rennen früh härter wird und zu einer Selektion führt».

Cologna will im Sprint etwas riskieren

Angesichts des ausgedünnten Sprinterfeldes, seiner guten Verfassung und des nur dezent auftretenden Reizhustens hat sich Dario Cologna entschieden, im Gegensatz zum Skating-Sprint in Lenzerheide im Prolog zum heutigen Klassisch-Sprint volles Risiko zu gehen und die Finalteilnahme anzustreben.

«Das sollte eigentlich möglich sein. Aber all zu viel erwarte ich trotzdem nicht. Vielleicht kann ich die eine oder andere Sekunde gut machen», sagt Dario Cologna, der im Tourklassement den neunten Rang belegt und noch immer auf den vierten Platz schielen darf. Eine halbe Minute fehlt ihm derzeit auf den Norweger Sjur Röthe. Auf den Podesträngen trennen Bolschunow, Klaebo und Ustjugow nur 21 Sekunden. Das verspricht einen ausserordentlich spannenden Schlussanstieg auf die Alpe Cermis.

Östberg von der Essstörung zum Toursieg?

Noch grösser ist der Kreis der möglichen Toursiegerinnen bei den Frauen. Die haushohe norwegische Favoritin Therese Johaug musste gestern, gestresst durch einen Sturz und ungewohnt aufsässige Konkurrenz, Federn lassen. Erstmals seit März 2016 beendete die dreifache Weltmeisterin von Seefeld ein Distanzrennen nicht auf dem Podest.

Dass Johaug die Gesamtwertung vor dem ungeliebten Sprint weiterhin knapp anführt, liegt auch daran, dass ihre erste Herausforderin Ingvild Flugstad Östberg im Massenstartrennen viel Pech ereilte. Im letzten Aufstieg brach ihr rechter Stock. Das Malheur verursachte ausgerechnet - aber unabsichtlich - die hinter ihr laufende Johaug. Anstatt dem möglichen Tagessieg gehörten Östbergs Emotionen im Ziel dem Ärger über den Stockbruch.

Ungeachtet des Missgeschicks ist die 29-jährige Norwegerin die eigentliche Überraschung dieser Tour. Zwar trat Östberg als Titelverteidigerin an, in Anbetracht des Wirbels über ihre monatelange Schutzsperre wegen eines nicht bestandenen Gesundheitschecks aber auch als emotional und medial gebeutelte Athletin.

Die letzten sechs Wochen trainierte sie allein in der Heimat, ohne den genauen Zeitpunkt der Aufhebung ihrer Sperre zu kennen. Zur Tour startete Östberg quasi auf Bewährung und im Unwissen über ihrer Form. Nun hat sie die Chance, nach Überwindung einer Essstörung das wichtigste Rennen der Saison zu gewinnen.

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