Langlauf steht in der Schweiz mehr oder weniger gleichbedeutend mit dem Namen Dario Cologna. Gleichzeitig verkörpert der am Freitag 30-jährig gewordene Ausnahmekönner ein gutes Stück Schweizer Langlauf. Als sich der Heilungsprozess seiner an der Tour de Ski im Januar in Val di Fiemme verletzten Wade verzögert hatte und das Weltcup-Comeback Anfang Februar gescheitert war, verschoben sich Colognas Prioritäten.

Cologna verzichtete auf das üppige Weltcup-Schlussbouquet in Übersee, die strapaziöse «Ski Tour Canada», und lenkte damit auch den Fokus hierzulande prompt auf andere Anlässe. Mit dem Wasalauf (Rang 5 bei der Premiere am vergangenen Sonntag) in Schweden und dem Engadin Skimarathon nahm Cologna neue Ziele ins Visier.

Das freut die Organisatoren des Oberengadiner Klassikers, der heute zum 48. Mal ausgetragen wird. «Selbstverständlich bedeutet Colognas Teilnahme einen erheblichen Prestigegewinn für den Anlass», sagt OK-Präsident Ivo Damaso.

Colognas Vergangenheit im Engadin

Eine Premiere ist Colognas Start über die 42 Kilometer zwischen Maloja und S-chanf nicht. 2007 wurde sein Name mit einem Überraschungscoup am 21. Geburtstag schlagartig einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er nutzte den Schwung und triumphierte direkt danach an den U23-Weltmeisterschaften im italienischen Tarvisio gleich doppelt.

2008 bescherte Cologna der «Engadiner» indes auch eine Enttäuschung, als ihm der Norweger Tor-Arne Hetland auf der Zielgeraden den – bis heute gültigen – Streckenrekord vor der Nase wegschnappte.

2010 war Cologna – als frischgekürter Olympiasieger von Vancouver nun ein hochdekorierter Star der Szene – ein letztes Mal am Start im Engadin. Damals wie heute wurden spezielle Umstände zum Glück der Organisatoren. Vor sechs Jahren sah sich Cologna – der als Favorit souverän seinen zweiten Sieg einfuhr – infolge Nachwehen einer hartnäckigen Erkältung zum Verzicht auf die finalen Entscheidungen im Weltcup veranlasst.

«Es gibt einen Cologna-Effekt»


Es gibt handfeste Indizien, dass Cologna im Engadin mehr als nur für einen Prestigegewinn zuständig ist. Ein Blick auf die Teilnehmerliste spricht Bände. Beim Triumph des Jungläufers Cologna 2007 hatten sich vergleichsweise bescheidene 10 441 Läuferinnen und Läufer für den Anlass eingeschrieben, 2015 sorgten 13 331 Anmeldungen für das drittbeste Meldeergebnis der Geschichte.

«Es gibt einen Cologna-Effekt», sagt Albert Giger, langjähriger Rennleiter und Staffel-Olympia-Bronzegewinner von Sapporo 1972.

Wer kann Cologna am dritten Sieg hindern? Mit Sjur Röthe ist ein norwegischer Weltcupläufer aus der ersten Reihe präsent. Im Vorjahr triumphierte er beim «50er» am Holmenkollen – im Schlussspurt unmittelbar vor Cologna. «Toll, dass diese Revanche bei uns stattfindet», sagt Damaso.

Als Anwärter auf den Sieg nennt er in seinem letzten Jahr als OK-Präsident auch Toni Livers. Ihm fehlt es aber etwas an Endschnelligkeit. Das Frauenrennen, mit Seraina Boner und Vorjahressiegerin Anouk Faivre Picon in den Hauptrollen, steht etwas weniger im Fokus. Langlauf in der Schweiz bedeutet eben primär Dario Cologna.