«Genau, es ist ein Vorteil!», antwortet Dario Cologna mit schelmischem Unterton. Der Schweizer Langlauf-Star lädt einen Tag nach seiner Ankunft in Finnland zur Audienz. Und er bestätigt: «Ich fühle mich gut und ich starte hier, um eine Medaille zu gewinnen.»

Der Schreck war gross, als vor zehn Tagen publik wurde, dass die einzige Schweizer Goldhoffnung erneut an den altbekannten Wadenproblemen leide. Zwar hatte der 30-Jährige bereits im Spätherbst gegenüber der «Nordwestschweiz» betont, er habe keine Garantie, dass die Wade halte. Doch weil sie es im bisherigen Saisonverlauf eben tat und Cologna nie über körperliche Probleme klagte, geriet seine Schwachstelle in Vergessenheit.

Vorteil oder Nachteil

Doch dann, im letzten Trainingslager vor den Weltmeisterschaften in St. Moritz, zwickte es den Bündner zuerst im Rücken, dann im Gesäss und schliesslich in der Wade. «Es ist auch für mich eine Enttäuschung, dass es ausgerechnet jetzt wieder passiert», sagt er.

Dario Cologna nach den kleinen Rückschlägen: «Es ist auch für mich eine Enttäuschung, dass es ausgerechnet jetzt wieder passiert.»

Dario Cologna nach den kleinen Rückschlägen: «Es ist auch für mich eine Enttäuschung, dass es ausgerechnet jetzt wieder passiert.»

Weil die Probleme primär bei Rennen im klassischen Stil auftauchen, reduzierte sich sein WM-Programm auf einen Schlag um die Hälfte. Neben der Staffel, wo er am Freitag die dritte Ablösung bestreiten wird, gibt es für den dreifachen Olympiasieger anstatt drei nur noch eine Chance für eine Einzelmedaille – am Sonntag über 50 Kilometer.

So wären wir zurück beim von Cologna angesprochenen «Vorteil». Die Begleiterscheinungen seiner Ausgangslage, die man mit positiver oder negativer Optik betrachten kann, sind zahlreich.

Etwa der Nachteil, dass er nach vier Wochen ohne internationale Rennpraxis an den Start geht. Oder ist es gar ein Vorteil, dass er im Gegensatz zu den härtesten Konkurrenten mit frischen Beinen antritt?

Dann natürlich die Statistik. Dario Cologna hat noch nie ein 50-km-Rennen gewonnen. Aber er hat bei seinen grossen Erfolgen – den Olympiasiegen in Vancouver und Sotschi sowie dazwischen dem WM-Titel in Val di Fiemme – stets beim ersten Renneinsatz reüssiert.

Und zu guter Letzt auch seine Anfälligkeit für Stürze in entscheidenden Wettkampfsituationen. In Lahti führt ausgerechnet eine anspruchsvolle Abfahrt mit einer verhängnisvollen 180-Grad-Kurve ins Zielgelände. Cologna wäre nicht der Erste, dem sie zum Verhängnis wird. Selbst hier sieht der Schweizer Teamleader das Positive: «Es ist eine Rechtskurve und ich stürze wenn schon in Linkskurven», sagt er schlagfertig am Medientreffen.

Der Streich mit Hudac

Überhaupt erlebt man einen bestens gelaunten und zuversichtlichen Cologna. «Ich war mir immer sicher, dass ich nach Lahti komme», sagt der 30-Jährige. Oder zum Gold-Duell von Sundby und Ustjugow im Skiathlon: «Ich denke schon, dass ich dort mitgemischt hätte.» Selbst Trainer Ivan Hudac bekommt Colognas Schalk zu spüren. Dieser meldet sich am Morgen krank beim Chef ab.

Nur, um danach das entsetzte Gesicht des Slowaken zu geniessen . . .
Erst ganz am Schluss des Gesprächs blickt Dario Cologna wieder ernster. «Die Situation ist nicht einfach. Ich weiss nicht zu 100 Prozent, wo ich stehe.» Das Rennen wird die Wahrheit bringen. Der Bündner weiss, dass viel vom Ausgang des Fünfzigers abhängt. Etwa, ob seine Saison positiv oder negativ in Erinnerung bleibt.