Kopfschutz
Dank Rugby-Helm: Fabian Rohner traut sich wieder in Kopfballduelle

Für Fabian Rohner hat (19) hat die Gesundheit Vorrang: Der FCZ-Spieler hatte nach zwei Hirnerschütterungen Hemmungen, in Kopfballduelle zu steigen und zu köpfeln – mit einem Kopfschutz konnte er seine Ängste überwinden.

Markus Brütsch
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Fabian Rohner (links): Dank Helm scheut er kein Kopfballduell.

Fabian Rohner (links): Dank Helm scheut er kein Kopfballduell.

Keystone

Helm auf und rein ins Getümmel. Am Mittwoch ist Fabian Rohner im Cuphalbfinal gegen GC ein Kunststück gelungen: eingewechselt beim Stand von 1:1 in der 91. Minute, Augenzeuge von Brunners Siegtreffer in der 92. Minute, Einzug in den Cupfinal in der 93. Minute und ausgelassener Jubel vor der Südkurve. Das Besondere aus Rohners Sicht: «Ich habe keinen Ball berührt.»

Verteidiger tragen das grösste Risiko

«Schiri, ist das das Finale? Ich muss wissen, ob das wirklich das Finale ist!» Das waren Christoph Kramers Worte, nachdem er 2014 im WM-Finale nach einem Zusammenstoss zu Boden gegangen war. Er spielte dann trotz einer Gehirnerschütterung noch ein paar Minuten weiter.
Vor ein paar Wochen kam aus England die Meldung, Mittelfeldspieler Ryan Mason (26) von Hull City habe ein Jahr nach dem Zusammenstoss mit Chelseas Gary Cahill die Karriere beenden müssen. Er hatte sich damals einen Schädelbruch zugezogen und danach vergeblich um ein Comeback gekämpft. Auch der Tscheche Petr Cech hatte 2006 einen Schädelbruch erlitten und steht seither als Vorreiter mit einem Helm im Tor. In der Super League tragen derzeit Pa Modou, Fabian Rohner (FCZ) sowie Thuns Goalie Guillaume Faivre einen Kopfschutz.
Wie man es nicht machen darf, zeigte 2013 Tottenhams Trainer Villas-Boas. Sein Torwart Lloris war von Evertons Lukaku hart am Kopf getroffen worden und kurzzeitig bewusstlos. Villas-Boas liess Lloris weiterspielen, obwohl der Teamarzt die Auswechslung gefordert hatte. Heute liegt die Entscheidung offiziell beim Arzt. In der Schweiz ist die Kopfverletzung von Bürki im Jahr 2014 als GC-Goalie in Erinnerung. Getroffen von Nushi lag er eine Viertelstunde reglos auf dem Boden.

Montandons Horrorserie

Das grösste Risiko für Kopfverletzungen tragen aber nicht die Torhüter (6,9 Prozent), sondern die Verteidiger (37,9 Prozent), vor den Aufbauern und Stürmern (je 27,6 Prozent). Dies musste auch der St. Galler Philippe Montandon zur Kenntnis nehmen, der 2015 nach der achten(!) Gehirnerschütterung seine Laufbahn beendete. «Das Risiko muss jeder für sich abschätzen. Bei mir war der Kopfschutz eher ein psychologischer Schutz», sagte Montandon.
Kopfverletzungen machen im Fussball 3,3 Prozent aller Verletzungen aus; am häufigsten sind Oberschenkelverletzungen (27,9 Prozent). Entscheidend ist, dass der Staff den Mut aufbringt, einen Spieler mit Anzeichen einer Gehirnerschütterung vom Platz zu holen. Bei Zusammenstössen wirken Kräfte von einigen hundert Kilogramm. Weiterzuspielen ist extrem gefährlich. Experten gehen davon aus, dass Gehirnerschütterungen langfristige Folgen wie Gedächtnisverlust, Demenz und Depressionen haben können.

Am Donnerstagnachmittag erscheint der 19-Jährige auf der Geschäftsstelle des FCZ. Aber nicht, um die Cupfinalprämie abzuholen, sondern weil er hier arbeitet. Rohner ist im letzten Jahr seiner KV-Sportlerlehre, die es ihm erlaubt, parallel dazu die fussballerische Ausbildung zum Profi voranzutreiben. «Eine gute Sache», sagt Rohner. Auf der Geschäftsstelle sitzt er meistens am PC, beantwortet Kundenanfragen und nimmt Telefonanrufe entgegen.

Es läuft gerade ziemlich gut in der noch jungen Laufbahn des Youngsters: Profivertrag bis 2020; Debüt im Fanionteam im April 2017; U20-Nati; erstes Super-League-Spiel im Dezember 2017; Torpremiere und erstes TV-Live-Interview im Februar 2018; und nun auch noch der Cupfinal. «Bubenträume gehen in Erfüllung», sagt Rohner.

Unter Magnin Schweizer Meister

Als Zehnjähriger hat er vom SV Höngg zum FCZ gewechselt, alle Stufen der Letzikids und der Academy durchlaufen und als Fan in der Südkurve die erste Mannschaft angefeuert. Er hat auch gelernt, Widerstände zu überwinden. «Weil ich in der U15 zu klein war, durfte ich nicht mehr mit den Gleichaltrigen mitspielen und musste ein zweites Jahr in der U15 machen.

Dasselbe passierte in der U16», berichtet Rohner. Dann aber zündete es bei ihm. Er holte seine früheren Teamkollegen wieder ein und wurde mit der U18 Schweizer Meister. Dass der damalige Trainer seit zehn Tagen nun auch sein aktueller ist, freut Aufbauer Rohner: «Ludovic Magnin pusht uns und verlangt, dass wir als Persönlichkeiten auftreten.»

Als der Höngger vor drei Wochen in St. Gallen mit einem herrlichen Distanzschuss die Wende zugunsten des FCZ einläutete, fragten sich viele: Weshalb trägt der Junge diesen Helm? Von Teamkollege Pa Modou, der ebenfalls einen Kopfschutz trägt, ist ja bekannt, dass er sich beim FC Sion einmal eine schwere Schädelverletzung zugezogen hatte.

«Ich hatte zwei Mal eine Hirnerschütterung und war danach gehemmt, in die Kopfballduelle zu steigen oder überhaupt zu köpfeln», erzählt Rohner. Er habe sich dann mit der Familie und Mannschaftsarzt Stefan Sannwald besprochen und sich entschieden, einen Kopfschutz zu tragen. Zuerst habe er ein Band um den Kopf ausprobiert, wie es einst Hanu Tihinen beim FCZ trug, aber damit habe er sich nicht geschützt genug gefühlt.

Der Rugby-Helm Zwar ist in der Schweizer Rugbymeisterschaft das Tragen eines Helms nicht obligatorisch, aber im Vergleich zum Fussball wird er von bedeutend mehr Akteuren getragen. Er kostet – je nach Ausstattung (Polsterung, Höhe der Augenbrauenlinie) zwischen zwölf und sechzig Franken.

Der Rugby-Helm Zwar ist in der Schweizer Rugbymeisterschaft das Tragen eines Helms nicht obligatorisch, aber im Vergleich zum Fussball wird er von bedeutend mehr Akteuren getragen. Er kostet – je nach Ausstattung (Polsterung, Höhe der Augenbrauenlinie) zwischen zwölf und sechzig Franken.

AZ

Er habe auch mit Pa Modou gesprochen, aber dessen Modell als zu wenig stark betrachtet. «Ich habe dann im Internet einen gepolsterten Rugbyhelm entdeckt und bin damit nun sehr zufrieden», sagt Rohner. «Ganz zu Beginn fühlte es sich etwas komisch an. Man hat beim Kopfball ein anderes Gefühl; der Ball fliegt wegen der Polsterung nicht immer an den gewünschten Ort», schildert Rohner die ersten paar Tage.

«Jetzt aber spüre ich nicht mal mehr, dass ich einen Kopfschutz trage.» Er fühle sich damit einfach sicherer, zumeist auch im Training und sagt, das Helmtragen sei eine absolute Notwendigkeit gewesen, um seine Angst zu überwinden. Von den Teamkollegen sei er deswegen aber nicht gefoppt worden. «Für mich ist die Gesundheit ohnehin wichtiger als das Aussehen», sagt Rohner.

Er hofft, auch heute Abend seinen Helm aufsetzen zu dürfe und zum Einsatz zu kommen. «Wir reisen nach dem Sieg im Cup voller Selbstvertrauen nach Basel und wollen die drei Punkte holen», sagt Rohner. Er hofft auf sein erstes Helmkopftor.