Ständerat

CVP-Titan Filippo Lombardi abgewählt: Das ist Ambris gefährlichste Niederlage

Filippo Lombardi in seinem Element (Archivbild).

Filippo Lombardi in seinem Element (Archivbild).

Nie hatte Ambri einen charismatischeren Präsidenten als Filippo Lombardi (63). Nun ist dieses «Animal Politique» als Ständerat abgewählt worden.

Filippo Lombardi führt Ambri seit 2009. Er wird einmal als einer der ganz grossen Präsidenten in die Klubgeschichte eingehen. Als der Mann, der Ambri in turbulenten Zeiten wirtschaftlich und sportlich stabilisiert, neu justiert und gerettet hat. Und wenn alles nach Plan läuft, wird er auch als der Erbauer des neuen Hockey-Tempels ewigen Ruhm ernten.

Als Ständerat – also als einer der zwei Vertreter des Kantons Tessin in der «kleinen Kammer» – war er 20 Jahre lang für die CVP auch auf nationaler Ebene ein Titan der christlich-konservativen Politik.

Wurde nicht wieder in den Ständerat gewählt: Filippo Lombardi.

Wurde nicht wieder in den Ständerat gewählt: Filippo Lombardi.

Seine Wiederwahl schien am Sonntag so wenig in Gefahr wie der Liga-Erhalt für «sein» Ambri. Und nun das: 46 Stimmen fehlten. In Zahlen: Er verlor die Wahl um den Sitz im Ständerat gegen die Sozialistin Marina Carobbio mit 36'424 zu 36'469 Stimmen. Wie ein Pfostenschuss oder ein Gegentreffer 0,001 Sekunden vor Schluss in der Valascia. Ein Zufall der Geschichte.

Filippo Lombardis Abwahl kommt im Tessin einem politischen Erdbeben gleich. Es ist der Sturz eines politischen Titanen: Der Journalist und Medienunternehmer ist unter anderem Präsident von «KS/CS Kommunikation», Verwaltungsratspräsident von «TeleTicino», «Radio 3i» und «MediaTi» Web sowie Verwaltungsrat von «MediaTi Marketing» und «Radio Fiume Ticino».

Er war seit 1999 Ständerat für den Kanton Tessin und Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Medien und kommerzielle Kommunikation. Und natürlich, wie schon erwähnt, seit 2009 Ambris grosser Vorsitzender.

Ironie der Geschichte: Politische Beobachter sehen Filippo Lombardi als Opfer einer Polarisierung der Politik im Tessin. Also der «Zuspitzung» in der politischen Diskussion, in der schärferen Abgrenzung in «rechts» und «links», die gerade den eher auf Ausgleich bedachten Parteien aus der bürgerlichen Mitte wie der christlich-konservativen CVP Mühe bereite.

Dabei ist der streitbare Filippo Lombardi mehr ein Hexenmeister der Polemik als ein auf Ausgleich bedachter Vermittler. Dass ausgerechnet dieser charismatische Kommunikator in einer angeblich aufgeheizten politischen Landschaft abgewählt wird – das ist wahrlich eine Ironie der Geschichte. Es ist, als sei er das Opfer der politischen Geister, die er oft gerufen hat.

Kommt auch bald der Fall von Ambri?

Kommt auch bald der Fall von Ambri?

Ist seine Abwahl ein schlechtes Omen für Ambri? Ein Abstieg ist im nächsten Frühjahr eigentlich so undenkbar wie die Abwahl Filippo Lombardis. Und nun ist es doch passiert.

Die Gefahr ist erheblich, dass Ambri den Playouts nicht mehr entgehen kann. Dort droht gegen die wiedererstarkten Lakers (oder einen anderen Gegner) eine Niederlage und der Gang in die Liga-Qualifikation. Wenn dann einer der zwei aufstiegswilligen Grossen der zweiten Liga der Gegner sein wird (Olten oder Kloten) – dann gerät Ambri tatsächlich in akute Abstiegsgefahr. Ein Abstieg wäre 34 Jahre nach dem Wiederaufstieg (1985) sozusagen die sportliche Abwahl.

Welche Folgen hat also Filippo Lombardis Abwahl für Ambri? Konkret natürlich keine. Er verliert ja dadurch den Vorsitz beim Hockey-Unternehmen nicht. Entscheidend wird sein, ob er auch nach dem Verlust seines hohen nationalen politischen Amtes den Einfluss im Tessin wahren kann.

Ambri als reine Hockey-Firma?

Ambri braucht einen Präsidenten, dessen Beziehungen in der lokalen Wirtschaft und Politik so weitverzweigt sind wie das Wurzelwerk eines tausendjährigen Eichenbaumes.

Ambri kann als reine Hockey-Firma nicht existieren. Die Einnahmen aus dem klassischen Hockey-Business sind zu gering. Ambri hat nur als kulturelle Einrichtung eine Chance. Die finanziellen Zuwendungen haben also mehr mit Kulturförderung als mit profitorientiertem Business zu tun. Damit dieses Geld fliesst, braucht Ambri zur Pflege der «gesellschaftlichen Gärten» im Tessin einen Präsidenten wie Filippo Lombardi.

Zu dieser Pflege braucht es guten «Dünger». Der beste «Dünger» ist ein Beziehungsnetz auf nationaler Ebene bis ins Bundeshaus hinein. Es ermöglicht das Öffnen vieler Türen und allerlei mit öffentlichen Geldern gefüllte Kassen. Wer den Schlüssel dazu hat – beispielsweise als langjähriger Ständerat – dem wird hofiert. Nach dem Motto: Gebe ich Ambri, hilft mir bei Bedarf der Lombardi.

Nun ist Filippo Lombardi nach 20 Jahren nicht mehr Ständerat. Aber immer noch Filippo Lombardi. Im Wesen und Wirken immer noch ein «Animal Politique». Das ist Ambris Hoffnung.

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