Eishockey-Cup

Cupsieg des Unterklassigen: Euphorisierte Jurassier brillieren

Ajoies Captain Jordane Hauert, der Sohn des Klubpräsidenten.

Ajoies Captain Jordane Hauert, der Sohn des Klubpräsidenten.

Das zweitklassige Ajoie demütigt Davos mit 7:3 und gewinnt erstmals den Schweizer Cup.

Das «alte» Davos hat schon einmal den Cup-Final verloren. 2018 gegen die damals zweitklassigen Lakers. Im Rückblick ist diese 2:7-Niederlage dem beginnenden Zerfall der Autorität vom damaligen Trainer Arno Del Curto zugeschrieben worden. Und nun ist es dem «neuen» Davos erneut gegen ein Team aus der Swiss League nicht viel besser ergangen. Wenigstens gibt es einen Unterschied: Diesmal kämpfte sich die Mannschaft nach einem 0:4 noch einmal auf 3:4 zurück.

Die Erklärung für diese Sensation ist einfach: Ajoie war bereit, die Bündner waren es nicht. Nie zuvor in seiner Geschichte hat Ajoie vor einem so grossen Heimpublikum gespielt. Gut 7000 der 9284 Fans waren mit über 50 Autobussen aus dem Jura angereist. Weil das eigene Stadion umgebaut wird, musste der Final nach Lausanne verlegt werden. Aufgeputscht von der Stimmung gingen die Jurassier ihren Gegenspielern unter die Haut. Mit dieser Intensität kamen die Davoser nicht zurecht und produzierten, frustriert über die unerwarteten Schwierigkeiten, eine Serie von Strafen. Sie brauchten eine halbe Stunde, um im Spiel anzukommen.

Nacheinander vier Teams der National League besiegt

Aber zu diesem Zeitpunkt führte der Aussenseiter nach vier Powerplay-Treffern bereits 4:0. Und in der Schlussphase sollte eine weitere Frustaktion von Mattias Tedenby die Aufholjagd stoppen und zum 5:3 führen. Niemand wird es je so sagen, aber es ist, wie es ist: Die Davoser haben ihren Gegner unterschätzt. Es gibt im Bündnerland einen Trend zur Überheblichkeit, der sich bereits beim Spengler Cup beim absichtlich preisgegebenen Spiel gegen Team Canada gezeigt hat.

Der HC Ajoie – der Name steht für die Gegend um Pruntrut – hat nur drei Saisons in der höchsten Liga gespielt und gehört seit Jahren zu den bestgeführten Hockeyteams. Trainer Gary Sheehan managt die ganze Sportabteilung zusammen mit seinem Sportchef Vincent Léchenne, der ihn auch im Training und im Spiel assistiert. Nacheinander haben die Jurassier vor dem Final Lausanne, die ZSC Lions und Biel aus dem Cup gekippt.

Neun Skorerpunkte für Ajoies famose Ausländer

Die höherklassigen Mannschaften, an das Lauf- und Tempohockey der höchsten Liga und das Helikopter-Spiel mit Kreisen in den Ecken gewohnt, sind mit dem einfachen, direkten, dynamischen Spiel des Aussenseiters nicht klargekommen.

Auch Davos, an einem guten Abend die schnellste Mannschaft des Landes, ist spektakulär gescheitert. An einer Mannschaft, die getragen wird von Helden, die das grosse Hockey vergessen hat: Von den beiden Kanadier Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen, die auch in diesem Final neun Skorerpunkte zelebrierten, von Torhüter Tim Wolf, der bei den Lakers und in Ambri sein Glück nicht gefunden hatte. Nicht zuletzt aber auch von Jordane Hauert, dem Captain, dem besten Schweizer Verteidiger, der nie in der höchsten Liga eine Rolle spielte und – auch typisch Ajoie – kein Profi ist. Er führt zusammen mit seinem Vater und Klubpräsident Patrick Hauert die familieneigene Firma mit 200 Angestellten.

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