Darts-WM-FInal
Cross lässt Legende Taylor keine Chance und sagt: «Einen wie Phil werden wir nie mehr sehen»

Der märchenhafte Abschied Phil Taylors von der grossen Bühne endet nicht mit einem Happy-End. Newcomer Rob Cross spielt im Final überragend, macht kaum Fehler und lässt «The Power» so keinen Stich. Bei seiner ersten Teilnahme wird der 27-Jährige auf Anhieb Weltmeister.

Ralf Meile
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Darts-WM-Final in London (01.01.2018)
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Rob Cross holt sich als Ungesetzter bei seiner ersten WM gleich die 30 Kilogramm schwere Siegestrophäe.
Rob Cross wechselte erst vor zwei Jahren zu den Profis. Vorher arbeitete er als Elektriker.
An diesem Abend war der Unterschied zwischen den beiden Spielern so gross, dass Phil Taylor nichts anderes blieb, als sein Waterloo mit Humor zu nehmen.
Der 57-jährige Phil «The Power» Taylor verpasste den perfekten Schlusspunkt in der letzten Wettkampfpartie seines Lebens. Doch mit seinen 16 WM-Titeln bleibt er die grosse Darts-Legende.
Der 27-jährige Cross leistete sich kaum einen Fehler und holte bei seinem WM-Debüt sogleich den Titel.
Cross zeigt auch in entscheidenden Momenten Nervenstärke.
Rob Cross beim Einmarsch im Alexandra Palace, dem "Ally Pally", wo die Darts-WM traditionellerweise stattfindet.
Rob Cross belegt dank seinem Triumph neu Platz 4 der Weltrangliste.

Darts-WM-Final in London (01.01.2018)

Screenshot TV24

Elektriker war Rob Cross noch vor nicht all zu langer Zeit. Wie passend für einen, der Phil Taylor den Saft abdrehte und die Karriere von «The Power» beendete.

«Ich fühle mich grossartig. Aber es geht auch um Phil Taylors Abschied, darum hab ich ihm die Trophäe gegeben. Ich wurde 1990 geboren, als Taylor erstmals Weltmeister wurde. Ich hoffe, er geniesst sein Rentnerleben. Wir werden nie mehr einen Sportsmann wie Phil sehen», so Weltmeister Cross nach dem Triumph.

Es schien fast, als wäre es ihm unangenehm, dass er beim Abschied von Taylor dem Rekordweltmeister eine Lektion erteilte. «The Power» aber zeigte keinen Groll: «Ich hatte eine fantastische Karriere. Die Jungen, die jetzt kommen, sind grossartig. Sie haben den Willen und die Fitness – da kann ich nicht mehr mithalten.»

Taylor als fairer Verlierer

Besonders für den neuen Weltmeister hatte er lobende Worte bereit: «Cross war so, wie ich vor 25 Jahren war. Er ist gut, bleibt immer dran und setzt dich immer unter Druck. Er ist sehr ähnlich, wie ich, glaubt mir. Viele der anderen Spieler werden in den nächsten Jahren grosse Probleme mit ihm haben.» Eine grössere Auszeichnung als dieses Lob vom Grössten aller Zeiten gibt es wohl nicht.

Der 27-jährige Engländer Cross zeigte gegen seinen dreissig Jahre älteren Landsmann von A bis Z eine überragende Leistung. Er skorte regelmässig hoch und hatte beim Auschecken auf die Doppelfelder Nerven aus Stahl. Rasch führte «Voltage» mit 3:0 Sätzen, am Ende dieser einseitigen Partie fegte er den 16-fachen Weltmeister Taylor mit 7:2 weg. Das entscheidende Leg des Finals holte Cross, indem er 140 checkte – noch nie wurde der WM-Titel mit einem höheren letzten Finish errungen.

Fürs Märchen hätte Taylor gegen diesen Cross ein Wunder benötigt

Phil Taylor blieb nichts anderes übrig, als seinem Gegner zu gratulieren. Er habe während der Partie gespürt, dass er nichts ausrichten könne, gab er hinterher zu. Für «The Power» war es das letzte Match als Profi; schon vor fast einem Jahr hatte er seinen Rücktritt nach dieser WM angekündigt.

Dass er es noch einmal bis in den Final schaffen würde, hätten ihm die wenigsten zugetraut. Der 17. Gewinn des Weltmeister-Titels war ihm indes nicht vergönnt: Zum krönenden Abschluss dieses Märchens fehlte ihm gegen den mirakulösen Rob Cross das Wunder, das er dazu benötigt hätte.


Als Taylor zum ersten Mal Weltmeister wurde, war Cross noch nicht einmal auf der Welt. Nun hat er zum Abschluss seines ersten Profi-Jahres nicht nur die Karriere der grossen Ikone beendet, den WM-Pokal und den Startplatz in der Premier League gewonnen, sondern dazu auch noch ein Preisgeld von umgerechnet 530'000 Franken.

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