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Corona und die Sportwelt: Basel-Stadt bewilligt EL-Spiel gegen Frankfurt nicht, Geisterspiele in der Bundesliga

Der FCB darf das Europa-League-Spiel gegen Frankfurt nicht in Basel austragen. Immerhin Geisterspiele gibt es in Paris und der Bundesliga. England schüttelt keine Hände mehr und in Italien berät man über die Fortsetzung der Serie A. Ein Überblick.

Schweiz: Europa-League-Spiel gegen Frankfurt nicht bewilligt

Der Kanton Basel-Stadt schreibt am Montagnachmittag, dass das Europa-League-Rückspiel zwischen dem FC Basel und Eintracht Frankfurt am 19. März nicht stattfinden könne. In einer Medienmitteilung begründet der Kanton: «Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat nach Rücksprache mit dem Kantonalen Krisenstab entschieden, dieses Fussballspiel nicht zu bewilligen – dies mit Blick auf den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und vor dem Hintergrund der behördlichen Massnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sowie die Arbeitslast der Sanität Basel.» Selbst bei einem Geisterspiel sei erfahrungsgemäss davon auszugehen, dass mehrere hundert Fans des Gastclubs nach Basel reisen und sich während des Spiels vor dem Stadion versammeln würden.

Der FC Basel reagierte mit Verständnis. Eine Forfait-Niederlage kommt aber offenbar noch nicht in Frage. CEO Roland Heri sagte: «Stand jetzt gehen wir am Donnerstag nach Frankfurt.»

Will man die Super und Challenge League zu Ende spielen, ist es notwendig, den Spielbetrieb im April wieder aufzunehmen. Andernfalls liessen sich kaum sämtliche Spiele bis Ende Mai bestreiten. Alles hängt davon ab, ob der Bundesrat an seinem Verbot von Grossanlässen festhält. Sollte es auch im April Bestand haben, wird es problematisch. Geisterspiele sind für Challenge- und Super-League-existenzgefährdend. Momentan versuchen die Teams, mit Testspielen im Rhythmus zu bleiben.

Fussball vor leeren Rängen: Am Samstag empfing der FC Luzern den FC Zürich zu einem Testspiel.

Fussball vor leeren Rängen: Am Samstag empfing der FC Luzern den FC Zürich zu einem Testspiel.

Die Cup-Viertelfinals wurden auf unbestimmte Zeit vertagt. Ob die Meisterschaften im Amateurbereich ruhen, entscheiden die Kantone.

Auch die Schweizer Fussballnationalmannschaft ist abhängig von Regierungsentscheiden. Katar verhängte jüngst ein Einreiseverbot für 14 Nationen. Ob das Vierländerturnier Ende Monat in Katar durchgeführt werden kann, ist mehr als fraglich. Mehrere Spieler aus Italien dürften wohl nicht einreisen.

Im Eishockey steht eine Entscheidung kurz bevor. Morgen um zehn Uhr beraten National und Swiss League über das weitere Vorgehen. Sollte der Bundesrat das Verbot von Grossanlässen zeitlich nicht ausweiten, starten am 17. März die Playoffs. Wenn aber Events mit mehr als 1'000 Zuschauern verboten bleiben, werden die Playoffs vor leeren Rängen oder aber gar nicht ausgespielt. Gegenwärtig ist letztere Variante die wahrscheinlichste, weil sie wohl das kleinere Übel wäre. Ein Vertragsbruch mit den TV-Partnern wäre langfristig voraussichtlich teurer.

Deutschland: Geisterspiele stehen bevor

Am Samstag waren 53'877 Zuschauer im Borussia Park, obschon der nur wenige Kilometer entfernte Landkreis Heinsberg besonders betroffen ist vom Virus. Schulen und Bäder wurden geschlossen, doch die Bundesliga, ein Heiligtum in Deutschland, ging scheinbar ungerührt weiter.

Am Sonntag meldete sich der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn via Twitter zu Wort. Er «ermuntere» dazu, Veranstaltungen mit mehr als 1'000 Teilnehmern vorerst abzusagen. An der Bundespressekonferenz am Montag wiederholte der 39-Jährige seine Empfehlung. Die Entscheidungsgewalt obliegt allerdings den lokalen Gesundheitsbehörden. Dass Spahns Empfehlung umgesetzt werden dürfte, liess Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, bei «Anne Will» durchblicken. Im sonntagabendlichen Talk in der ARD sagte er: «In Wahrheit ist es wie eine Anordnung.» Man werde die Empfehlung des Gesundheitsministers umsetzen. Folglich wird mindestens das anstehende Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 vor leeren Rängen stattfinden. Die Borussia schreibt, dass ein finales Urteil spätestens morgen Dienstag erwartet wird.

Betroffen ist auch das Rheinderby zwischen Mönchengladbach und Köln. Wegen des Orkans «Sabine» wurde die Begegnung auf den kommenden Mittwoch verlegt. Eine erneute Verlegung steht im Raum. Ansonsten droht ein Geisterspiel. Ein Sprecher der Stadt Mönchengladbach sagte, dass Montag und Dienstag Gesprächsrunden stattfänden.

Die Deutsche Fussballliga (DFL) veröffentlichte ein Statement in dem sie verkündete, «dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss». Geschäftsführer Christian Seifert schrieb weiter: «Das DFL-Präsidium wird sich hierzu kurzfristig erneut austauschen und zeitnah ein Treffen der Clubs ansetzen.» Am Montag sprach Seifert bei der «Bild». Der 50-Jährige sagte: «Wir haben entschieden, dass der Spieltag stattfindet, rein sportlich. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen.» Ein Spieltag mit Zuschauern sei «nicht realistisch».

In Leipzig entschieden die Verantwortlichen entgegen Spahns Empfehlung. Das Champions-League-Spiel am Dienstagabend zwischen Leipzig und Tottenham wird vor Publikum ausgetragen. Der Leipziger Stadtsprecher verkündete den Entschluss am Montagmittag.

Frankreich: Paris gegen Dortmund ohne Zuschauer

Die französische Sportzeitung «L'Équipe» mutmasste bereits am Sonntagabend, dass beim Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund keine Zuschauer zugelassen sind. Die Polizeipräfektur der Hauptstadt bestätigte am Montagmittag dieses Gerücht. Der Parc des Princes wird leer sein, wenn PSG versucht, einen 1:2-Rückstand zu drehen.

Tage zuvor hat die französische Regierung empfohlen, Events mit mehr als 1'000 Teilnehmern abzusagen. Einige Partien der Ligue 1 gingen an diesem Wochenende dennoch mit Publikum über die Bühne. Mittels Sondergenehmigungen.

Besonders bitter sind die Auswirkungen des Virus für den Hockey Club de Mulhouse, der im Viertelfinal-Playoff gegen Amiens mit 2:3 zurücklag, ehe er ausgeschlossen wurde. Weil im Elsass überdurchschnittlich viele Ansteckungen bekannt sind.

Italien: Abbruch der Serie A droht

Damiano Tommasi ist Chef der italienischen Fussballer-Gewerkschaft. Der Ex-Profi forderte am Samstag, den Spielbetrieb zu stoppen. Sportminister Vincenzo Spadafora schloss sich dieser Meinung am Sonntag öffentlich an. Es kam zu kuriosen Szenen. Die Partie zwischen Parma und SPAL sollte um 12.30 Uhr angepfiffen werden. Die Spieler warteten bereits im Spielertunnel, wurden nach Bekanntgabe von Spadaforas Bitte allerdings wieder in die Kabine beordert. Über eine Stunde später wurde die Begegnung doch noch freigegeben.

In Italien sind Sportveranstaltungen gegenwärtig nur ohne Publikum erlaubt. Am Dienstag befindet der italienische Fussballverband in einer Sondersitzung über die Fortsetzung der Serie A.

England: Hände schütteln ist nicht erlaubt

In England ist das Virus noch nicht allzu verbreitet. Über die Absage von Premier-League-Spielen wird deshalb nicht diskutiert. In einem Schreiben an die Vereine hat die Liga aber einen Verhaltenskatalog definiert. Das Handshake vor dem Spiel fällt beispielsweise weg.

USA: Turnier in Indian Wells abgesagt

Inzwischen hat das Corona-Virus auch die US-amerikanische Sportwelt erreicht. Das Indian Wells Masters sollte kommende Woche beginnen, wurde nun aber fürs Erste abgesagt. Turnierdirektor Tommy Haas bedauert den Entscheid. Der ehemalige deutsche Tennisprofi sagte, dass man versuche, das Turnier zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen.

Währenddessen gibt es in der National Hockey League (NHL) und National Basketball Association (NBA) Diskussionen um Geisterspiele. Lakers-Star LeBron James sagte dazu: «Wenn ich das Parkett betrete und es sind keine Zuschauer in der Halle, dann spiele ich nicht.»

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