Ski nordisch
Colognas verlorener Trumpf

Der dreifache Gesamtsieger Dario Cologna will den vierten Tour-de-Ski-Sieg – doch Topfavorit ist mit Saison-Dominator Martin Johnsrud Sundby ein Norweger.

Simon Steiner
Drucken
Dario Cologna verbrachte die Festtage nicht alleine in Davos.

Dario Cologna verbrachte die Festtage nicht alleine in Davos.

Keystone

Die Norweger haben von Dario Cologna gelernt. Dreimal gewann der Bündner zwischen 2009 und 2012 die Tour de Ski, während man in der führenden Langlauf-Nation im hohen Norden sehnlichst auf den ersten eigenen Triumph im prestigeträchtigen Etappenrennen wartete. Diese Scharte haben die Skandinavier inzwischen ausgewetzt: Die letzten beiden Ausgaben der Tour de Ski hat mit Martin Johnsrud Sundby ein Norweger gewonnen.

Sundby startet auch als Topfavorit in die zehnte Ausgabe der Tour, die ab dem Neujahrstag mit drei Etappen auf der Lenzerheide und damit erstmals in der Schweiz beginnt. Der 32-Jährige aus Oslo hat die Weltcup-Konkurrenz in den bisherigen Distanzrennen der Saison dominiert. Bleibt der Weltcupleader in den kommenden zehn Tagen von Krankheit und Verletzung verschont, wird er nur schwer an seinem dritten Gesamtsieg in Folge zu hindern sein.

Keine Weihnachten in Norwegen

Ein wichtiges Teil in seinem Erfolgspuzzle hat sich Sundby bei Dario Cologna abgeschaut. Der Perfektionist, der mit rund 1100 Stunden pro Jahr einen grösseren Trainingsumfang absolviert als jeder andere Athlet, hat Weihnachten nicht zu Hause verbracht, sondern in Davos. Damit will Sundby von der Höhenlage profitieren – und hat sich gleichzeitig ein Stück Reisestress erspart. Cologna, der permanent in Davos wohnt, könnte damit einen Vorteil eingebüsst haben, den er bei der Tour de Ski gegenüber der Konkurrenz aus Skandinavien in früheren Jahren hatte. Dabei wurden dem 29-jährigen Bündner zu Saisonbeginn ironischerweise genau die Reiseplanung und die zu raschen Höhenwechsel zum Verhängnis. Nach dem Weltcupauftakt in Finnland reiste er mit dem Team für wenige Tage nach Hause – und kam dann in den folgenden Rennen Lillehammer und Davos nicht wie gewünscht auf Touren.

Tour de Ski, Programm

1. Etappe. 1. Januar auf der Lenzerheide: Männer und Frauen Skating-Sprint.

2. Etappe. 2. Januar auf der Lenzerheide: Männer 30 km klassisch, Frauen 15 km klassisch (beide Massenstart).

3. Etappe. 3. Januar auf der Lenzerheide: Männer 10 km Skating, Frauen 5 km Skating (beide Verfolgung).

4. Etappe. 5. Januar in Oberstdorf: Männer und Frauen Klassisch-Sprint.

5. Etappe. 6. Januar in Oberstdorf: Männer 15 km klassisch, Frauen 10 km klassisch (beide Massenstart).

6. Etappe. 8. Januar in Toblach: Männer 10 km, Frauen 5 km Skating.

7. Etappe. 9. Januar im Val di Fiemme: Männer 15 km klassisch, Frauen 10 km klassisch (beide Massenstart).

8. Etappe. 10. Januar im Val di Fiemme: Männer 9 km Skating, Frauen 9 km Skating (beide Verfolgung).

«Kurzfristig betrachtet war das sicher nicht optimal», sagt Teamchef Christian Flury. «Im Hinblick auf die Tour de Ski sollte sich das Reiseprogramm aber nicht negativ auswirken.» Seit den Weltcuprennen von Mitte Dezember in Davos hat Cologna mit einigen Trainingseinheiten im hohen Pulsbereich versucht, sich den letzten Formschliff zu holen.

Dass er beim letzten Weltcupeinsatz vor Weihnachten in Toblach direkt aus einem harten Trainingsblock heraus auf den vierten Platz laufen konnte, war für Cologna in mehrfacher Hinsicht wichtig. Zum einen erhielt er die Bestätigung dafür, dass seine körperliche Verfassung besser ist als die letzten Resultate, zum andern konnte er das Vertrauen ins Serviceteam zurückgewinnen, das nach mehreren schlechten Rennen in der klassischen Technik gelitten hatte. Der dreifache Olympiasieger hält denn auch an seinem bereits vor der Saison definierten Ziel fest, die Tour de Ski zum vierten Mal gewinnen zu wollen.

Northug will den Titel

Cologna gehört damit zweifellos zu den ersten Herausforderern Sundbys, ebenso wie dessen Landsmann Petter Northug. Auch der exzentrische Star hat die Weihnachtstage in der Schweiz verbracht. Während Sundby mit Frau und Sohn in Davos feierte, verbrachte Northug den Heiligen Abend zusammen mit seinem jüngeren Bruder Even im fast menschenleeren Hotel auf dem Berninapass.

Der Gesamtsieg bei der Tour de Ski ist der einzige grosse Titel, der dem 15-fachen Goldmedaillengewinner bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen noch fehlt. Sein Handicap wird allerdings auch in diesem Jahr der traditionelle Schlussaufstieg der Tour de Ski auf die Alpe Cermis sein. Für einen Toplangläufer eher schwer gebaut, muss Northug am 10. Januar mit Vorsprung in die abschliessende Kletterpartie starten können, um die Lücke in seinem Palmares schliessen zu können.
Eine Vorentscheidung könnte allerdings schon viel früher fallen.

Schlüsselrennen ist am Samstag

Da in diesem Jahr die lange Verfolgungsetappe zwischen Cortina und Toblach fehlt – der italienische Verband brachte das Geld für die TV-Übertragung nicht mehr auf – und das Programm in Oberstdorf wegen Schneemangels gekürzt wurde, fällt bereits der Start auf der Lenzerheide ins Gewicht. Nach dem Skating-Sprint zum Auftakt dürfte das Massenstartrennen über 30 km in klassischer Technik am Samstag zu einer Schlüsseletappe werden, wo der erste Grossangriff des Favoriten Sundby erwartet wird.

Das Schweizer Team nutzt den Tourstart in der Heimat für ein Grossaufgebot mit 14 Athletinnen und Athleten, wobei nur eine Minderheit für die ganze Tour vorgesehen ist.

Aktuelle Nachrichten