Dario Cologna
Colognas Sturz vom olympischen Podest

Mit einem selbstverschuldeten Sturz in der letzten Kurve vergab Dario Cologna seine Medaillenchance im 50-km-Rennen - trotz einer grossartigen Leistung. Petter Northug setzte sich vor Axel Teichmann und Johan Olsson durch.

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Sturz Dario Cologna

Sturz Dario Cologna

Keystone

Philipp Bärtsch, Whistler

50 km mit Massenstart -- das war wie erwartet das Rennen, in dem sich nach 49,9 km Vorgeplänkel alles auf den letzten 100 m entschied. Dario Cologna befand sich mittendrin im Kampf um die Medaillen und hätte auf der Zielgeraden wohl um Silber und Bronze gekämpft. Doch in der letzten Kurve platzte der Traum von der Medaille in der Königsdisziplin wie eine Seifenblase. Cologna versuchte, aussen an Johan Olsson vorbeizukommen. Doch der 23-jährige Münstertaler rutschte an der glasigen Stelle aus, verlor das Gleichgewicht und fiel hin. Northug hätte Cologna nicht mehr erwischt. «Silber oder Bronze hätte ich aber sicher geholt», ärgerte er sich.

Statt um jeden Zentimeter zu fighten, war plötzlich keine übertriebene Eile mehr geboten. Cologna lief als Zehnter ein, sein Blick sprach Bände: Wie konnte eine so starke Leistung nur so schlecht honoriert werden? «Eine Medaille in der Königsdisziplin wäre der Hammer gewesen.» 49,9 km lang hatte Cologna alles richtig gemacht. «Die Form war super, das Material, die drei Skiwechsel, die Taktik -- alles passte», sagte Trainer Fredrik Aukland. «Enttäuschung ist deshalb das falsche Wort. Aber ich fühle natürlich mit Dario mit. Seit der Goldmedaille über 15 km hat er hier vor allem Pech gehabt.»

Im Wissen um die Spurtstärke von Northug wollte es Cologna im Finale allein versuchen. Krämpfe hinderten ihn allerdings an einer Attacke. Und schliesslich war im Training ein Schwerpunkt auf die Endschnelligkeit nach zwei Stunden im Renntempo gelegt worden. Der Sturz hinderte Cologna daran, seine Fortschritte im Finish unter Beweis zu stellen. Er war sich nicht sicher, ob er Olsson leicht touchiert hatte. Auf den Fernsehbildern erkannte man jedenfalls auch in Zeitlupe keine Berührung. «Olsson trifft sicher keine Schuld», stellte Cologna klar.

Eine zweite Medaille wäre für den ersten Schweizer Langlauf-Olympiasieger eine wunderschöne Zugabe gewesen. Nun werden Andi Grünenfelder (1988) und Sepp Haas (1968) als einzige Schweizer Medaillengewinner im «Fünziger» frühestens in vier Jahren Gesellschaft bekommen. «Das ist ein bitterer Moment», sagte Cologna. «Ich werde die Schweizer Fahne an der Schlussfeier aber trotzdem mit einem Lächeln im Gesicht tragen und dann mit sehr guten Gefühlen heimreisen. Ich habe gezeigt, dass ich auch über 50 km fähig wäre, ein Rennen zu gewinnen.» Für Cologna war es erst der zweite Wettkampf in der Königsdisziplin. Den ersten hatte er vor einem Jahr in Trondheim im 15. Rang abgeschlossen.

Petter Northug ist der dritte Langläufer, der als 50-km-Weltmeister auch Olympiasieger wird. Die legendären Schweden Sixten Jernberg und Thomas Wassberg waren seine Vorgänger. Mit zweimal Gold (50 km und Teamsprint), einmal Silber (Staffel) und einmal Bronze (Einzelsprint) geht Northug als erfolgreichster männlicher Teilnehmer der Spiele in die Sportgeschichte ein. Insgeheim hatte sich Northug als dreifacher Weltmeister von Liberec trotzdem etwas mehr erhofft. Wie er sich auf den letzten Metern in seiner unwiderstehlichen Art gegen Teichmann durchsetzte, war nach dem Mammutprogramm mit Einsätzen in allen sechs Disziplinen erneut bemerkenswert. Vorher hatte sich Northug an das bekannte Muster gehalten: lange unauffällig mitlaufen, im entscheidenden Moment zuschlagen.

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