Tour de Ski
Cologna kommt praktisch ohne Einsatz von Sambutamol durch die Tour

Spitzensportler und Asthma – ein schwieriges Thema. Vor wenigen Wochen sorgte die unerlaubt hohe Konzentration des Asthma-Wirkstoffs Salbutamol im Blut von Radstar Chris Froome während der Spanien-Rundfahrt für Aufregung. Ist der Brite nun ein Opfer der Krankheit oder ein Täter des Dopings?

Rainer Sommerhalder
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Konkurrenten und Leidensgenossen: Martin Johnsrud Sundbys (l.) Leistungsasthma ist derzeit akuter als das von Dario Cologna.

Konkurrenten und Leidensgenossen: Martin Johnsrud Sundbys (l.) Leistungsasthma ist derzeit akuter als das von Dario Cologna.

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Vor zwei Jahren stellte sich die gleiche Frage bei Ausnahme-Langläufer Martin Johnsrud Sundby. Selbst die Fachorganisationen waren sich uneinig. Während die Antidoping-Abteilung des internationalen Skiverbandes (FIS) den Norweger freisprach, provozierte die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) später einen Schuldspruch vor dem Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Das Strafmass blieb mit einer zweimonatigen Sperre (möglich sind bis zu zwei Jahre) aber äusserst gering. Sundby fühlt sich seither trotzdem unberechtigt als Dopingbetrüger gebrandmarkt.

Bis zu 50 Prozent mit Asthma

Tatsache ist, dass aussergewöhnlich viele Spitzensportler an sogenanntem Leistungsasthma leiden. Drei Ausdauerdisziplinen sind besonders betroffen: Radsportler aufgrund der hohen Ozonwerte, Schwimmer wegen des Chlors und Langläufer aufgrund der oft grossen Kälte bei Wettkämpfen. Verschiedene wissenschaftliche Studien unterstreichen dies. So nahmen während der Olympischen Spiele 1996 rund 50 Prozent der Radsportler und 30 Prozent der Schwimmer des US-Teams Asthma-Medikamente ein. Beim britischen Olympiateam an den Sommerspielen 2000 und 2004 litten jeweils 21 Prozent aller Athleten unter Asthma.

Die Wada trägt der Problematik Rechnung, indem für Salbutamol kein generelles Verbot gilt, sondern eine maximale Dosis. Diese soll garantieren, dass keine leistungssteigernde Wirkung erzielt wird. Seit einigen Jahren benötigen Asthma-geplagte Athleten auch keine Ausnahmebewilligung (TUE) mehr für den Einsatz von Salbutamol.
Prominentester Schweizer Wintersportler mit Leistungsasthma ist Dario Cologna. Seine Hustenanfälle während TV-Interviews haben Kultstatus. Vor zwei Jahren, als ihn die Auswirkungen des Asthmas während der Tour de Ski besonders plagten, wagte der frustrierte Langläufer sogar die Prognose, er werde die Tour wegen seines Leidens wohl nie mehr gewinnen.

So gut wie seit Jahren nicht

Diesmal ist alles anders. Cologna hustet auffällig selten und schläft nachts ruhig. Er bestätigt: «Mein Asthma war schon schlimmer. Geholfen haben die hohen Temperaturen und dass ich weniger Sprintrennen bestritten habe». Auch seinem Konkurrenten Sundby ist dies aufgefallen: «Bei Dario waren die Hustenanfälle im Ziel jeweils sehr heftig. Es freut mich, dass er sein Asthma offensichtlich besser unter Kontrolle hat.»

Sein eigenes Asthma nennt Sundby als Hauptgrund, wieso er in diesem Winter nur schwer in die Gänge kommt: «Die Probleme begannen während des letzten Höhentrainingslagers vor der Saison in Italien. Nun ist die Situation aber schon viel besser als noch vor Weihnachen. Da war es wirklich schlimm.» Es seien kleine Details, die eine Rolle spielen, wie stark sich das Asthma auswirke, sagt Sundby: «Der Trainingsinhalt, die äusseren Bedingungen beim Training oder eine leichte Erkältung in einem dummen Moment können entscheidend sein.»

Zurück zu Cologna. Seit Jahren versucht er mit dem Ärzteteam, den Husten in den Griff zu bekommen. «Dario ist kein Athlet, der vorschnell zu Medikamenten greift», sagt Olympiaarzt Patrik Noack. Lieber kommt schon mal ein Hausmitteln wie Kartoffelwickel zum Einsatz. Diesmal kam Cologna vor der Tour de Ski sogar praktisch ohne Einsatz von Salbutamol aus. Diesen lungenöffnenden Wirkstoff setzt der Schweizer Tourleader ohnehin nur sehr begrenzt ein.

Einen Konflikt mit den erlaubten Höchstmengen schliesst Noack deswegen auch aus.
Wichtiger ist bei Cologna das Inhalieren von entzündungshemmendem Cortison, um bereits kleinste Entzündungen in den Bronchien zu bekämpfen. Dieser Wirkstoff ist nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen und scheint mit dem in dieser Saison verfolgten Plan, ihn bereits im Spätherbst vor den ersten Rennen einzusetzen, bei Cologna besonders zu wirken. Der 31-Jährige bleibt seiner Zurückhaltung dennoch treu: «Wenn es ohne Medikamente geht, ist das natürlich auch gut.»

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