NBA-Rückblick 2015
Clint Capela: Der zweite Schweizer NBA-Stern

Der Genfer Clint Capela startet in seiner zweiten Saison Houston durch. Heute kommt es zum Schweizer Duell mit Thabo Sefolosha. Im Spiel Houston gegen Atlanta stehen sich zum ersten Mal überhaupt zwei Schweizer in der NBA gegenüber.

Jakob Weber
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capela sefolosha
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Capela (l.) in Diensten der Houston Rockets versucht beim 95:111 gegen die Boston Celtics.
Capela stellte gegen Sacramento mehrere Karrierebestleistungen auf.
Capela (15) feierte mit den Houston Rockets gegen die Philadelphia 76ers einen Sieg.
Capela verteidigt gegen Blake Griffin von den Los Angeles Clippers.
Capela (l.) überzeugt mit Houston gegen die Los Angeles Lakers.
Capela (am Ball) in New York
Capela punktet mit einem Ducking.
Hier setzt sich Capela gleich gegen zwei Gegenspieler aus New Jersey durch.
Capela blockt den Ball.
2.08 m Körpergrösse helfen Capela unter dem Korb.
Sefolosha (r.) im Trikot der Atlanta Hawks gegen New York.
Mit einer Hand hält er sich den Gegenspieler vom Leib, mit der anderen vollendet Sefolosha einen Korbleger.
Sefososha enteilt seinem Gegenspieler.
Defensivspezialist Sefolosha gegen Chandler Parsons von den Dallas Mavericks.
Vor zehn Jahren wurde Sefolosha von den Chicago Bulls in die NBA geholt.

capela sefolosha

KEYSTONE/AP/CARLOS OSORIO

Thabo Sefolosha ist nicht mehr der einzige Vorzeige-Basketballer der Schweiz. In seinem zweiten NBA-Jahr ist der 21-jährige Genfer Clint Capela ebenfalls definitiv im Business der Grossen angekommen. In der neuen Saison hat der 2.08 m grosse Centerspieler bisher nur ein Spiel verpasst und kommt als Nummer 2 hinter Star-Center Dwight Howard zu immer mehr Einsatzzeiten für die Houston Rockets. Spielzeit, die der junge Romand zu nutzen weiss. In knapp 20 Minuten kommt Capela im Schnitt auf gute acht Punkte und sieben Rebounds pro Partie.

Dabei drohte das NBA-Abenteuer des mit 16 Jahren nach Frankreich gewechselten Capela zu enden, bevor es so richtig begonnen hatte. Der Genfer, der die Saisonvorbereitung 2014 aufgrund einer Leistenverletzung nicht absolvierte, wurde immer wieder ins Farmteam der Rockets, zu den Rio Grande Valley Vipers in die NBA-Development League abgeschoben.

Doch Capela kämpfte sich zurück, nutze im März 2015 seine zweite Chance und kam gegen Ende der «Regular Season» zu seinen ersten NBA-Punkten. Da die Rockets dann in den Playoffs auf ihren Center Nummer 2, Donatas Motiejūnas, verletzungsbedingt verzichten mussten, kam Capela in insgesamt drei Playoff-Runden überraschend zu 17 Einsätzen. Mit seiner Defensivstärke sorgte der junge Schweizer dafür, dass die Texaner erst im Conference Final gegen die Golden State Warriors die Segel streichen mussten.

Mit Elan in die neue Saison

Den Schwung aus den Playoffs hat der Fussball- und Paris-Saint-Germain-Fan mit in die nächste Saison genommen. Capela, der sich in sämtlichen relevanten Statistiken (Einsatzzeit, Punkte, Rebounds, Freiwurfquote und Wurfquote) verbessert hat, gehört mittlerweile zum Stammpersonal der Rockets und wartet dabei mit Karrierebestleistungen auf.

Im November gelang ihm gegen Sacramento mit 13 Punkten und zwölf Rebounds das erste «Double-Double» (zweistellige Werte in zwei Kategorien) seiner Karriere. Und der Jungspund, der den verletzungsanfälligen Stammcenter Howard immer wieder auch in der Startformation vertritt, bestätigt die Leistung. Mittlerweile sind «Double-Doubles» für Capela keine Seltenheit mehr.

Mit seinen Leistungen springt das Talent mit grosse Schritten aus dem Schatten des neun Jahre älteren Thabo Sefolosha, der das Jahr 2015 ebenfalls so schnell nicht vergessen wird. Seine zehnte Saison in der NBA – die erste im Trikot der Atlanta Hawks – wurde im Mai rüde unterbrochen. Bei einer Auseinandersetzung in einem Nachtclub in New York wurde Sefolosha von sechs weissen Polizisten festgenommen, die bei der Festnahme, wie auf Amateurvideoaufnahmen ersichtlich, alles andere als zimperlich mit dem Basketball-Star umgingen.

Ein durch die Schlagstöcke der Gesetzeshüter verursachter Wadenbeinbruch beendete die Saison des Waadtländers, sodass er bei dem Erreichen des Conference Playoff-Finals seiner Hawks nur zuschauen konnte. Im Sommer erhielt der zu Unrecht beschuldigte Sefolosha vor Gericht Recht und klagt nun seinerseits gegen seine sechs Peiniger auf Schadensersatz. Auf dem Parkett läuft es für den Forward, dessen Verletzung auskuriert ist – mit sieben Punkten und fünf Rebounds in durchschnittlich knapp 25 Minuten Einsatzzeit – wieder besser. Mit den seit sechs Spielen ungeschlagenen Altlanta Hawks rangiert Sefolosha momentan im Osten auf Platz 2.

Erstes Schweizer NBA-Duell

Gegeneinander gespielt haben die beiden Romands bisher noch nicht. In der Nacht auf morgen ist es dann endlich soweit. In Houston kommt es zum ersten Duell zweier Schweizer in der NBA.

Die Mamba hört auf

Kobe Bryant ist nicht mehr lange zu bewundern.

Kobe Bryant ist nicht mehr lange zu bewundern.

KEYSTONE/AP/JEFF CHIU

In einem Gedicht mit dem Titel «Lieber Basketball» erklärt Kobe Bryant, die Legende der Los Angeles Lakers, am 29. November 2015 seinen Rücktritt zum Ende der laufenden Saison. Mit dem 37-Jährigen verlässt nun die wohl schillerndste Basketball-Persönlichkeit des Jahrhunderts nach 20 Spielzeiten bei den Lakers die NBA. In den letzten Jahren kämpfte sich der in Philadelphia geborenen Amerikaner nach zahlreichen Verletzungen immer wieder zurück, doch jetzt ist er bereit, den Basketball gehen zu lassen.

Fünf Meistertitel, 17 Allstar-Nominationen, Doppel-Olympiagold und MVP – Bryant hat mit zahlreichen Top-Leistungen der NBA seinen Stempel aufgedrückt. Mit einem Salär von 25 Millionen US-Dollar ist er noch heute der bestbezahlteste Spieler der Liga. Seine knapp 33 000 erzielten Punkte katapultierten die selbst ernannte «Black Mamba» auf Platz 3 der ewigen Skorerliste der NBA. Die ersten beiden Plätze von Kareem Abdul-Jabbar (38 387) und Karl Malone (36 928) sind für Bryant nicht mehr erreichbar, doch im letzten Jahr konnte Bryant sein Kindheitsidol Michael Jordan auf den vierten Platz verdrängen.

Ticketpreise explodieren

Dass der 1.98 m grosse Shooting Guard, der 2006 in nur einer Partie gegen Toronto unglaubliche 81 Punkte erzielte, seine aktive Karriere nun beendet, stimmt seine vielen Anhänger traurig. Bei Bryants letztem Auftritt am 13. April 2016, einem Heimspiel im Staples Center gegen die Utah Jazz, wollen alle dabei sein. Die Ticketpreise schossen Minuten nach der Verkündung seines Abschieds um 240% in die Höhe. 21 000 US-Dollar kostet ein Platz am Spielfeldrand, das billigste Ticket immer noch knapp 600 US-Dollar.

Curry-Party

Stephen Curry ist der wohl momentan beste Basketballspieler der Welt.

Stephen Curry ist der wohl momentan beste Basketballspieler der Welt.

KEYSTONE/EPA/JOHN G. MABANGLO

Das Team des Jahres 2015 sind zweifelsohne die Golden State Warriors aus Oakland. Nach 40 Jahren ohne Titel gelang der Equipe um die beiden amerikanischen Superstars Stephen Curry und Klay Thompson, die aufgrund ihrer Treffsicherheit als «Splash-Brothers» für Furore sorgten, der Durchmarsch.

Der zum wertvollsten Spieler (MVP) gekürte Curry, den man in zahlreichen Youtube-Videos aus den unmöglichsten Positionen treffen sieht, ist auch im Spiel aus der Distanz kaum zu stoppen. Mit 286 Drei-Punkte-Treffern stellt der Spielmacher einen neuen NBA-Rekord auf. Mehrfach gelingen dem 27-Jährigen sogenannte «Buzzer-Beater» kurz vor Ablauf der Angriffszeit – auch von jenseits der Mittellinie.

Currys Treffsicherheit ist ein Garant dafür, dass das beste Team der «Regular Season» auch in den Playoffs nicht zu stoppen war. Nur fünf von 21 Partien gingen in der entscheidenden Phase verloren. Im Playoff-Final setzten sich die Kalifornier gegen die Cleveland Cavaliers um Superstar LeBron James letztendlich souverän mit 4:2 durch, und feierten nach 1947, 1956 und 1975 den vierten Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte.

Titelverteidigung möglich

Auch in der neuen Saison hält der Siegeszug der Warriors weiter an. Mit 24 Siegen zum Auftakt sorgten Curry, Thompson und Co. gleich für einen neuen Rekord, ehe sie im 25. Spiel gegen die Milwaukee Bucks die bislang einzige Niederlage einstecken mussten.
Da Curry in der neuen Saison seinen Punkteschnitt pro Spiel auf überragende 30,8 steigern konnte und das Team grösstenteils beisammen blieb, sind die Warriors auch in der laufenden Saison der Topfavorit auf den Titel.

NBA-SERVICE

Aktueller Saisonstart

EASTERN CONFERENCE
1. Cleveland Cavaliers 19 9
2. Atlanta Hawks 20 12
3. Miami Heat 18 11
4. Toronto Raptors 19 12
5. Indiana Pacers 17 12
6. Boston Celtics 18 13
7. Chicago Bulls 16 12
8. Orlando Magic 17 13
9. Charlotte Hornets 16 13
10. Detroit Pistons 17 14
11. Washington Wizards 14 14
12. New York Knicks 14 18
13. Milwaukee Bucks 12 19
14. Brooklyn Nets 8 22
15. Philadelphia 76ers 2 30


WESTERN CONFERENCE
1. Golden State Warriors 28 1
2. San Antonio Spurs 26 6
3. Oklahoma City 21 10
4. Los Angeles Clippers 18 13
5. Dallas Mavericks 17 13
6. Memphis Grizzlies 17 16
7. Houston Rockets 16 16
8. Utah Jazz 12 16
9. Sacramento Kings 12 18
10. Portland Trail Blazers 13 20
11. Denver Nuggets 12 18
12. Phoenix Suns 12 20
13. Minnesota Timberwolves 11 19
14. New Orleans Pelicans 10 20
15. Los Angeles Lakers 5 26


Playoffs 2015
East. Viertelfinals: Atlanta - Brooklyn 4:2. Toronto - Washington 0:4. Chicago - Milwaukee 4:2. Cleveland - Boston 4:0. – Halbfinals: Atlanta - Washington 4:2. Chicago - Cleveland 2:4. – Final: Atlanta - Cleveland 0:4.

West. Viertelfinals: Golden State - New Orleans 4:0. Portland - Memphis 1:4. L.A. Clippers - San Antonio 4:3. Houston - Dallas 4:1. – Halbfinals: Golden State - Memphis 4:2. L.A. Clippers - Houston 3:4. – Final Golden State - Houston 4:1.

NBA-Final: Golden State - Cleveland 4:2.

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