Fussball
Nach Champions-League-Doppelpack: Unser Juwel Noah Okafor darf von Europas Top-Klubs träumen

Mit seinen Leistungen in der U21-Nati hat sich Noah Okafor bereits einen Namen in der Schweiz gemacht. Nun brilliert der Basler auch in der Champions League mit zwei Toren gegen Wolfsburg und steht mit Salzburg auf dem ersten Gruppenplatz. Das lässt die Top-Klubs aufhorchen und auf einen grossen Karriereschritt hoffen.

Pascal Kuba
Drucken
Teilen
Wolfsburg-Verteidiger John Brooks mit Mühe gegen den schnellen Noah Okafor.

Wolfsburg-Verteidiger John Brooks mit Mühe gegen den schnellen Noah Okafor.

Keystone

In der 77. Minute erhebt sich das Publikum in Wals-Siezenheim, einem Salzburger Vorort, um das zweite Tor ihrer Nummer 77 zu feiern. Es ist die Vorentscheidung im Spiel des FC Salzburg, wie der Verein in europäischen Bewerben heisst, und Wolfsburg. Die Schweizer Nationalspieler Renato Steffen und Kevin Mbabu stehen konsterniert am eigenen Strafraum. Zehn Minuten später wird der Stürmer mit Applaus verabschiedet.

Kevin Mbabu (mitte) kann Noah Okafors (links) Schuss zum 3:1 nur hinterher schauen.

Kevin Mbabu (mitte) kann Noah Okafors (links) Schuss zum 3:1 nur hinterher schauen.

Keystone

Beim Doppelpacker handelt es sich um den U21-Nationalspieler Noah Okafor. Nach dem Spiel darf er gar die «Man of the Match»-Trophäe entgegennehmen, gleichzeitig ist er von der Uefa für den Spieler des Spieltags nominiert. Beim Interview strotzt er vor Freude und muss um Worte ringen. Von Trainer Matthias Jaissle gibt's oben drauf noch ein Lob: «Er belohnt sich für seine harte Arbeit.»

Dank seiner Tore steht Salzburg vor Sevilla, Wolfsburg und Lille an der Tabellenspitze und hat beste Chancen für die Qualifikation der K.o.-Runde. Auch in der Nati läuft es für Okafor. Mauro Lustrinelli, sein Trainer in der Nachwuchsauswahl, hält grosse Stücke auf ihn. Jüngst schoss er gegen das talentierte U21-Team der Niederlande beide Tore zum 2:2 Endstand.

Noah Okafor im Duell gegen Leverkusens Jeremie Frimpong beim U21-Spiel zwischen der Schweiz und den Niederlanden.

Noah Okafor im Duell gegen Leverkusens Jeremie Frimpong beim U21-Spiel zwischen der Schweiz und den Niederlanden.

Keystone

Der teuerste Neuzugang Salzburgs

Nach Startschwierigkeiten in Salzburg hat sich der Knoten bei Okafor gelöst, der vor seinem Wechsel alle Jugendabteilungen des FC Basel durchlaufen hat. Für ihn waren es die ersten Treffer in der Champions League. In der Liga netzt der Stürmer von RB Salzburg hingegen alle 81 Minuten ein.

Tolle Werte für den 21-Jährigen in seiner zweiten Saison in Österreich. Im Sommer 2020 wechselte er für 12 Millionen Franken zum Serienmeister. Damit ist er der teuerste Neuzugang der Salzburger.

Nach etlichen Jahren beim FC Basel wechselte Noah Okafor im Sommer für 12 Millionen Franken nach Österreich.

Nach etlichen Jahren beim FC Basel wechselte Noah Okafor im Sommer für 12 Millionen Franken nach Österreich.

Keystone

Dass Salzburg so viel Geld in einen Spieler investiert, ist unüblich. Im Vergleich dazu legte man für Erling Håland nur acht Millionen Euro auf den Tisch. Salzburg fungiert seit Jahren als Ausbildungsstätte mit Platinstatus. Das Geschäftsmodell: Junge Spieler mit Potenzial holen und zu einem guten Preis verkaufen, ähnlich wie diese viele Super-League-Klubs auch anstreben.

Folgt der Schritt zu einem Topverein?

Im Gegensatz zur heimischen Liga, die den Grossteil ihrer Spieler ins Mittelfeld der Bundesliga exportiert, geschäftet Salzburg auch im lukrativen englischen Transfermarkt. In den vergangenen Jahren konnten Sadio Mané, Takumi Minamino und Patson Daka in die Premier League verkauft werden. Nicht nur das. Zu Salzburgs Kunden gehörte auch schon der BVB, der sich letzten Winter Håland sicherte.

In der letztjährigen CL-Gruppenphase stürmte Håland noch für Red Bull Salzburg.

In der letztjährigen CL-Gruppenphase stürmte Håland noch für Red Bull Salzburg.

Keystone

Daneben ist der Bruderklub RB Leipzig immer wieder ein dankbarer Abnehmer von Talenten. Mit Naby Keïta (Liverpool), Dayot Upamecano oder Marcel Sabitzer (beide Bayern) schafften es ebenfalls bekannte Namen über diesen Umweg in die Kader der Grossen.

Die teuersten Abgänge Salzburgs

1. Patson Daka, für 30 Millionen Euro zu Leicester City

2. Naby Keïta, für 29,75 Millionen Euro zu RB Leipzig

3. Enock Mwepu, für 23 Millionen Euro zu Brighton & Hove

4. Sadio Mané, für 23 Millionen Euro zum FC Southampton

5. Dominik Szloboszlai, für 22 Millionen Euro zu RB Leipzig

6. Erling Håland, für 20 Millionen Euro zum BVB

7. Amadou Haidara, für 19 Millionen Euro zu RB Leipzig

8. Duje Caleta-Car, für 19 Millionen Euro zu Olympique Marseille

9. Dayot Upamecano, für 18,5 Millionen Euro zu RB Leipzig

10. Munas Dabbur, für 17 Millionen Euro zum FC Sevilla

Ein weiterer Anwärter auf einen solchen Werdegang ist neben Noah Okafor der Deutsche Karim Adeyemi, der mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird. Der 19-jährige hat bereits einen stattlichen Marktwert von 20 Millionen Euro.

Der talentierte Sturm Salzburgs: Karim Adeyemi (links) und Noah Okafor.

Der talentierte Sturm Salzburgs: Karim Adeyemi (links) und Noah Okafor.

Keystone

Das Geschäftsmodell des Red-Bull-Vereins erstaunt nicht nur wegen der Ablösesummen, die für ihre Spieler ausgegeben werden. In der diesjährigen Champions-League-Saison stellte Salzburg jedes mal das jüngste Team. Am ersten Spieltag gegen Sevilla war das Durchschnittsalter 22,6 Jahre.

Eine Alternative für Murat Yakin

Die Champions League bietet für die Entwicklung der Spieler beste Voraussetzungen. Mit auffälligen Einsätzen kann man auf der grössten Bühne des Vereinsfussballs auf sich aufmerksam machen. So darf sich Okafor und die Schweiz der realistischen Hoffnung hingeben, dass der Basler in einigen Jahren zu Europas Elite zählen könnte. Ebenso könnte er eine gefährliche Waffe im Sturm der Nati sein. Bei diesen Leistungen ist die Nominierung durch Murat Yakin wohl nur eine Frage der Zeit.

Aktuelle Nachrichten