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2:1 gegen Ronaldos Manchester United: Wie YB einen Sensations-Coup landete

Cristiano Ronaldo bringt Manchester United zwar früh in Führung. Doch nachdem sich die Nacht über Bern gelegt hat, liegen sich Zehntausende in den Armen und singen die Paten-Ochsner-Hymne «Scharlachrot».

François Schmid-Bechtel
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YB-Siegtorschütze Jordan Siebatcheu (links) mit Torhüter David von Ballmoos.

YB-Siegtorschütze Jordan Siebatcheu (links) mit Torhüter David von Ballmoos.

Toto Marti / Blick/freshfocus

Die Sonne in Bern ist noch nicht untergegangen, doch Ole Gunnar Solskjaer hätte nichts dagegen, bereits Feierabend zu machen. Sinnbildlich stempelt der Trainer von Manchester United auch tatsächlich aus. Denn er verbietet es seiner Mannschaft, weiter Fussball zu spielen, obwohl die Sonne noch scheint und nicht mal Halbzeit ist. Solskskjaer geht es nur noch darum, das Resultat irgendwie über die Ziellinie zu retten.

Klar, den Platzverweis in der 35. Minute gegen seinen Verteidiger Wan-Bissaka nach einem üblen Foul an Martins hat Solskjaer in seinem Matchplan nicht vorgesehen. Aber dass er unmittelbar danach den Defensivspieler Dalot für die 85-Millionen-Zaubermaus Sancho einwechselt, und in der Pause mit Varane für Van de Beek die Defensive zusätzlich stärkt, lässt darauf schliessen, dass die Engländer keinen Bock mehr auf Fussball haben. Kurz: Solskjaer parkt den Bus vor dem eigenen Tor. Das zeugt von gehörig viel Respekt vor YB.

Manchester United macht einen auf Catenaccio

Selbst bei numerischem Gleichstand muss Solskjaer konstatieren, dass die Berner kein Kanonenfutter sind, obwohl ihr Team etwa 850 Millionen Euro weniger hoch dotiert ist. Ronaldo bringt zwar Manchester United in der 13. Minute nach einem Zuckerpass seines Landsmanns Bruno Fernandes 1:0 in Führung. Und wenig später kommt Ronaldo erneut zum Abschluss.

Da war die Welt für Ronaldo noch in Ordnung. Der Portugiese nach seinem Treffer zum 1:0.

Da war die Welt für Ronaldo noch in Ordnung. Der Portugiese nach seinem Treffer zum 1:0.

Alessandro Della Valle / EPA

Aber damit hat es sich mit den aufregenden Momenten des 36-jährigen Portugiesen, der fünfmal zum Weltfussballer des Jahres gewählt wurde. Wobei er das Berner Publikum schon noch das eine oder andere Mal aufregt. Beispielsweise, wenn er einen zweiten Ball ins Feld wirft, um den Rhythmus der Berner zu brechen. Oder wenn er sich zu leicht fallen lässt. Immerhin: Ronaldo ist der einzige des Starensembles, der gefährliche Momente kreiert.

Lingard für Ronaldo – der erste folgenschwere Wechsel

Für Ronaldo ist in der 72. Minute Schluss. Für ihn kommt Lingard. Ein folgenschwerer Wechsel. Dazu später.

Als Ronaldo vom Platz geht, steht es 1:1. Die Berner, die schon in der ersten Halbzeit durch Fassnacht die beste Möglichkeit hatten, belohnen sich in der 66. Minute für ihren mutigen Auftritt. Der sehr auffällige Elia auf den noch auffälligeren Ngamaleu – 1:1. Doch YB stellt den einen Punkt nicht zufrieden. Nur eine Minute nach dem Ausgleich hat Ngamaleu die nächste Chance. Wieder von Elia lanciert, schiesst er zu hoch.

Siebatcheu für Sierro, der zweite folgenschwere Wechsel

Das Signal, auf Sieg zu spielen, sendet YB-Trainer David Wagner schon in der Pause. Der Deutsche, der 2017 mit dem Sensationsaufsteiger Huddersfield schon mal die grosse United bezwungen hatte, wechselt in der Pause Stürmer Siebatcheu für den defensiven Mittelfeldspieler Sierro ein. Der andere, folgenschwere Wechsel.

Trotz Überzahl, trotz unzähligen Flanken, trotz des nimmermüden Anrennens: YB kommt kaum zu Torchancen. Der Bus aus Manchester verrammelt das Tor. Ngamaleu (86.) verzieht, Laupers (88.) fulminanten Distanzschuss lenkt Goalie De Gea über die Latte. Alles deutet auf ein 1:1. Gewiss ein gutes Resultat für YB. Aber es ist klar: An diesem Abend, gegen dieses Manchester United, läge eine Sensation drin.

Ein Tollhaus: Das Wankdorf nach dem 2:1 von Jordan Siebatcheu in der 95. Minute.

Ein Tollhaus: Das Wankdorf nach dem 2:1 von Jordan Siebatcheu in der 95. Minute.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Dann explodiert es doch noch, das ausverkaufte Wankdorf. Die 95. Minute. Lingard spielt einen zu kurzen Rückpass. Siebatcheu antizipiert richtig und verwandelt eiskalt zum 2:1.

Die Sonne ist untergegangen. Und Zehntausende schmettern die Patent-Ochsner-Hymne «Scharlachtrot». Egal, ob das gefällt oder nicht, Hühnerhaut gibts in jeden Fall. Es ist ja auch der grösste YB-Sieg in diesem Jahrtausend. Magisch.

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