Die Metamorphose ist im vollen Gang. Aber noch lange nicht beendet. Carlo Janka ist nicht mehr der, der er vor einem Jahr war. Damals, beim Weltcup-Final 2016 in St. Moritz, befand sich sein Gemütszustand auf so tiefem Niveau, dass er sogar unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung durchrutschte. Als er sagte: «So müsste ich gar nicht starten.»

Die WM-Hauptprobe, die für die Schweizer Mannschaft in eine gigantische Jubelfeier ausartete, geriet zum persönlichen Fiasko. Nur fiel das kaum auf, weil die andern über sich hinauswuchsen. Drei Siege, sechs Podestplätze, da scherte sich niemand um Janka, ausser er selbst. Die Fakten waren mehr als ernüchternd: Letzter im Super-G, eine Sekunde hinter dem Zweitletzten. Und Letzter bei der 1. Zwischenzeit in der Abfahrt, Letzter auch in der zweiten – am Schluss immerhin Achter. Trotz «freiem Fall» mit 100% Gefälle beim Start büsste der als Langsamstarter bekannte Bündner im anschliessenden Flachstück über eine Sekunde ein. «Ich könnte vermutlich 100 Mal fahren und wäre immer Letzter», brach die Resignation durch: «Seit zehn Jahren übe ich das und komme nicht vom Fleck.»

Inzwischen hat er im Sommer intensiv an seinen Problembereichen gearbeitet, dem Starten und dem Gleiten. «Ich glaube», so Janka, «wir haben etwas erreicht, aber ich bin noch nicht dort, wo ich sein möchte.» Liegt es an ihm? Oder am Material? «Schwierig zu sagen, wahrscheinlich an beidem», findet er: «Das Zusammensetzen des Puzzles ist mir noch nicht nach Wunsch gelungen – oder selten gelungen.»

Hat das zweitägige Spezialtraining nach der Hahnenkamm-Abfahrt etwas weitergeholfen? «Das erste WM-Training ist wichtiger», relativiert Janka. Und das sah vorerst gar nicht so schlecht aus. Eine Zeit lang führte er sogar das Klassement an. Doch dann spülte es ihn auf dem 9. Rang zurück. Sein Fazit: «Es war wie immer – mit den üblichen Problemen. Oben büsse ich wieder fast eine Sekunde ein, unten bin ich dabei – aber ein Aufholen ist schwierig.»
Die Analyse bestätigte Jankas Einschätzung: Nach halber Strecke lag er 0,91 Sekunden hinter dem Trainingsschnellsten Beat Feuz, am Ziel noch 0,71 – alles wie gehabt. Janka schaffts (noch) nicht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Noch kein Sieg in St. Moritz

Der Piz Nair ist, im Gegensatz zu Lara Gut, nicht sein Berg. Auch er startete hier schon über 30 Mal in verschiedensten Rennkategorien, von FIS-Rennen über den Europacup bis zum Weltcup. Das erste Mal vor 16 Jahren, als er in einem FIS-Rennen mit der Startnummer 122 61. wurde. Kein einziges Mal siegte er: Gerade zweimal stand er auf dem Podest, 2009 in seinem ersten Paradejahr, als er an den Schweizer Meisterschaften in der Kombination und in der Abfahrt Silber und Bronze holte, hinter Silvan Zurbriggen, Tobias Grünenfelder und Patrick Küng.

Am Mittwoch bestreitet er im Super-G den ersten seiner vier WM-Einsätze. In dieser Disziplin erzielte er, abgesehen vom Parallel-Riesenslalom, das beste Resultat in diesem Winter. In Val d’Isère wurde er Vierter, nur drei Hundertstel hinter dem Podest. Von jenen, die vor ihm klassiert waren, fehlt in St. Moritz Aksel Lund Svindal.

In der Kombination scheinen Jankas Chancen fast grösser als in der Abfahrt, wenn er nicht in den nächsten Trainings den Dreh im und nach dem «freien Fall» noch rausfindet. Im Riesenslalom würde er seinen Platz sogar zur Verfügung stellen: «Wenn ich jemandem im Weg stünde, würde ich den Startplatz weitergeben. Aber ich bin ja immer noch der beste Schweizer.» Dank seiner Punkte aus dem Parallelrennen rangiert er immer noch vor Justin Murisier und Gino Caviezel. Im nächsten Jahr werden in dieser Disziplin wieder stärker taillierte Ski verwendet. Auf solchen wurde er einst Weltmeister und Olympiasieger. «Auf diesen Wechsel», sagt er mit einem Schuss Ironie, «freue ich mich, auf jeden Fall mehr als auch schon.»

Neue Trainingsmethoden für das Schweizer Ski-Team um Carlo Janka

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