WM-Qualifikation
Captain Stephan Lichtsteiner über seine momentan schwierige Situation - und wie er damit umgeht

Stephan Lichtsteiner ist bei Juventus Turin nur noch Reservist. Wie reagiert er auf die neue Situation? Nati-Coach Petkovic steht voll und ganz hinter seinem Leader.

Etienne Wuillemin und Sven Schoch
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Nationalmannschafts-Captain Stephan Lichtsteiner hat bei seinem Verein momentan einen schwierigen Stand.

Nationalmannschafts-Captain Stephan Lichtsteiner hat bei seinem Verein momentan einen schwierigen Stand.

Keystone

Es gab schon einfachere Momente in der Karriere des Stephan Lichtsteiner. Jahrelang kannte sein Weg nur eine Richtung: hoch hinaus. Über Lille und Lazio Rom eroberte er schliesslich bei Juventus Turin die Fussballwelt. Lichtsteiner gewann Titel, stets als Stammspieler.

Doch nun hat der Wind gedreht. Erstmals seit sehr langer Zeit spürt Lichtsteiner Widerstand. Mit Dani Alves haben die Turiner einen Rechtsverteidiger verpflichtet, der derzeit in der internen Hierarchie klar vor Lichtsteiner steht. Der Schweizer wurde nicht für die Champions League gemeldet.

Wie delikat ist die Lage für den Schweizer Captain? Und bahnt sich gar das nächste Drama an – ein Jahr nachdem Gökhan Inler bei Leicester seinen Platz verlor und damit auch jenen im Nationalteam?

Gökhan Inler läuft seit diesem Sommer im Trikot von Besiktas Istanbul auf - und spielt auch regelmässig.

Gökhan Inler läuft seit diesem Sommer im Trikot von Besiktas Istanbul auf - und spielt auch regelmässig.

Keystone

«Ich bleibe ruhig, ganz ruhig sogar», sagt Lichtsteiner. «Natürlich ist es für niemanden angenehm, in eine solche Situation zu geraten. Aber ich werde im Verein auf meine Spielzeit kommen», gibt er sich überzeugt. Support erhält der 32-Jährige auch von Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Dieser sagt: «Ich sehe die Situation entspannt. Man kann sie nicht vergleichen mit jener von Inler vor einem Jahr.» Zumal die Schweiz im kommenden Frühjahr kein grosses Turnier bestreitet.

Lichtsteiner lobt die jüngsten Fortschritte im Team ausdrücklich. Und spricht explizit auch Petkovic ein grosses Lob aus. «Er hat jene, die Zweifel hegten, mit harter und guter Arbeit überzeugen können.» Auch die internen Kritiker.

Seit Beginn des EM-Trainingscamps in Lugano sei ein Ruck durchs Team gegangen. «Petkovic musste auch erst herausfinden, wie das Team auf sozialer Ebene tickt, welche personellen Entscheide nötig sind. Solche anspruchsvollen Prozesse gehen nicht von heute auf morgen.»
Am Freitag in Ungarn steht für die Schweiz der nächste Beweis des Fortschritts an. Ein weiterer Sieg täte besonders auch Captain Lichtsteiner gut.