Rad

Cancellaras Stunden nach dem Triumph

Süsse Überraschung für den Olympiasieger: Bundesrat Guy Parmelin überreicht Fabian Cancellara einen Spezialkuchen.

Süsse Überraschung für den Olympiasieger: Bundesrat Guy Parmelin überreicht Fabian Cancellara einen Spezialkuchen.

Der Zeitfahren-Olympiasieger kommt nach dem Gewinn seiner zweiten Goldmedaille an Olympischen Spielen nicht zur Ruhe, jeder will etwas vom Goldjungen. Ein Überblick.

Plötzlich bimmeln die Kuhglocken in den bereits frühzeitig dunklen Abendstunden in Rio de Janeiro. Alpfeeling am Ufer der Lagoa Rodrigo de Freitas. Die Seepromenade inmitten des Stadtteils Copacabana wurde nicht etwa von Kühen in Beschlag genommen. Nein, es ist die kleine Delegation von Swiss Cycling, welche sich dem House of Switzerland nähert.

Mit dabei Fabian Cancellara, der wenige Stunden zuvor seine zweite olympische Goldmedaille gewonnen hatte. Ihm gelten die Kuhglocken. Sie weisen ihm und seiner Entourage den Weg an den Ort der Festivitäten.

Cards: Fabian Cancellaras Karriere im Zeitraffer

Es ist ein Teil der Prozedur, die jeder Schweizer Medaillengewinner über sich ergehen lassen muss. Vor der Feier im House of Switzerland hatte Fabian Cancellara dem Fernsehstudio in Ipanema einen Besuch abgestattet.

Alle wollen an diesem Abend etwas vom Goldjungen, der zum Abschluss seiner Karriere noch einmal eine Wahnsinnsleistung auf den Asphalt gezaubert hatte. Bundesrat Guy Parmelin ist der Erste, der den Zeitfahr-Champion beim Schweizer Haus in Empfang nimmt. Hände schütteln hier, eine Gratulation dort, ein Selfie da. Der (lange) Endspurt von Cancellaras Gold-Tag beginnt. Alle wollen sich eine Scheibe vom Triumphator abschneiden.

Die olympischen Zaungäste

Immerhin: Das nasskalte Wetter im brasilianischen Frühling sorgt dafür, dass sich der Menschenauflauf in der Schweizer Präsenz im Gegensatz zu den Vortagen in Grenzen hält. Es sind noch ein paar andere Schweizer Sportler da. Ciril Grossklaus etwa, der Aargauer Judoka. Er ist so etwas wie das Kontrastprogramm zum glamourösen Star Cancellara.

Während der auf seinem Velo der Goldmedaille entgegenjagte, hatte Grossklaus seinen kurzen Auftritt auf der olympischen Matte. Nach fünf Minuten und zähem Kampf war alles vorbei. Knapp verloren, hiess das Verdikt. Aus der Traum. Auch das ist ein Teil der olympischen Realität. Hier der umjubelte Goldjunge, dort der unscheinbare Randsportler, der als Zaungast zuschaut, wie sich Fabian Cancellara im Rampenlicht bewegt.

Freunde in der Not

Dessen Marathon geht unverändert weiter. Die x-te Medienkonferenz an diesem Tag. Zum x-ten Mal dieselben Fragen. Ob er denn schon gesehen habe, wie viele Gratulations-SMS er erhalten habe, fragt ein Journalist.

Da wird Cancellara kurz nachdenklich und sagt: «In einem Moment wie diesem hat man plötzlich wieder ganz viele Freunde. Ich finde es schön, dass die Leute ihre Freude mit mir teilen. Das ist auch richtig so. Aber wichtiger waren mir die Menschen, die den Kontakt zu mir aufrecht hielten, als es mir nicht so gut ging. Da zeigte sich, wer die richtigen Freunde sind.» Noch habe er aber keine Zeit gehabt, die ganze Korrespondenz zu lesen. Dann wird Cancellara endlich entlassen aus dem Rampenlicht.

In einer abgeschirmten Lounge wird dem hungrigen Olympiasieger ein Nachtessen serviert. Und als Dessert gibt es als besondere Überraschung noch einen Kuchen mit Zuckerglasur und den olympischen Ringen als Dekoration – überreicht von Bundesrat Parmelin. Es ist der süsse Abschluss eines denkwürdigen Tags für Fabian Cancellara.

Bessere Ansicht für PC-Nutzer: Klicken Sie in der Grafik auf dieses Symbol Fullscreen, um die Karte in voller Grösse zu sehen.


Grafik: Elia Diehl

Cartodb: Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

Meistgesehen

Artboard 1