Nationalmannschaft
Breel Embolos Debüt gegen die USA ist wahrscheinlich

Der FCB-Stürmer hat von der Fifa die Spielberechtigung für die Schweizer A-Nationalmannschaft erhalten. Ein Einsatz am Dienstag macht ihn fussballtechnisch aber noch immer nicht definitiv zum «Schweizer».

Markus Brütsch
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Seine Augen verraten eine freudige Erwartung: Breel Embolo trainierte gestern in Jona erstmals mit der A-Nationalmannschaft.

Seine Augen verraten eine freudige Erwartung: Breel Embolo trainierte gestern in Jona erstmals mit der A-Nationalmannschaft.

KEYSTONE

Klick, klick, klick – die Objektive der Fotografen beim Training der Nationalmannschaft am gestrigen Nachmittag waren allesamt auf einen Mann gerichtet: Breel Embolo. Am Sonntagmorgen um 9 Uhr war der Stürmer des FC Basel in Lugano in den Zug gestiegen, in Arth-Goldau von Nati-Chauffeur Mario Brönnimann abgeholt und nach Feusisberg gefahren worden. Dort wurde er dann von Nationalcoach Vladimir Petkovic empfangen.

Eigentlich war ja vorgesehen gewesen, dass Embolo bei der U21 in Lugano bleiben würde, die nach der 0:3-Niederlage gegen Italien in der letzten Woche nun morgen Abend erneut auf die Azzurri trifft. Weil aber beim Schweizerischen Fussballverband inzwischen ein Fax aus Kamerun eingetroffen war mit der Bestätigung, dass Embolo noch nie für die «Unzähmbaren Löwen» aufgelaufen sei, änderte sich die Situation. Der SFV leitete das Dokument an die Fifa weiter, diese prüfte das Ganze und gab den Schweizern grünes Licht, um Embolo am Dienstag im Testspiel des A-Teams in Zürich gegen die USA einzusetzen. Embolo, 1997 in Yaoundé auf die Welt gekommen, im Alter von fünf Jahren mit seiner Mutter in die Schweiz ausgewandert und in Basel aufgewachsen, hatte vor ziemlich genau einem Jahr mit einem Tor bei seinem Super-League-Debüt erstmals für Aufsehen gesorgt. Vier Minuten nach seiner Einwechslung war ihm für den FC Basel gegen Aarau gleich die Torpremiere gelungen.

Bald schon galt der Kameruner als Juwel unter den Nachwuchsspielern unseres Landes. Er bestätigte diese Einschätzungen, spielte sich mit erfrischenden Vorstellungen ins Fanionteam des FCB und hat für dieses mittlerweile 39 Pflichtspiele bestritten und 13 Tore geschossen. Gegen Ludogorez Rasgrad hatte er sich im Spätherbst in der Champions League zum sechstjüngsten Torschützen dieses Wettbewerbs gemacht.

Natürlich buhlte auch Kamerun um Embolo, doch nach einem Gespräch mit Petkovic im November letzten Jahres in Basel entschloss sich der Umworbene nach einer Bedenkzeit schliesslich, künftig auch auf A-Ebene die Schweizer Farben zu tragen. Am 19. Februar erhielt Embolo dann zwar den Schweizer Pass, konnte von Petkovic aber noch nicht für das EM-Ausscheidungsspiel gegen Estland aufgeboten werden, weil die Fifa die Spielberechtigung noch nicht erteilt hatte.

«Ich bin erleichtert», sagte Embolo gestern Abend im verregneten Jona. Hinter sich hatte er das erste Training mit der Nationalmannschaft. Wie es sich für einen Debütanten seines Zuschnitts gehört, hatte er im Trainingsspielchen auch bald einmal sein Tor erzielt. «Zu Beginn war ich etwas nervös», sagte Embolo hinterher, «aber als das Training begann, spürte ich nichts mehr davon. Das Terrain ist eine Welt, in der sich alle verstehen. Das Niveau hatte allerdings schon eine andere Qualität, alles ging viel schneller.»

Noch weiss Embolo nicht, ob er gegen die USA zu seinem Einstand im A-Team kommt. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass Petkovic in Absprache mit Nachwuchscoach Heinz Moser den Angreifer vom U21-Team abgezogen hat, um ihn morgen im Letzigrund 90 Minuten auf der Bank zu belassen. Sollte Embolo gegen die Amerikaner eingesetzt werden, bedeutet dies aber noch immer nicht, er sei definitiv an die Schweiz gebunden. Erst wenn er in einem Pflichtspiel, zum Beispiel am 14. Juni in Litauen, auf dem Platz steht, kann er nicht mehr wechseln.

«Falls ich spielen sollte, werde ich natürlich mein Bestes geben», sagt Embolo, «aber ich will mich vor allem einmal gut integrieren und geniessen, dass ich dabei bin.» Noch ist Embolo unbelastet von den vor ein paar Tagen vom «Blick» und von Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner angestossenen Diskussionen um Akteure mit Migrationshintergrund. Eine Debatte, die Führungsspieler Valon Behrami am Sonntag mit einem Statement zum Abschluss bringen wollte. «Man sollte aufhören, zwischen Schweiz-Schweizern und Kosovo-Schweizern zu unterscheiden, und man sollte sich im Fussball auch nicht zu viele Gedanken über die Herkunft machen», sagte der Aufbauer mit albanischen Wurzeln.

Auch Embolo könnte dies nur recht sein. Die zuletzt bei der U21 abgeholte gelb-rote Karte mag er nicht mehr thematisieren. «Unnötig», sagt er dazu nur. «Jetzt aber schaue ich vorwärts. Ich möchte vor allem einmal von meinen grossen Mitspielern im A-Team profitieren.» Denkbar, dass er am Dienstag auf der Ersatzbank neben sich prominente Namen hat. Das Training liess erkennen, dass Petkovic beabsichtigt, dem einen oder andern Titular eine Pause zu geben.