Die ZSC Lions haben Zug soeben aus den Playoffs gekippt. Die Atemluft im Bauch des schönen Stadions ist getränkt mit Schweiss, Enttäuschung und Freude. In den Katakomben stehen die ZSC-Lions-Bürogeneräle – Sportchef Sven Leuenberger, Manager Peter Zahner – mit gewichtiger Miene herum.

Da stellt ein vorwitziger Chronist dem ZSC-Sportchef eine Frage, die eigentlich Zugs Sportchef Reto Kläy stellen müsste. Ob er denn nicht eine Million sparen wolle? Er brauche doch den Leonardo Genoni gar nicht. Der Lukas Flüeler sei ja mindestens so gut.

Es ist so, dass Leonardo Genoni (30) beim SC Bern noch einen Vertrag für nächste Saison hat. Es ist das erklärte ZSC-Ziel, ihn dann nach Zürich zu holen. Aber warum eigentlich nach Zürich? Warum nicht nach Zug?

Und damit sind wir bei der Analyse des Scheiterns der Innerschweizer. Zum dritten Mal in vier Jahren unter Trainer Harold Kreis sind sie bereits im Viertelfinale aus den Playoffs geflogen. Gemessen an den hohen Ansprüchen ein Scheitern ohne «Wenn» und «Aber».

«Mehrere Leader haben versagt»

Sportchef Reto Kläy drischt keine der in solchen Situationen üblichen Phrasen und schliesst nicht aus, dass dieses Scheitern Konsequenzen haben könnte. Er mag zwar jetzt nicht dem Trainer das Vertrauen aussprechen. Harold Kreis hat ja noch einen Vertrag für nächste Saison. Aber er sagt, er sehe eigentlich kein Trainerproblem.

Tatsächlich ist die Situation nicht vergleichbar mit jener der ZSC Lions vor einem Jahr. Da war nach dem Scheitern in den Viertelfinals allen klar, dass Hans Wallson keine Zukunft mehr hat. Und der Schwede ist ja dann auch im Laufe dieser Saison gefeuert worden.

Harold Kreis dürfte im Amt bleiben – aber die Stars kommen wohl nicht alle ungeschoren davon. Reto Kläy sagt: «Wir entlassen die Spieler nicht aus der Verantwortung. Mehrere Leader haben versagt.» Aha.

Gibt es vielleicht, ähnlich wie im Frühjahr 2016, als Dario Bürgler und der ausländische Verteidiger Daniel Sondell nach dem Scheitern im Viertelfinale aus laufenden Verträgen nach Lugano abgeschoben worden sind, wieder ein oder zwei oder drei Spektakeltransfers? «Wenn Sie auf einen Eklat hoffen, dann muss ich Sie enttäuschen», sagt Zugs Sportchef. «Aber ich schliesse personelle Veränderungen nicht aus.»

Wieso nicht Genoni?

Drei Leader haben bei Zug versagt. Tobias Stephan (34), Verteidigungsminister Raphael Diaz (32) und Stürmer Reto Suri (28). Alle drei Musterprofis. Musterknaben. Aber keine Leitwölfe. Weder auf dem Eis noch in der Kabine. Aber mit bäumigem Salär und hohem Sozialstatus im Unternehmen und in der Stadt.

Tobias Stephan und Raphael Diaz bleiben unantastbar. Wenn es zu einem «Schocktransfer» kommen sollte, dann ist Reto Suri Kandidat Nummer ein. Lausanne und die Lakers, wenn sie aufsteigen sollten, könnten zum Thema werden. Reto Kläy schliesst nichts aus und sagt, es sei nun an der Zeit, alles zu hinterfragen. Auch jeden einzelnen Spieler. Und bekräftigt: «Wir können nach diesem Scheitern nicht zur Tagesordnung übergehen. Unser Ziel ist und bleibt, eine Meisterschaft zu gewinnen.»

Meister wird Zug nur mit einem Meistergoalie. Tobias Stephan ist, wie wir soeben erneut gesehen haben, kein Meistergoalie, und sein Vertrag läuft Ende nächster Saison aus. Es obliegt dem Sportchef, nicht nur kurzfristig, sondern auch strategisch zu denken.

Womit wir wieder zu unserer Szene am Anfang dieser Kurzanalyse zurückkehren: wenn Sven Leuenberger Leonardo Genoni in Zürich nicht braucht – wäre der vielfache HCD- und SCB-Meistergoalie dann nicht der ideale Mann für Zug? Er hat noch mindestens fünf gute Jahre vor sich. Müsste sich Reto Kläy nicht bei Genonis Agent Erich Wüthrich melden? Er sagt: «Wer weiss, vielleicht habe ich ja schon angerufen …»