Frauenfussball

Born in the USA: Die Schweizerin Noelle Maritz zeigt an der EM ihr ganzes Können

Noelle Maritz hat in ihrem Leben schon viel erlebt.

Noelle Maritz hat in ihrem Leben schon viel erlebt.

In Amerika geboren, in der Schweiz aufgewachsen, seit vier Jahren Profi in der deutschen Bundesliga. Verteidigerin Noelle Maritz hat in ihrem Leben schon viel erlebt. An der EM in Holland gehört die 21-Jährige zu den Besten in der SFV-Auswahl.

Meister und Cupsieger in der Schweiz und in Deutschland, Champions-League-Sieger, eine WM- und eine EM-Teilnahme sowie 50 Länderspiele für die Schweiz. Maritz gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Fussballerinnen. Dabei ist die linke Aussenverteidigerin erst 21 Jahre alt.

Maritz ist an der EM-Endrunde in Holland eine der Besten im Schweizer Team. Im Auftaktspiel gegen Österreich (0:1) liess sie sich von der grossen Nervosität der Mannschaft nicht anstecken und gehörte zu den wenigen, die genügten. In ihrem 50. Länderspiel gegen Island (2:1) spielte sie gross auf, sorgte im linken Couloir für viel Druck und bereitete den Siegtreffer von Ramona Bachmann mit einer Massflanke vor.

#MyWayToHolland: Noelle Maritz

So, wie sie spielt, tritt Maritz auch neben dem Feld auf: ruhig, abgeklärt, selbstbewusst. In akzentfreiem Hochdeutsch gibt sie über sich, das eigene Team und den nächsten Gegner Auskunft. Frankreich habe eine Weltklasse-Mannschaft, aber auch sie hätten super Spielerinnen. "Wir müssen genau so viel Gas geben wie gegen Island und auch mal dazwischen hauen, um den Spielfluss zu unterbrechen."

Starke Gegner, Härte und Druck ist sich Maritz aus Wolfsburg gewohnt. Seit vier Jahren spielt sie beim deutschen Bundesligisten in Niedersachsen, der zu den Top-Teams in Europa gehört. "Der Konkurrenzkampf ist gross. Man weiss, dass man in jeder Partie abliefern muss, sonst wird es eng für das nächste Spiel." Mit den hohen Erwartungen kommt sie klar, die deutsche Siegesmentalität hat sie verinnerlicht, am Erfolg hat sie Gefallen gefunden. "Von Titeln bekommt man nie genug."

Fussballerische Grundausbildung in den USA

Maritz hat in ihrem Leben gelernt, sich anzupassen. In Kalifornien geboren und aufgewachsen, später nach New Jersey umgezogen, erlernte sie die Grundlagen des Sports in den USA, wo der Frauenfussball einen viel höheren Stellenwert geniesst als in Europa. Davon profitierte auch Maritz. "Ich genoss eine sehr gute Ausbildung. In den USA wird schon früh der Fokus auf technische Feinheiten gelegt." Maritz spielte auch Baseball, ihre Ambitionen galten aber immer dem "Soccer".

Der Traum vom Fussballprofi reifte nach dem Umzug in die Schweiz und dem Wechsel als 13-Jährige ins Ausbildungszentrum nach Huttwil. Beim FC Wil spielte sie bis zur U15 mit den Jungs, wo sie auch von der offensiven Mittelfeldfeldspielerin zur Verteidigerin umfunktioniert wurde. Danach ging es schnell. Der Wechsel zu den Frauen des FC Zürich mit 15, das Nationalmannschafts-Debüt und der Transfer in die Bundesliga mit 17.

Obwohl sie sich als Schweizerin fühlt und in Deutschland lebt, ist Maritz noch heute mit den USA verbunden. Mehrmals verbrachte sie Ferien in Florida, mit früheren Schulkolleginnen steht sie noch immer in Kontakt. Auch sonst verfolgt sie gesellschaftliche Ereignisse in Übersee, sei mit einer kleinen Superbowl-Party mit Kollegen oder dem gelegentlichen Lesen eines Artikels über die amerikanische Politik.

Auch amerikanische Charaktereigenschaften wie die Unbeschwertheit oder das positive Denken hat sie sich bewahrt. "Ich mache mir auf dem Feld nicht zu viele Gedanken und versuche frei aufzuspielen." Die "Never-give-up"-Mentalität ihrer früheren Trainer habe sie geprägt. Diese zeigte sie auch in der Partie gegen Island. "Jede wollte der Mannschaft und der Öffentlichkeit beweisen, dass wir besser Fussball spielen können."

Maritz hofft, dass das EM-Abenteuer nach dem Spiel gegen Frankreich weitergeht. Danach wird sie wieder zu Wolfsburg zurückkehren, wo sie noch einen Vertrag bis 2018 besitzt. Was danach kommt, lässt sie auf sich zukommen, auch wenn es derzeit keinen Grund für eine Veränderung gibt. "Aber im Fussball kann es schnell gehen." Klar ist, dass die gelernte kaufmännische Angestellte auch in Zukunft ihr Geld mit Fussball verdienen will. "Es war immer mein Traum, Fussball-Profi zu werden und diesen Traum zu leben."

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