Die Startplätze am Engadin Skimarathon sind auch im Jahr nach dem Jubiläum (50 Jahre) vorzeitig ausgebucht. Langlauf erlebt in der Schweiz eine positive Entwicklung. Immer mehr Fitness- und Gesundheitsbewusste zieht es auf die Loipe, das Zielpublikum wird spürbar jünger und die klassische Technik erlebt ein Revival. Der Wettkampfsport profitiert aber nur bedingt von diesem Trend.

Gut 15 Prozent Zuwachs beim Verkauf von Langlauf-Ski in den letzten drei Jahren verzeichnet Branchenprimus Fischer – die Skimarke, der auch Dario Cologna vertraut. Walter Dietiker, der Schweiz-Verantwortliche in der österreichischen Firma, betont, dass bei Breitensportlern Klassisch-Ski wieder im Trend liegen.

Zum Boom beigetragen haben die neusten Modelle mit Fellstreifen auf der Gleitfläche. «Der Aufwand für das Wachsen der Ski hielt viele Leute vom Langlauf im klassischen Stil ab», sagt Dietiker. Er sieht zwei weitere Trends: «Unser Zielpublikum bei den Erwachsenen ist jünger geworden. Und auch immer mehr Kinder betreiben Langlauf.»

Junge wollen Technik lernen

Diese Aussagen bestätigen kann Barbara Flury. Die ehemalige Spitzenläuferin betreibt in Davos eine Langlaufschule, engagiert sich in der Jugendorganisation (JO) des lokalen Skiclubs und amtet als OK-Präsidentin bei den Davoser Weltcuprennen.

Es habe in diesem Winter im Bündner Skiort «sehr, sehr viele Leute auf der Loipe». Bei ihr hätten mehr Kunden einen Klassisch- als einen Skating-Kurs belegt. «Und anstatt 60-Jährige kommen vermehrt 35-Jährige in die Langlaufschule, weil sie einen Schritt zu einer besseren Technik machen wollen.» Viele Ausdauer- und Fitnesssportler entdecken derzeit das Langlaufen neu. «Viele sind überrascht, wie komplex diese Sportart ist.»

Der Wettkampfsport als grosser Verlierer

Der Skiclub Davos hat eine der grössten JO-Abteilungen im Langlauf. Rund 140 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren treffen sich jeden Mittwoch zum spielerischen Training. Allerdings verliere man im Alter von 12 bis 15 Jahren nach wie vor viele Talente. «Das ist ein Knackpunkt. Langlauf als Wettkampfsport ist halt sehr zeitintensiv.»

Gary Furrer, Chef Breitensport bei Swiss Ski, übt Selbstkritik: «Es ist uns noch nicht gelungen, den Langlauf-Boom im Breitensport in den Wettkampf zu übertragen. Mit dem Engadiner gibt es pro Winter nur einen Anlass, der die grosse Masse anzieht.»

Während es im Sommer in der Laufszene praktisch jedes Wochenende einen Wettkampf hat, der eine grosse Läuferschar am Start sieht, sind die Unterschiede im Langlauf frappant. Der Engadiner ragt mit 14 000 Teilnehmenden einsam heraus.

Die anderen zehn Läufe der Swiss-Loppet-Serie fristen ein Mauerblümchendasein. «Wenn ich sehe, was in den letzten Wochen auf den Loipen rund um Einsiedeln abgegangen ist, und am Einsiedler Skimarathon starten dann nur 526 Personen, obwohl eine Stadt wie Zürich zum Einzugsgebiet gehört, dann ist das ein kleiner Frust.» Es sei noch nicht gelungen, diese Veranstaltungen im Markt zu positionieren. Dafür bräuchte es einen Schritt in Richtung Professionalisierung, sagt Furrer.

Volksläufe fast ohne Volk

Ähnlich mager sehen die Zahlen der anderen Swiss-Loppet-Veranstaltungen des letzten Monats aus: Den Kandersteger Volksskilauf absolvierten gerade mal 287 Männer und Frauen.

Und selbst die 47. Austragung des Gommerlaufs hat trotz grosser Tradition und Verlinkung zum Walliser Langlauf-Eldorado vor zwei Wochen lediglich 1515 Leute angelockt. Welche Diskrepanz zum Paradeobjekt «Engadiner».

Dort allerdings ist der Trend zur Verjüngung ebenfalls spürbar. Um 40 Prozent sind die Teilnehmerzahlen bei den unter 20-Jährigen seit 2010 gestiegen. Einen idealen Einstieg in den Langlauf-Sport bietet seit gut 10 Jahren der Dario Cologna Fun Parcours.

Mit der Bereitstellung von Gratismaterial versucht Swiss Ski, Schulklassen für eine Langlauf-Lektion zu gewinnen. Doch erst seit man vor einiger Zeit begonnen hat, mit den rund 60 Anbietern des Verbands Schweizer Langlaufschulen zusammenzuarbeiten, boomt dieses Projekt für Unter- und Oberstufe.

«Unsere vier Materialsets sind heuer für den gesamten Winter ausgebucht. Wir erreichen damit insgesamt 15 000 Kinder», sagt Gary Furrer. Und Mariette Brunner, oberste Schweizer Langlauflehrerin, ergänzt: «Als Folge davon kommen auch eindeutig mehr Familien zu uns in die Kurse.»