Ski alpin
Bode Miller: Das US-Ski Genie zwischen Comeback und Rücktritt

Bode, Bode und noch einmal Bode – aber wie lange noch?

Richard Hegglin, Wengen
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Findet Bode Miller (hier im Starthaus in Wengen) nochmals zu den Leistungen, die er von sich selbst erwartet?

Findet Bode Miller (hier im Starthaus in Wengen) nochmals zu den Leistungen, die er von sich selbst erwartet?

Keystone

Zuerst erscheint Morgan, seine Frau, ganz in Schwarz gekleidet und mit offener Jacke. So ist unübersehbar: Sie ist wieder schwanger. Morgan nimmt in der vordersten Ecke des Zielraum-Labyrinths Platz. Und dann kommt Bode Miller, der bunteste Paradiesvogel im Skizirkus. Er startet, mit der Nummer 3, tatsächlich zum ersten Training der Lauberhorn-Abfahrt und erreicht das Ziel in einer Zeit von 2:39,61 – das reicht zum 26. Platz.

Lange steht er keuchend im Ziel und stützt sich auf seine Stöcke. Ohne sie eines Blickes zu würdigen, stakst er an seiner Gattin vorbei. Sonst erhält sie immer ein Küsschen. Aber Bode ist hundemüde und total ausgelaugt. Erst nach zehn Minuten kehren die Lebensgeister zurück und er wechselt mit Morgan ein paar Worte. Dann geht er zur ersten TV-Station und auch zu den verschiedenen Journalisten-Grüppchen. Das tut er selten. Meistens äussert er sich nur bei Medienkonferenzen.

Enttäuscht von der Kondition

Aber Bode, der im November am Rücken (Diskushernie) operiert wurde, ist aussergewöhnlich gut aufgelegt. Er macht wieder das, was er am liebsten tut und am besten kann. «Das ist ein wichtiger Tag für mich. Zum ersten Mal seit fünf Monaten stehe ich wieder auf Abfahrtsski, nachdem ich in Sölden ein paar Tage frei Ski gefahren bin», sagt er. «50 Sekunden gingen gut, aber dann war ich völlig fertig. Ich bin enttäuscht von meiner Kondition.» Auf dem ersten Abschnitt ist er Zweitschnellster, dann büsst er noch fast drei Sekunden ein.

Wies weitergeht, weiss er selber nicht: «Ich nehme es von Tag zu Tag und fahre alle Trainings, um mein Set-up abzustimmen. Dann schaue ich weiter.» Sicher nicht mitmachen wird er an der Superkombination, die er 2010 gewonnen hat: «Ich habe gar keine Slalom-Ski hier, nur Ski zum freien Skifahren.» Bezüglich Teilnahme an der Lauberhorn-Abfahrt wie auch jener in Kitzbühel und in Beaver Creek steht vorläufig ein Fragezeichen.

Der nächste Start wäre sein 439. Weltcuprennen, womit er als aktueller Rekordhalter Benni Raich (433) um sechs Rennen auf Distanz hält. Viele werden kaum mehr dazukommen. Noch Ende Dezember deutete er an: «Wenn ich mich nicht mehr renntauglich fühlen sollte, ist der Rücktritt nicht mehr weit.» Bode ist 37 Jahre und drei Monate alt. Der Rekord von Didier Cuche als ältester Weltcupsieger (mit 371⁄2 Jahren im Super-G von Crans-Montana) wird nicht in Gefahr geraten, selbst wenn Miller wider Erwarten noch ein Rennen gewinnen sollte. Sonst müsste er noch eine Saison anhängen.

Schlagzeilen abseits der Piste

Der letzte seiner 33 Siege datiert aus dem Jahr 2011. Trotz über einem Dutzend Trainingsbestzeiten und gigantischer Medien-Resonanz stand er nie mehr ganz oben – das wird oft vergessen. Die Schlagzeilen lieferte er mit privaten Storys. Als seine Frau Morgan ein ungeborenes Kind verlor, wurde Bode fast zur gleichen Zeit Vater eines Sohnes, der ihm Ex-Freundin Sara McKenna gebar. Um dessen Sorgerecht stritten sich die beiden schon vor der Geburt.

Eines ist offensichtlich: An der Seite seiner Frau Morgan ist Bode ruhiger geworden. Der Skisport hat immer noch einen hohen Stellenwert. Deshalb sind alle Prognosen über seine Zukunft spekulativ. Bode entscheidet schnell und stürzt seine Entscheide schnell wieder um – on verra.