Formel 1
Bis das Gegenteil bewiesen ist

Kommentar zum schlechten Abschneiden des Schweizer Formel-1-Teams Sauber: Macht das noch Sinn? Die Frage ist berechtigt. Die Schlagzeilen, die das Schweizer Formel-1-Team Sauber seit längerer Zeit liefert, ähneln sich.

Martin Probst
Martin Probst
Merken
Drucken
Teilen
Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn mit nachdenklichem Blick

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn mit nachdenklichem Blick

KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI

Im Rennen gibt es keine WM-Punkte zu holen und neben der Strecke offenbar kein Geld. Und dann heisst es so oder ähnlich nach jedem Rennen: «Die Sauber-Piloten blieben im Kampf um WM-Punkte wie erwartet chancenlos.» Es ist weniger das Verpassen der Top-10-Ränge, das aufhorchen lässt, sondern der Zusatz «wie erwartet».

Erwarten Schweizer Motorsportfans in der Tat nicht mehr mehr? Wenn dem so ist, lässt sich die Frage nach dem Sinn schnell beantworten: Nein, es macht keinen Sinn. Im Sport geht es um Siege und um Erfolg. Und die Hoffnung, dass dieser auch nach längeren Durststrecken irgendwann wieder eintrifft. Nicht die Niederlage sollte erwartet werden. Selbst wenn es wie in dieser Saison in bisher fünf Rennen nicht annähernd für eine Platzierung der Sauber-Piloten in den WM-Punkte-Rängen gereicht hat.

Es wäre aber unfair, den Mitarbeitern des Teams vorzuwerfen, sie hätten resigniert. Die Crew arbeitet hart und versucht alles, um sich den Topteams wieder anzunähern. Nur lassen die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel diese Annäherung offenbar nicht zu. Was zu Teil zwei der Sinnfrage führt.

Auch die Schlagzeilen neben der Rennstrecke ähneln sich: Geldprobleme, zwiespältige Investoren, Streitigkeiten vor Gericht. Es erstaunt wenig, dass sich potente Geldgeber scheuen, in ein solch schwieriges Umfeld zu investieren. Weil ein Image-Verlust droht.

Früher waren die Schweizer Motorsportfans stolz auf ein kleines Team aus der Schweiz, das die mächtigen, finanzstarken Teams von Ferrari und Co. ärgert. Heute schütteln viele den Kopf. Das ist kein gutes Zeichen für Investoren, einen Werbenutzen zu erwarten.

Verbessern könnte das zunehmende Misstrauen in erster Linie eine offene und ehrliche Kommunikation. Doch Teamchefin Monisha Kaltenborn verhält sich sehr zurückhaltend. In den wenigen Interviews, die sie zuletzt gab, fielen immer wieder zwei Sätze, die in etwa lauten: «Das ist intern. Das wird von uns in der Öffentlichkeit nicht kommentiert.»

Der Formel-1-Rennstall Sauber hat die März-Löhne doch noch ausbezahlt.

Der Formel-1-Rennstall Sauber hat die März-Löhne doch noch ausbezahlt.

KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI

In Motorsportmagazinen war zuletzt aber sogar zu lesen, dass Kaltenborn die Strategie des Rückzugs selbst teamintern anwandte. Sollten diese Gerüchte stimmen, wäre das fatal. Verunsicherte Mitarbeiter brauchen eine Führung, die in schwierigen Zeiten präsent ist und damit signalisiert: Es kommt gut. Auch wenn die Löhne der Mitarbeiter, wie zuletzt von mehreren Medien berichtet, nicht immer pünktlich bezahlt werden konnten.

Was zum dritten Teil der Sinnfrage führt. Das Team Sauber beschäftigt in Hinwil nicht nur selbst zahlreiche Mitarbeiter, auch diverse Zulieferer profitieren wirtschaftlich vom Rennstall. Sollte das Team verschwinden, verschwinden direkt und vielleicht auch indirekt Arbeitsplätze. Darum lässt sich zumindest hier klar festhalten: Es macht Sinn.

In diesen Tagen war einmal mehr aus Teamkreisen zu vernehmen, dass eine Besserung der finanziell angespannten Lage zu erwarten sei – bald zu erwarten sei. Mehr Informationen gibt es aber nicht. Die Geschichte wiederholt sich. Es macht wohl wenig Sinn, dies zu glauben. Bis das Gegenteil bewiesen ist.