Vitali Klitschko hat in der Nacht zum Sonntag in Hamburg seinen WBC-Gürtel im Schwergewicht verteidigt. Alles prima also - wäre nur Shannon Briggs nicht stehengeblieben. Er sei «ein bisschen traurig», sagt Vitali Klitschko später. «Ich habe mir gewünscht, meinen Gegner auszuknocken.»

Der US-Amerikaner fiel erst in der Kabine, nach zwölf Runden im Ring - als er gerade seine Dopingprobe abgab. Er musste von seinen Betreuern aufgefangen werden und kam umgehend ins Krankenhaus. Die Kraft des 38-Jährigen reichte noch, um gegen die Trage zu treten, er wollte die Arena nicht liegend verlassen. Aber es habe unbedingt abgeklärt werden müssen, ob Briggs eine Gehirnblutung davongetragen hatte, erklärt Ringarzt Stephan Bock. Briggs sei benommen gewesen, habe an Schwindel und Kopfschmerzen gelitten und Kreislaufreaktionen wie verminderten Blutdruck und Puls gezeigt. Eine Gehirnerschütterung diagnostizierte der Mediziner deshalb sofort.

Nach Informationen des TV-Senders RTL liegt Briggs auf der Intensivstation, ist aber ansprechbar. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass sich der Amerikaner Frakturen unter beiden Augen sowie einen Sehnen- und Muskelriss im linken Arm zugezogen habe.

Klitschkos Trainer Fritz Sdunek diagnostizierte etwas anderes: sinnlose Härte in der Ecke von Shannon Briggs. «Es tut schon weh, wenn da so brutale Menschen sitzen, die es nicht einsehen wollen, dass ihr Kämpfer keine Chance mehr hat.» Laut Sdunek «wäre es besser für Shannon gewesen, Vitali hätte ihn in der sechsten Runde zu Boden geschickt. Dann hätte er nicht so viele Prügel bekommen».

Klitschko machte seinem Ruf als «Mr. Steelhammer» alle ehre. Sein Auftritt glich immer mehr einem Schlagkrafttraining am lebenden Objekt. Er schlug und schlug, mit rechts, mit links, gerade, aufwärts, seitwärts. Briggs, ein lebender Sandsack, fiel nicht. Man konnte fast glauben, er sei mit unsichtbaren Fäden an der Decke befestigt worden. Wie ein Sandsack eben. Der kann auch nicht runterfallen. Ganz ohne Kritik kam Vitali Klitschko jedoch trotz seines überlegenen Auftritts nicht davon. «Er wollte es erzwingen und stand oft nicht stabil genug», urteilte Fritz Sdunek. «Aber Vitali ist ja noch gut im Futter, er ist noch lange nicht am Ende.» Es sei noch genug Zeit, Klitschkos K.-o.-Wirkung wieder zu verbessern. Genug Zeit, um noch ein paar Kämpfe zu gewinnen. Genug Zeit, um noch ein paar Euro zu verdienen. (cls)