Eishockey
Bern oder Davos? Alles eine Frage der Energiereserven

Meister Davos steht im Playoff-Halbfinal beim Stand von 3:1 für den SC Bern mit dem Rücken zur Wand – doch HCD-Trainer Arno Del Curto warnt die Berner.

Marcel Kuchta
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Zwischen Resignation und Kampfeslust: HCD-Trainer Arno Del Curto.

Zwischen Resignation und Kampfeslust: HCD-Trainer Arno Del Curto.

Keystone

Irgendwann bemerkte Arno Del Curto selber, dass die Worte, die er eben von sich gegeben hatte, wie eine Saisonabschlussbilanz getönt hatten. «Es ist seit Jahren keinem Team mehr gelungen, den Titel zu verteidigen. Weil eine andere Mannschaft immer noch mehr Biss hat», hatte der HCD-Trainer eben erklärt. Die Stimmung im Lager des HC Davos war am späten Donnerstagabend nach der 2:3-Niederlage nach Verlängerung in Bern selbstredend alles andere als fröhlich.

1:3 liegen die Davoser in der Halbfinalserie gegen den SC Bern im Hintertreffen. Noch eine Niederlage, und die Mission Titelverteidigung ist für den amtierenden Meister missglückt. Aber eben: Es braucht noch eine Davoser Niederlage, ehe das Verdikt feststeht. Und deshalb sagte Arno Del Curto mit seinem typischen, durchdringenden Blick und einem süffisanten Lächeln auf den Lippen: «Es könnte ja sein, dass wir am Montag nochmals hier in Bern spielen. Und dann könnte der Druck dann auch für die Berner plötzlich ein wenig grösser sein, wenn sie wissen, dass sie dann den Sack vor eigenem Publikum zumachen sollten.»

Verbale Blumen des HCD-Trainers

Zuvor hatte der HCD-Trainer den Gegner gelobt und die eigene Mannschaft in Schutz genommen. Die Davoser Spieler waren in der Verlängerung stehend K.o. gewesen und hatten förmlich um den entscheidenden Gegentreffer gebettelt. Der fiel, nachdem Davos-Goalie Leonardo Genoni zuvor mehrmals mirakulös abgewehrt hatte, dann in der letzten Minute der Overtime. HCD-Verteidiger Beat Forster stürzte zur Unzeit. Tristan Scherwey hatte plötzlich freie Bahn und brachte die ausverkaufte Postfinance-Arena mit dem Siegtreffer förmlich zur Explosion. «Der SC Bern spielt gut. Es ist für mich keine Überraschung, dass sie jetzt um den Titel mitspielen. Anfang Saison gehörten sie schliesslich zum Kreis der Meisteranwärter», verteilte Del Curto zu Recht verbale Blumen an den Kontrahenten, der seine Mannschaft besonders in der Verlängerung mal für mal in arge Bedrängnis gebracht hatte. Die Berner waren gedanklich schneller, gewannen viele Bullys und auch noch gefühlte 90 Prozent aller Zweikämpfe. «Meine Spieler geben alles. Aber es ist hart. Besonders für Spieler wie Andres Ambühl oder Marc Wieser, die immer gespielt haben und auch noch im Nationalteam im Einsatz waren. Die haben jetzt zum Teil gegen 90 Spiele in den Knochen. Das ist viel», zeigte der Davoser Trainer Verständnis für den am Ende stumpfen Auftritt seiner Equipe, der auf der Zielgeraden offensichtlich das Benzin auszugehen droht.

Die Bergers und Randegger lassen Davos verzweifeln

Von fehlender Energie war dafür auf der anderen Seite nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Berner stürmten auch im vierten Playoff-Duell – mit wenigen Ausnahmen – wie gewohnt nach vorne, als gäbe es kein Morgen. Besonders auffällig agierte einmal mehr der nominell vierte Block mit den Gebrüdern Alain und Pascal Berger sowie Gian-Andrea Randegger. «Das Pensum, welches diese drei Spieler derzeit abspulen, ist unglaublich. Ich kann sie ohne Bedenken gegen alle gegnerischen Linien laufen lassen. Es ist sogar so, dass diese Formation die anderen drei Sturmlinien mit ihrer Energie förmlich mitzureissen vermag», zeigte sich auch Berns Trainer Lars Leuenberger begeistert vom Auftritt des Trios, welches die Davoser mit ihrer physischen und druckvollen Spielweise immer wieder vor schier unlösbare Probleme stellte. «Es ist unglaublich wertvoll, dass wir immer alle vier Linien rollen lassen können. Wenn wir so Druck machen können, dann wird es schwierig für Davos», sagt Leuenberger.

Der Berner Interims-Headcoach, der den SCB Ende Saison ungeachtet des weiteren (erfolgreichen) Laufs der Dinge verlassen muss, will von verfrühter Euphorie indes nichts wissen, selbst wenn der Verlängerungssieg gegen die Davoser vor allem in der Entstehung derart überzeugend war, dass nur noch die grössten Pessimisten an ein Scheitern der Berner glauben: «Wir dürfen gar nicht daran denken, wie viel es in der Serie steht.»

Die fatalen Davoser Fehlstarts

Gelingt es also dem HC Davos am Samstagabend, die Saison noch einmal zu verlängern? Wichtig wäre aus Sicht der Bündner, ausnahmsweise mal in Führung zu gehen. Bisher gerieten die Davoser in jedem Spiel (4., 9., 4., 3. Spielminute) früh in Rücklage und führten während der ganzen Serie nur einmal: im dritten Spiel. Und das endete letztlich mit einem 7:1-Sieg für den HCD...