Schwingen

Bergfestdrama auf der Rigi: Nordwestschweizer Schwinger holen drei Kränze

Am 9. Juli fand das Rigi Schwing- und Älplerfest auf Rigi Staffel statt. Die extra hergerichtete Schwing-Arena, die tolle Atmosphäre, spannende Zweikämpfe, der farbenprächtige Alpaufzug, wie auch der herrliche Ausblick lockte 4000 Zuschauer auf die Königin der Berge.

«Ob ich die Maximalnote erhalten habe, spielt mir keine Rolle», sagte Nick Alpiger nach seinem Plattwurf gegen den «Eidgenossen» René Suppiger. Doch plötzlich spielte die Bewertung eine grosse Rolle. Bruno Nötzli, der klare Leader ab Wettkampfhälfte, verletzte sich im Schlussgang nach sechseinhalb Minuten gegen Joel Wicki und konnte nicht mehr weiterschwingen. Wohl hatte Alpiger die 10,00 Punkte erhalten, das Einteilungsgericht wählte trotzdem Sven Schurtenberger als neuen Gegner für Wicki, hätte aber nebst Alpiger auch den punktgleichen Daniel Bösch berücksichtigen können.

Das Drama nahm seinen Lauf. Schurtenberger zog sich, frisch geduscht, wieder um und stellte sich unbeeindruckt von der seltsamen Situation Wicki mit voller Kraft entgegen. Nach 100 Sekunden folgte der nächste Schreck für die 4000 Zuschauer in der Naturarena. Der Ersatzmann wuchtete Joel Wicki wuchtig übers Knie, wobei sich der Entlebucher elf Monate nach seinem komplizierten Beinbruch auf der Schwägalp erneut schwer verletzte. Die Schwingerfreunde fühlten sich wie nach dem Aufwachen aus einem schlimmen Traum und spendeten irritiert, ja traumatisiert Applaus. So hatte sich das Ende des sportlich hochstehenden Bergschwingfestes niemand vorgestellt.

Drei Nordwestschweizer Kränze

Weil Schurtenberger reglementsgemäss einen Viertelpunkt gutgeschrieben erhielt, gewann er das Fest vor Alpiger und Bösch. «Ich habe zu keinem Zeitpunkt über den Festsieg nachgedacht», erklärte Alpiger nach dem schicksalhaften Ausgang. Das Einteilungsgericht habe Schurtenberger ausgewählt. «Das muss ich so akzeptieren.»

Alpiger haderte nicht mit dem fehlenden Viertelpunkt, sondern freute sich über seine Tagesleistung. Mit seinem abschliessenden Sieg über René Suppiger bewies er, dass inzwischen auch an Bergkranzfesten ein sicherer Wert für den Nordwestschweizer Teilverband ist.

Bruno Gisler war zweitbester Nordwestschweizer. Im sechsten Gang hatte er Schurtenberger einen «Gestellten» abgetrotzt, der für beide Schwinger die Note 9,00 ergab. Der 34-jährige Solothurner gewann seinen 122. Kranz. Sein 92. Eichenlaub ergatterte Christoph Bieri. Dem Ostaargauer genügten drei Siege und drei Unentschieden, darunter jenem zum Auftakt gegen Wicki. Den sichergeglaubten 98. Kranz verfehlte Mario Thürig. Der Aargauer setzte seinen Wyberhaken-Angriff gegen Aussenseiter Armin Reichmuth zu wenig entschlossen an und wurde jäh ausgekontert.

Am Vormittag hatte sich die Ausgangslage für die Nordwestschweizer noch besser präsentiert. Vor allem die jungen Freiämter Andreas und Lukas Döbeli sorgten für Aufsehen. Der 19-jährige Andreas besiegte im zweiten Gang den siebenfachen «Eidgenossen» und Unspunnen-Sieger Martin Grab, der 17-jährige Lukas liess sich vom Innerschweizer Festsieger vor einer Woche, Marcel Mathis, nicht auf den Rücken legen. Am Nachmittag bezahlten die beiden Talente Lehrgeld und fielen aus den Spitzenrängen. Doch die Zukunft gehört ihnen und dem 20-jährigen Nick Alpiger.

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