Biathlon
Benjamin Weger wartet geduldig, bis der Fisch anbeisst

Der Schweizer Biathlet Benjamin Weger hat gelernt, dass sich der Erfolg nicht erzwingen lässt. Vor der neuen Saison ist ihm der Ehrgeiz zwar nicht abhanden gekommen, doch es dominiert die Lockerheit.

Simon Steiner
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Benjamin Weger Biathlon
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Er gehört zu den schnellsten Langläufern in der Loipe.
Weger am Schiessstand beim Liegendanschlag.
Weger im Stehend-Anschlag.
Der Hobby-Angler ist vor der neuen Saison optimistisch.

Benjamin Weger Biathlon

KEYSTONE

Benjamin Weger war verwöhnt, das weiss er heute. In seiner sportlichen Karriere ging es lange stetig aufwärts, der Erfolg schien ihm in den Schoss zu fallen. Er war noch Junior, als er 2010 in Vancouver bereits an den Olympischen Spielen starten durfte. Er stand im ersten Elitejahr, als er in der folgenden Saison erstmals aufs Weltcuppodest stürmte. Und im zweiten Jahr, als er dreimal aufs Podest lief und endgültig an der Weltspitze angekommen schien.

Das Warten dauert an

«Für mich war klar, dass ich im folgenden Winter mein erstes Weltcuprennen gewinnen würde», blickt Weger zurück. «Alle erwarteten es, ich auch.» Es sollte anders kommen. Im Sommer geriet er ins Übertraining, im Winter lief nichts mehr. In der Olympiasaison 2013/14 dann wurde er mehrmals krank und erreichte wieder nicht das erhoffte Niveau. Anstatt Weger, der dafür prädestiniert schien, war es Teamkollegin Selina Gasparin, die für die ersten Schweizer Siege im Biathlon-Weltcup sorgte und in Sotschi eine Medaille gewann.

Auf den ersten Weltcupsieg wartet Weger noch immer, obwohl ihm im vergangenen Winter die Rückkehr an die Weltspitze gelang. Dabei verpasste er das Podest zwar mehrmals knapp, erreichte aber niveaumässig dennoch eine neue Stufe. «Die letzte Saison war leistungsmässig meine bisher beste, auch wenn es nie ganz aufs Podest reichte», sagt er. In der Krise hat der 26-jährige Walliser den Erfolg erst richtig schätzen gelernt. «Erst jetzt weiss ich, was es dazu alles braucht.»

Die neue Lockerheit

Der Ehrgeiz ist Weger nicht abhanden-gekommen, und das Selbstvertrauen ist wieder da. «Ich bin überzeugt, dass viel drinliegt, wenn einmal alles zusammenpasst», sagt er vor dem Start in die neue Saison, die morgen im schwedischen Östersund beginnt. Gleichzeitig hat er gelernt, dass sich Topresultate gerade in einer so komplexen Sportart wie Biathlon nicht erzwingen lassen. «Ich gehe lockerer ans Werk als früher», sagt er. «Wenn ich in einem Wettkampf einmal alles auf den Punkt bringe, gehe ich auch zufrieden ins Bett, wenn es nicht für einen Podestplatz gereicht hat. Und wenn ich mal einen schlechten Tag erwische, geht die Welt deswegen nicht unter.»

Die Zuversicht vor der Saison schöpft Weger auch aus dem Sommertraining, das nach Plan verlief. Nachdem er letzten Winter in der Loipe regelmässig zu den Schnellsten gehörte, verfolgte er im Ausdauerbereich jenen Weg weiter, den er in den letzten beiden Jahren eingeschlagen hat. Statt wie früher auf mittlere Intensitäten setzt er heute auf eine Kombination von Trainingseinheiten im tieferen und im hochintensiven Bereich. Daneben feilte der Profisportler mit Teilzeitanstellung als Zeitsoldat an technischen Details. Neue Inputs brachte etwa der neue Assistenztrainer im Langlaufbereich oder die punktuelle Zusammenarbeit mit einem Schiesscoach.

Die Forelle auf dem Oberarm

Wenn er einmal eine Pause vom Sport braucht, dann findet er seine Ruhe bei seinem Hobby, dem Fliegenfischen. «An einem Tag an einem Bergsee oder einem Bach komme ich mit mir ins Reine», sagt Weger, der auf dem rechten Oberarm eine tätowierte Bachforelle trägt. Am Wasser hat Weger die Geduld, die man auch als Biathlet braucht, wie er in den letzten Jahren gemerkt hat. Irgendwann wird ihm auch der erste Weltcupsieg an die Angel gehen.

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