Gerade einmal vier Monate ist es her, da hatte Belinda Bencic im grössten Interviewsaal in Flushing Meadows gesessen und der internationalen Presse ausführlich erklärt, was ihr der Einzug ins Viertelfinale der US Open bedeuten würde.

Die 17-Jährige wurde zur Newcomerin der letzten Saison gekürt, sie preschte bis auf Rang 34 in der Welt vor und alle Experten wurden nicht müde, ihr eine grosse Zukunft zu weissagen. Nun sass Bencic nun in den Katakomben der Rod-Laver-Arena, in einem sehr kleinen Interviewraum und suchte nach Erklärungen. Nach Gründen für die glatte 2:6 und 1:6-Niederlage gegen die Deutsche Julia Görges in der ersten Runde der Australian Open.

Kaum Rückschläge

«Es kann nicht immer aufwärtsgehen», sagte Bencic. Doch so abgeklärt, wie sie gerne erscheinen wollte, wirkte sie dabei nicht. Sie kämpfte gegen die aufsteigenden Tränen an. Diese Niederlage tat ihr weh, natürlich.

Dafür ist dieser Teenager aus Uzwil einfach viel zu ehrgeizig. Gewinnen ist für Bencic als erfolgreiche Junior-Spielerin fast schon normal gewesen, echte Rückschläge kannte sie bisher kaum. Diese Niederlage in der zweitgrössten Arena des Melbourne Parks war jedoch einer.

«Es ist nicht das Ende der Welt», fügte sie fast ein bisschen trotzig hinzu, «ich weiss, was ich kann. Ich habe es hier nur einfach nicht gezeigt.» Beim Vorbereitungsturnier in Sydney tat es Bencic auch nicht, dort unterlag sie der an Nummer 187 geführten Russin Daria Gawrilowa ebenfalls deutlich mit 3:6 und 0:6. «Ich habe jetzt halt zwei Spiele verloren – aber es ist erst der Anfang der Saison», betonte Bencic.

Görges als knifflige Gegnerin

Sie habe sie gut auf die Saison vorbereitet, erklärte sie, sowohl in der Schweiz als auch in Florida und im Training vor Beginn der Open habe sie sich eigentlich auch gut gefühlt. «Aber die Erwartungshaltung ist jetzt sehr gross», sagte Bencic und beschrieb damit ihr eigenes Dilemma am besten.

Sie ist extrem jung, vieles ist immer noch neu für sie und der Aufstieg ging rasant schnell. Und zum ersten Mal gehörte sie bei einem Grand Slam zu den Gesetzten. «Ich habe auch noch viel weniger Erfahrung, als die anderen», fügte Bencic an. Rückschläge sind da völlig normal.

Doch diese Tatsache zu kennen und sie auch hinzunehmen, sind eben zwei Paar Schuhe. Und Bencic kämpfte gestern darum, diese schmerzliche Niederlage hinzunehmen. Es fiel ihr sichtlich schwer. Dennoch sollte sie trösten, dass sie mit Görges eine kaum kniffligere Gegnerin hätte zugelost bekommen können.

Denn die 26-Jährige ist nach zwei durchwachsenen Jahren derzeit wieder ambitioniert, sich zurück unter die Top 15 zu kämpfen. Und ihr druckvolles und taktisch kluges Spiel liegt Bencic überhaupt nicht.

Vögeles aufsteigende Form

Stefanie Vögele zeigte sich beim Auftakt in Melbourne in aufsteigender Form, wie der letztendlich ungefährdete 6:1, 3:6, 6:2-Sieg nach anderthalb Stunden über die Französin Pauline Parmentier bewies. Das tut der 24-jährigen Aargauerin besonders gut, denn sie hat nicht nur sportlich, besonders persönlich eine sehr schwere Zeit durchgemacht hat.

Das ist ihr deutlich anzumerken. Selbst das Sprechen scheint sie Kraft zu kosten. Im September war ihr Vater Bruno verstorben, nach über einem Jahr schwerer Krankheit.

Es ist ein schwerer Schlag für die Aargauerin und ihre Familie gewesen, und Vögele scheint sich langsam ins Leben zurückzutasten. «Ich bin jetzt froh über jedes gewonnene Match, das gibt mir Rhythmus», sagte sie. Am Mittwoch bekommt sie gegen die Französin Caroline Garcia die Chance auf einen weiteren Schritt.