Schwingen
Bemerkenswerte Bescheidenheit in Zeiten der TV-Gier

Kein Pokerspiel um die lukrativen TV-Rechte im Schwingen. Die Schwinger verlängern den Vertrag mit dem staatstragenden Schweizer Fernsehen SRF zum bisherigen Betrag von 130 000 Franken pro Jahr.

Klaus Zaugg
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Der eidgenössische Obmann Paul Vogel (l.) ist stolz auf die ehrenamtliche Arbeit seiner Schwingerkollegen- und Kolleginnen.

Der eidgenössische Obmann Paul Vogel (l.) ist stolz auf die ehrenamtliche Arbeit seiner Schwingerkollegen- und Kolleginnen.

Keystone

Es ist mit ziemlicher Sicherheit der beste TV-Deal der Welt. Das Eidgenössische Schwingfest ist nämlich ein TV-Hit, den das Schweizer Fernsehen SRF praktisch zum Nulltarif bekommt. Pro Jahr kostet der Globalvertrag mit dem Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) bloss 130 000 Franken. Für dieses Geld bekommt das nationale Fernsehen die Live-Rechte für alle offiziellen Schwingfeste (also auch vom «Eidgenössischen» und vom Unspunnen) und kann diese gegen Gebühr nach Belieben an lokale TV-Stationen für einzelne Feste überlassen. Es dürfte sich dabei um den weltweit besten TV-Deal handeln.

Bisher ist der TV-Vertrag jeweils für drei Jahre von einem «Eidgenössischen» zum nächsten abgeschlossen worden und ist deshalb nach Estavayer 2016 ausgelaufen. Das SRF tendiert in diesen unsicheren medialen Zeiten mit einem neuen Sechsjahresvertrag bis 2022 auf Stabilität. Paul Vogel, als ESV-Obmann der ranghöchste Schwingerfunktionär, bestätigt die grundsätzliche Einigung in den laufenden Verhandlungen und macht eine bemerkenswerte Aussage: «Die finanzielle Entschädigung bleibt im neuen Vertrag gleich.»

Also nicht mehr TV-Geld für die Schwinger und die Rechte gehen wieder an das öffentlich-rechtliche Fernsehen und nicht an eine der privaten TV-Stationen. Wahrlich, eine bemerkenswerte Stimme der Bescheidenheit und Vernunft des erfolgreichen 58-jährigen Unternehmers (Holzindustrie) – und das in Zeiten der Gier im TV-Business. «Bei uns wird sehr viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Wir brauchen nicht mehr Geld», sagt Paul Vogel. Das Fernsehen sei ein Partner und deshalb sei eine Erhöhung der finanziellen Entschädigung gar kein Thema.

Diese Vernunft ist umso bemerkenswerter, weil das Schwingen in der Deutschschweiz fürs Fernsehen so attraktiv geworden ist, dass die bisherige Entschädigung von 130 000 Franken wohl auf mindestens eine halbe Million pro Jahr hochgepokert werden könnte. Zumal inzwischen auch private TV-Stationen in der Lage sind, die Schwingfeste übertragen zu können.

Paul Vogel, der kluge Schwinger-Diplomat aus dem luzernischen Sigigen bei Ruswil sagt, es gehe nach der grundsätzlichen Einigung nun noch darum, die Rahmenbedingungen und die Länge des neuen TV-Vertrages auszuarbeiten. «Wir werten die Erfahrungen des letzten «Eidgenössischen» aus und sind auch mit den Organisatoren des nächsten «Eidgenössischen» in Zug im Gespräch.» Dabei geht es unter anderem auch darum, wer die TV-Produktionskosten im sechsstelligen Bereich für das «Eidgenössische» 2019 in Zug übernimmt.

2019: Zankapfel Produktionskosten

Der ESV organisiert das Fest nicht selber. Er vergibt die Austragung an seine Teilverbände. Die wiederum übertragen die Organisation einem lokalen Organisationskomitee. Dieses konstituiert sich jeweils als juristische Person und organisiert das Fest. Die Organisatoren müssen das 30-Millionen-Budget selber stemmen und Sponsoren suchen.

16 Prozent der Ticketeinnahmen kassiert der ESV. Das Fernsehen hat im bisherigen Vertrag einen Teil der Produktionskosten dem ESV zugeschoben – der ESV belastete diesen Aufwand bisher dem Festorganisator. Damit sind die Zuger, die 2019 unter OK-Präsident Heinz Tännler das nächste «Eidgenössische» organisieren, nicht ganz einverstanden.