Tennis

Belinda Bencic zum Scharapowa-Comeback: «Ohne Meldonium vielleicht schlechter»

Belinda Bencic äussert sich diplomatisch zur Causa Scharapowa.

Belinda Bencic äussert sich diplomatisch zur Causa Scharapowa.

Vor 92 Tagen gewinnt Maria Scharapowa gegen Belinda Bencic ihr letztes Spiel. Wenig später wird sie des Dopings überführt. Heute kehrt die Russin in den Tennis-Zirkus zurück.

Montag, 25. Januar. Schauplatz: Rod Laver Arena in Melbourne. Bühne: Viertelfinal der Australian Open. Maria Scharapowa gegen Serena Williams. Vor 91 Tagen steht die Russin letztmals wettkampfmässig auf einem Tennisplatz. Später kommt aus, dass sie während des Grand-Slam-Turniers positiv auf das Herz-Kreislauf-Medikament Meldonium getestet worden war. Am 7. März wählt sie die Flucht nach vorne und gibt in Los Angeles eine Medienkonferenz.

Ihren letzten Sieg hatte Scharapowa vor 92 Tagen feiern können. Gegen die Schweizerin Belinda Bencic, in den Achtelfinals der Australian Open. In Schutz nimmt sie die Russin im März 2016 nicht. «Wir alle haben diese E-Mail (von der WADA, Anm. d. Red.) erhalten. Bevor ich etwas nehme, checke ich immer ab, was auf der Liste der verbotenen Substanzen steht», sagt sie im letzten März, als Scharapowas Fall noch nicht letztinstanzlich entschieden ist. 

Bencic letztes Scharapowa-Opfer

Auch in der Folge äussert sich die Ostschweizerin betont diplomatisch, jüngst auch im Interview mit der «Aargauer Zeitung»: «Es ist klar, dass alle Turniere ihr jetzt eine Wildcard geben wollen. Es ist nicht an mir, das zu beurteilen.» Und doch erlaubt sie sich einen nicht ganz ernst gemeinten Seitenhieb: «Vielleicht spielt sie ohne Meldonium ja schlechter.» Zum Strafmass äussert sich Bencic nicht, schliesslich ist ihre Karriere selbst ins Stocken geraten.

Beim Duell mit Scharapowa steht sie noch an der Schwelle zu den Top Ten der Weltrangliste und zählt in Melbourne sogar zum erweiterten Kreis der Anwärterinnen auf den Turniersieg. «Belinda wird uns dereinst ablösen, aber zum Glück noch nicht heute», ist Scharapowa nach dem Erfolg gegen Bencic voll des Lobes. «Ich habe gezeigt, dass ich noch näher an den Top-Spielerinnen dran bin und nur noch Details entscheiden», sagt die Ostschweizerin selber. 

Maria Scharapowa sieht sich heftiger Kritik der Konkurrenz ausgesetzt.

Maria Scharapowa sieht sich heftiger Kritik der Konkurrenz ausgesetzt.

Inzwischen ist sie nur noch die Nummer 126 der Weltrangliste. Auch ihre Karriere hat im letzten Jahr einen Knick erhalten. Scharapowa wird am 8. Juni letzten Jahres rückwirkend für zwei Jahre gesperrt. Die Russin legt am Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung ein, worauf die Sperre auf 15 Monate reduziert wird. Sie anerkennt eine Teilschuld, kämpft aber bis heute um ihren Ruf. Der Tennisweltverband ITF informiere die Athleten schlecht.

Von der Konkurrenz wird die unbeliebte Scharapowa mit beissender Kritik eingedeckt. Arrogant, kalt, unsympathisch - so lautet der Tenor. Die Russin selber lässt das kalt: «Was andere denken, ist mein kleinstes Problem. Ich trage eine Rüstung, seit ich ein Kind war - mein ganzes Leben lang.» Dass sie für Stuttgart, Madrid und Rom jeweils dank einer Wildcard Aufnahme im Hauptfeld erhält, empfinden viele als Affront gegenüber Talenten.

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