Am Donnerstag war die Welt für Jessica Diacci noch in Ordnung. Zumindest nach aussen hin. In Biel wurde sie offiziell als Teammitglied der Schweizer Delegation für die Kunstturn-Weltmeisterschaften in China (3. bis 12. Oktober) vorgestellt.

Keine 24 Stunden später war Diacci nicht mehr im Kader. Der Medienmitteilung des Schweizerischen Turnverbands war zu entnehmen: «Jessica Diacci (STV Obersiggenthal) wird entgegen der Selektion nun doch nicht an den Weltmeisterschaften in Nanning teilnehmen. Für sie rutscht Nadia Mülhauser (SVKT Wünnewil) ins Frauen-Team nach.

Als Grund für den Tausch nennen Cheftrainer Zoltan Jordanov und STV-Spitzensportchef Felix Stingelin den Leistungseinbruch von Jessica Diacci in den letzten zwei Wochen. Gemäss Selektions- und Vorbereitungskonzept ist es möglich, eine WM-Turnerin zu ersetzen, wenn ein Formabfall festgestellt wird.»

Sturz als Ursache

«Ich kann den Entscheid des Trainers nachvollziehen, aber für mich ist es eine grosse Enttäuschung», sagt die 20-Jährige. Grund für die Nicht-Berücksichtigung: Vor einer Woche war Diacci bei den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften beim Abgang vom Balken auf den Kopf gestürzt. Die Muskulatur war gestaucht, Diacci litt unter Schwindel.

«Nichts dramatisches», sagt die zweifache WM-Teilnehmerin, «aber ich war eingeschränkt, konnte nicht trainieren.» Am Tag nach der Teampräsentation sasses die Verantwortlichen mit Diacci zusammen. Man kam zu Schluss, dass die Aargauerin Zeit benötigt, um die Verletzung auszukurieren.

Seltsamer Zeitpunkt

Felix Stingelin, Spitzensportchef des Schweizerischen Turnverbands, räumt ein, dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe «unglücklich» war. Der Ablauf sei wegen Überschneidungen nicht anders möglich gewesen. Nach Diaccis Sturz habe man nochmals über die Bücher gemusst. «Da war die Teampräsentation bereits angesetzt», führt Stingelin aus.

Erst am Freitag sei man endgültig zum Schluss gekommen, dass Diacci in der aktuellen Form «eine Unsicherheit und eine grosse Belastung für das Team» ist.

Die Leidenschaft am Turnen will sich Diacci indes nicht nehmen lassen. Sie ist überzeugt, «dass es kein Entscheid gegen mich ist». Sie will die unglückliche Saison möglichst schnell abhaken und wieder zum normalen Trainingsalltag zurückfinden.