Sportpolitik
Beim Geld hört die Freundschaft auf – keine zusätzliche Unterstützung für den Leistungssport

Der Bundesrat will für den Leistungssport kein zusätzliches Geld sprechen. Nun herrscht zwischen dem Bundesamt für Sport (Baspo) und Swiss Olympic ein Verteilkampf.

Rainer Sommerhalder
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Mujinga Kambundji mit Nachwuchssportlern: Der Schweizer Sport fordert mehr Geld vom Bundesrat.

Mujinga Kambundji mit Nachwuchssportlern: Der Schweizer Sport fordert mehr Geld vom Bundesrat.

Keystone

Es sind Brüder im Geiste. Nur weil der privatrechtlich (Swiss Olympic) und der staatlich (Baspo) orchestrierte Sport den Weg in der Schweiz gemeinsam gehen, werden Erfolge an Grossanlässen möglich. Eine internationale Studie attestiert dem Schweizer Sport eine überdurchschnittliche Qualität bei der Trainerausbildung und bei der Talenterfassung und -förderung.

Die gleiche Studie sieht indes Aufholbedarf bei der Infrastruktur (Sportstätten) und vor allem bei der Finanzierung des Leistungssports. Vergleichbare Nationen in der Nachbarschaft wie Österreich, Holland oder Norwegen schrauben ihre staatliche Sportförderung massiv in die Höhe. Deshalb forderte der Schweizer Sport vom Bund für die Zeitspanne bis 2023 rund eine Milliarde Franken, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Bundesrat strich den Betrag in seiner Botschaft ans Parlament auf magere 225 Mio. Franken zusammen.

Die Tatsache, dass diese Mittel im Verhältnis 225:0 ans Baspo gehen sollen, liess bei Swiss Olympic die Alarmglocken läuten. Die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände zeigte sich entsetzt darüber, dass der Bundesrat dem Leistungssport jegliche zusätzliche Unterstützung verweigert. Er fordert vom Bund zusätzliche 15 Millionen pro Jahr. Der Protest erfolgte mit markigen Worten und hallte auch in Richtung Baspo. Der Vorwurf: Man habe sich beim Bundesrat zu wenig für den Leistungssport eingesetzt.

Baspo-Direktor Matthias Remund wies die Kritik an einem Streitgespräch anlässlich des «Sport.Forum.Schweiz» in Luzern von sich. Er kreuzte die verbale Klinge mit Ralph Stöckli, Chef Leistungssport von Swiss Olympic. Dessen Verband müsse sich an der eigenen Nase nehmen, weil man die Lobbyarbeit sträflich vernachlässigt habe. «Man muss der Politik den Nutzen des Leistungssports wirkungsvoll erklären», verlangte Remund und wies darauf hin, dass auch das Baspo beträchtliche Mittel in den Spitzensport investiere, etwa bei der Bereitstellung von Dienstleistungen und Infrastruktur. Die Ausgaben des Baspo für den Leistungssport seien seit 2008 von 32 Mio. auf 49 Mio. Franken erhöht worden.

«Was nützen uns Sportstätten, wenn die Athleten fehlen», fragte Stöckli zurück. Stöckli gab zu, dass man tatsächlich politisch zu wenig formiert sei und «zu wenig Verständnis vorhanden ist, wie man lobbyiert». Aber er sagte auch: «Der Leistungssport ist für unsere Gesellschaft ein grosser Gewinn. Wir wollen vermeiden, dass die Politik erst reagiert, wenn der Erfolg ausbleibt.» Deshalb müsse das Parlament in der Debatte im Frühjahr bestenfalls mehr Geld sprechen oder zumindest das Verhältnis von 225:0 Millionen korrigieren. Dabei helfen soll der neue Präsident von Swiss Olympic, der am 25. November gewählt wird. Im Viererfeld der Kandidaten aus der Poleposition startet SVP-Nationalrat Jürg Stahl. Als Präsident der parlamentarischen Gruppe Sport und designierter Nationalratspräsident 2017 wäre Stahl perfekt positioniert für die nötige Überzeugungsarbeit.

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