Super League
Beim FC Basel ist die Warmlaufphase beendet - Viele Fragen bleiben

Bevor es für den FC Basel in der Champions League losgeht, steigt am Sonntag im St. Jakob-Park das Duell gegen die Young Boys. Ein Augenschein bei Trainer Paulo Sousa.

Sebastian Wendel
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Wo steht der FCB? Auf Paulo Sousa und sein Team warten den ersten, ernsthaften Bewährungen.

Wo steht der FCB? Auf Paulo Sousa und sein Team warten den ersten, ernsthaften Bewährungen.

Paulo Sousa ist ein feinfühliger und respektvoller Mensch. Am Morgen, nachdem sein FC Basel in die Champions-League-Gruppe mit Real Madrid und Liverpool gelost wurde, sagte er: «Bevor wir beginnen, möchte ich meinen Kollegen Uli (Forte; d. Red.) und Urs (Meier; d. Red.) gratulieren. Dass sich YB und Zürich für die Europa League qualifiziert haben, ist fantastisch für den Schweizer Fussball.»

Gewiefter Taktiker

Paulo Sousa ist genauso ein knallharter und berechnender Mensch, der alles dem Erfolg unterordnet. Vordergründig schmiert er den Bernern und Zürchern Honig ums Maul – im Wissen, dass YB und der FCZ englische Wochen nicht gewohnt sind. Dass in der Schweiz nur der FCB die Doppelbelastung Super League/Europacup schadlos übersteht, hat die Vergangenheit zu genüge gezeigt.

Und Sousa weiss, dass es noch einige Monate dauern wird, bis seine Mannschaft den von ihm begonnenen Prozess verinnerlicht hat. Da ist es nur förderlich, dass die zwei grössten Meisterschaftskonkurrenten im Herbst vor allem damit beschäftigt sein werden, den Spagat zwischen Super League und Europa League einigermassen schadlos zu meistern.

In jedem Spiel bisher ein Blackout

Mit dem Heimspiel gegen die Young Boys endet für den FCB und seinen neuen Trainer die Warmlaufphase. Eine Phase, in der Paulo Sousa viel rotiert, taktische Varianten ausprobiert und sich so ein ausführliches Bild über sein Luxuskader gemacht hat. Bis auf den Ausrutscher gegen St. Gallen (0:2) ist es resultatmässig aufgegangen – abgesehen davon haben die Auftritte jedoch viele Fragen hinterlassen.

Die drängendste: Wie ist es möglich, dass in jedem der bisher sechs Meisterschaftsspiele ein imaginärer Blitz eingeschlagen und das FCB-Gebilde für 20 Minuten lahmgelegt hat?

Die Antwort darauf hat keiner der Direktbeteiligten, von allen Seiten heisst es lediglich: «Das müssen wir so schnell wie möglich abstellen.» Am 16. September beginnt die Champions League für Rot-Blau gleich mit dem schwierigsten aller sechs Gruppenspiele – mit dem Gastspiel in Madrid.

Fehlende Stabilität

Sousa weiss, dass seine Mannschaft noch nicht stabil genug ist, um gegen die Weltauswahl der Spanier bestehen zu können. Weil am Montag 13 Spieler zu ihren Nationalmannschaften reisen, bleibt ihm nur noch die Partie gegen YB, um an den lecken Stellen zu schrauben. Gut möglich, dass heute jene Mannschaft in den St. Jakob-Park einläuft, mit der Sousa für das Real-Spiel plant.

Seine Mannschaft hat er nach gut zwei Monaten noch nicht da, wo er sie haben will. Privat aber ist Paulo Sousa mittlerweile in Basel angekommen. Kommende Woche zieht er mit seiner Frau und den Hunden endlich in die eigenen vier Wände. Bis jetzt hat die Arbeit einen Umzug nicht zugelassen, hat Sousa jeden Tag auf dem Trainingsplatz, in einem Stadion oder in seinem Büro im St. Jakob-Park verbracht – immer auf der Suche nach dem Rezept für das perfekte Spiel.