Skispringen

Bei Simon Ammann geht's in ganz kleinen Schritten voran

Das Abklatschen bei den einheimischen Fans hat Simon Ammann schon mehr Spass gemacht als in dieser Saison. keystone

Das Abklatschen bei den einheimischen Fans hat Simon Ammann schon mehr Spass gemacht als in dieser Saison. keystone

Auch in Engelberg läuft es bei Simon Ammann nicht nach Wunsch. Zu seiner alten Stärke hat er weiterhin noch nicht gefunden. Immerhin kann er sich über eines freuen: es geht voran, wenn auch nur minimal.

So leicht lässt sich Simon Ammann das Skispringen nicht vergällen. «Ich freue mich auf die Vierschanzentournee», versicherte der Toggenburger, nachdem er auch im zweiten Engelberger Weltcupspringen keine klare Aufwärtstendenz hatte erkennen lassen. Wohl tauchte er in der Rangliste nach dem 21. Platz vom Vortag nun als 14. auf. Und wohl schloss er das Wochenende mit dem besten Wettkampfsprung der letzten Tage ab. Den Ansprüchen eines vierfachen Olympiasiegers genügen solche Ergebnisse aber selbstredend nicht.

«Ich musste damit rechnen, dass ich bis Engelberg nicht zur Topform finden würde», erklärte Ammann seine erstaunliche Lockerheit nach dem neuerlichen Dämpfer. Nach der fundamentalen technischen Umstellung von Landeanflug und Aufsprung hat der 34-Jährige auf der Schanze noch nicht zu jener Selbstverständlichkeit gefunden, welche als Basis für Topresultate unverzichtbar ist.

Mit den Landeproblemen allein lassen sich die mässigen Ergebnisse nicht erklären. «Der Sprung muss wie aus einem Guss kommen», erklärte Ammann. «Wenn das der Fall ist, kann ich auch bei der Landung Fortschritte machen.» Das ging in Engelberg nur bedingt auf. Nachdem Ammann am Samstag etwas übermotiviert ans Werk gegangen war und bereits beim Absprung gepatzt hatte, gehörte er gestern zu jenen Athleten, die bei starkem Rückenwind antreten mussten und daher von Beginn weg chancenlos waren. Weil die Jury mit der Verlängerung des Anlaufs viel zu lange zuwartete, musste Ammann gar froh sein, dass er es als 29. im Zwischenklassement noch in den Final schaffte, wo er sich um ganze 15 Positionen verbessern konnte.

Die minimale Andeutung einer Telemark-Landung, die ihm gestern gelang, kann deshalb symbolhaft für Ammanns gegenwärtigen Weg betrachtet werden: Es geht in kleinen Schritten voran. Festhalten kann sich Ammann dabei an der Gewissheit, dass er rein fliegerisch den Vergleich mit den weltbesten Athleten nach wie vor nicht scheuen muss. «Ich arbeite weiter daran, dass einmal alles zusammenpasst», sagte er. «Das ist jedes Jahr eine Herausforderung. Diesmal dauert es halt etwas länger.»

Prevc mit ewigem Schanzenrekord

Anders als noch vor einer Woche konnte Gregor Deschwanden nicht für Ammann in die Bresche springen. In Nischni Tagil hatte der Luzerner als Siebter sein bisher bestes Karriereresultat erreicht. Gestern verpasste er nach Rang 30 am Vortag gar die Finalqualifikation. «Ich habe beim Absprung viel riskiert – und verloren», sagte Deschwanden, der mit der Schanze in Engelberg noch nie gut zurechtkam. «Ich nehme dieses Resultat deshalb nicht als Gradmesser für meinen Formstand.» Trösten kann sich Deschwanden durch die Aussicht, nicht mehr auf dieser Anlage springen zu müssen. Die Titlisschanze soll im kommenden Sommer für knapp drei Millionen Franken modernisiert werden.

Für einen würdigen Schlusspunkt einer Ära sorgte Peter Prevc. Der Slowene nutzte den allerletzten Weltcupsprung auf dem alten Bakken zu einem Schanzenrekord für die Ewigkeit. Mit seinem Flug auf 142 Meter übertraf Prevc die bisherige Bestweite, die Simon Ammann gemeinsam mit drei weiteren Athleten gehalten hatte, um einen Meter.

Mit seinem Rekordsprung stellte Prevc in beeindruckender Weise seinen dritten Weltcupsieg in Serie sicher, den neunten insgesamt. Der 23-Jährige untermauerte damit seine Stellung als dominierender Skispringer der Gegenwart. In den bisherigen Weltcupspringen des Winters landete Prevc in der Rangliste nur einmal nicht unter den zwei Besten. Damit führt er auch im Gesamtweltcup, den er letzte Saison aufgrund der geringeren Anzahl Siege dem punktgleichen Deutschen Severin Freund überlassen musste, klar. Prevc steigt nach Weihnachten als Topfavorit in die Vierschanzentournee – im Bewusstsein, dass diese Rolle in der Vergangenheit beim Traditionsanlass schon manchem Springer zum Verhängnis geworden ist.

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