GC will Ruhe. Wenigstens in den Tagen vor dem 270. Derby gegen den FC Zürich soll das Chaos in der Führungsetage ausgeblendet werden und sich die Aufmerksamkeit der Angestellten voll und ganz den Nebenschauplatz «Fussball» richten. Deshalb haben der Sportchef, der Trainer und die Kommunikation entschieden, vor diesem Spiel kein Mediengespräch durchzuführen. «Das sieht auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam aus, aber wir wollen damit erreichen, dass bei GC die volle Konzentration auf dem Spiel liegt und nicht über etwas anderes geredet wird», sagt Sportchef Mathias Walther.

Murat Yakin hat bei den Grasshoppers derzeit wenig Grund zur Freude

Murat Yakin hat bei den Grasshoppers derzeit wenig Grund zur Freude

Seltsam ist das tatsächlich, selbst wenn das Reglement der Swiss Football League den Vereinen lediglich vorschreibt, nach dem Spiel eine Pressekonferenz durchzuführen, nicht aber im Vorfeld. Dass jedoch ein Trainer wie Murat Yakin vor der mit Spannung erwarteten Partie – rutschen die Hoppers vollends in den Abstiegskampf? – auf Tauchstation gehen kann und den Medien nicht zur Verfügung steht, wäre in einer Liga, in der sich alle Klubs wie Profivereine verhalten, unvorstellbar. Was GC tut, ist ein No-Go.

Nur Fragen zum Derby

Walther stellt sich zwar für Auskünfte zur Verfügung, doch er will ausschliesslich Fragen beantworten, die sich direkt mit dem Derby befassen. Das hört sich dann so an: Herr Walther, ist GC bereit für den Abstiegskampf? Walther: «Das ist nicht das Thema. Wir wollen das Derby gewinnen.» Herr Walther, hat Trainer Yakin recht, wenn er sagt, GC sei noch ein gutes Stück vom Abstiegskampf entfernt? Walther: «Wenn wir das Derby gewinnen, hat er recht.»

Herr Walther, wer wird das Team coachen, falls der Rekurs gegen Yakins Sperre abgelehnt wird? Walther: «Wir gehen davon aus, dass Yakin auf der Bank sitzt.» Dass GC mit Ausnahme von Nedim Bajrami personell aus dem Vollen schöpfen kann und mit Aleksandar Cvetkovic und Trent Sainsbury zwei länger verletzt gewesene Akteure immer besser in Schwung kommen, interessiert angesichts der gröberen Führungsprobleme von GC nur mässig. Genauso wie die Erkenntnis, dass das Team engagiert trainiert habe . . .

Die Sitzung der Besitzer

Was die Fans und die Öffentlichkeit umtreibt, ist die Frage, was gerade und genau in der Klubführung bei GC passiert. Seit drei Monaten sind Stephan Anliker (Präsident), Heinz Spross und Peter Stüber die Besitzer von GC. In der Ausrichtung sind sie sich seither aber nicht einig geworden. Spross sträubt sich nicht gegen den Einfluss von Erich Vogel; im Gegenteil. Anlikerdagegen schon. An einer Sitzung der drei amvergangenen Donnerstag soll Spross seinen Rückzug in den Raum gestellt haben.

Und immer mehr wird auch Yakin zum Thema. Dieser hat sich mit dem fragwürdigen Umbau einer funktionieren Mannschaft in der Winterpause und mit unpassenden Äusserungen über das intellektuelle Niveau einiger Spieler im Zusammenhang mit der Affäre «Vilotic» angreifbar gemacht. «Yakins Stunden sind gezählt», hat der «Tages-Anzeiger» getitelt und auch schon Namen wie Martin Schmidt und Urs Meier als Nachfolger ins Spiel gebracht.

Murat Yakin und den Grasshoppers droht der Abstiegskampf

Murat Yakin und den Grasshoppers droht der Abstiegskampf

Es brodelt also weiter mächtig bei GC. Dazu trägt auch der «Blick» bei, der in dieser Woche die Transferflut mit 41 Mutationen in den vergangenen drei Jahren gegeisselt hatund überdies die Saläre von Superverdiener Lucas Andersen (692 680 Franken, 173 170 Franken pro Tor …) sowie von Murat Yakin (336 810) und Walther (289 535) veröffentlicht hat. Alles sei falsch; falsche Zahlen, falsche Angaben, kam postwendend die Replik aus der GC-Zentrale auf dem Campus. Und Walther weist die Existenz einer Nichtabstiegsprämie in seinem Vertrag ins Reich der Fabeln.

PS: Den FCZ gibt es tatsächlich auch noch. Trainer Ludovic Magnin hat in dieser Woche im Rahmen seiner Ausbildung in Nizza Lucien Favre über die Schultern geschaut und die Trainingsarbeit seinem Assistenten René van Eck überlassen.