YB - FCB
Bei Fanmarsch: Berner Behörden könnten den FCB-Block schliessen

Der FCB spielt heute auswärts gegen YB. Die Basler Fans wollen durch Bern marschieren, was die Stadt nicht erlaubt. Alles wie gehabt? Nicht ganz: Mit dem erweiterten Hooligan-Konkordat kann Bern seit dieser Saison härter durchgreifen.

Moritz Kaufmann
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FCB-Fans marschierten schon öfter durch Bern – hier über die Kornhausbrücke – zum Wankdorf-Stadion. Die Route führt mitten durch die Innenstadt. (Archiv)

FCB-Fans marschierten schon öfter durch Bern – hier über die Kornhausbrücke – zum Wankdorf-Stadion. Die Route führt mitten durch die Innenstadt. (Archiv)

Keystone

Wir wollen es nicht hoffen, aber heute Abend droht der Fussball wieder einmal zur Nebensache zu werden. Um 20 Uhr empfangen die Berner Young Boys den FC Basel. Anlass zur Sorge gibt ein geplanter Fanmarsch der FCB-Fans durch Bern. Die Stadt hat den so genannten «Fanwalk» nicht erlaubt. Der Extra-Zug der SBB fährt nur bis Bahnhof Wankdorf neben dem Stadion und nicht bis zum Hauptbahnhof. Deshalb ruft die Muttenzerkurve – die Fan-Szene des FCB – dazu auf, individuell in die Berner Innenstadt zu reisen, sich dort zu sammeln und gemeinsam zum Stadion Stade de Suisse Wankdorf zu laufen.

Der Aufruf der FCB-Fans, individuell nach Bern zu reisen.

Der Aufruf der FCB-Fans, individuell nach Bern zu reisen.

Kaufmann Moritz

Diese Ausgangslage ist nicht neu. Schon bei früheren Spielen machten FCB-Fans Druck auf die SBB, mit dem Fanzug bis zum Hauptbahnhof zu fahren, um – mehr oder weniger friedlich – durch Bern marschieren zu können. Inzwischen ist im Kanton Bern aber das erweiterte Hooligan-Konkordat in Kraft getreten. Dieses erlaubt es den Behörden, die Durchführung eines Spiels an Bedingungen zu knüpfen. Eine davon ist: «Fanmärsche werden nur noch zwischen dem Bahnhof Wankdorf und dem Stade de Suisse toleriert», wie die Berner Polizei in einer Information an die Fans schreibt.

Wird der Fanblock geschlossen?

Doch was passiert, wenn die FCB-Fans trotzdem marschieren? Gegenüber der Zeitung «Der Bund» verweist der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause auf das Hooligan-Konkordat: «Uns stehen jetzt einige Mittel zur Verfügung, um solche Märsche zu unterbinden.» Zum Beispiel: Den Fanblock geschlossen zu lassen. Eine Spielabsage wäre laut dem CVP-Politiker «die letzte Möglichkeit».

Auf Anfrage der bz gibt sich Nause – der bei Fussballfans äusserst unbeliebt ist – betont diplomatisch. «Ich gehe davon aus, dass das Gros der Fans mit dem Extrazug an den Bahnhof Wankdorf reist.» Aber hat der Sicherheitsdirektor denn noch nichts von den Plänen der Muttenzerkurve gehört? «Logisch rechnet man damit, dass ein Fanwalk stattfinden könnte. Ich will vor dem Spiel aber nicht Öl ins Feuer giessen», kommentiert Nause. Er betont, deswegen vorgestern extra mit FCB-Präsident Bernhard Heusler Kontakt gehabt zu haben. Und er appelliert an die FCB-Supporter, sich an die Regeln zu halten: «Fanmärsche sorgten in der Vergangenheit für grosses Unverständnis bei der Berner Bevölkerung.» Es komme jeweils zu Sachbeschädigungen, Provokationen und Behinderungen des Verkehrs.

Fanzug fährt so oder so

Ein unbewilligter Fanmarsch ist wie eine unbewilligte Demonstration – an sich illegal. Wird Bern dies zu verhindern versuchen oder schliesslich doch dulden? Die Kantonspolizei will sich dazu nicht äussern. Ein Sprecher lässt lediglich ausrichten: «Wir hoffen auf ein friedliches Fussballspiel. Wir werden mit einem entsprechenden Dispositiv präsent sein.»

SBB-Mediensprecher Christian Ginsig erklärt, dass man keinen Fan daran hindern könne, den regulären Zug anstatt des Fanzugs zu nehmen. Wenn FCB-Anhänger also individuell per Zug in die Hauptstadt reisen wollen, können sie das. Ginsig betont allerdings: «Die vergünstigten Billette gelten nur für den Extrazug.» Die Spezialtickets für den Fanzug seien in den normalen Verbindungen nicht gültig. Der Extrazug werde auf jeden Fall fahren, unabhängig davon, ob die Fans ihn boykottieren oder nicht. Der Sprecher macht aber klar: «Der Zug fährt bis Bern Wankdorf. Eine Weiterfahrt des Extrazuges bis Bern Hauptbahnhof ist ausgeschlossen.»

Kontroverse im FCB-Forum

Auch im FCB-Forum im Internet ist das Liga-Spiel von heute Abend ein Thema. «Die Berner Polizei wünscht keinen Fanmarsch, die Muttenzerkurve plant jedoch einen solchen. Bin gespannt», schreibt ein User. Ein anderer meint: «Zum Glück bin ich am Samstag verhindert. Absolut unnötig, jetzt da wieder zu provozieren, auch wenn alles friedlich bleiben sollte.» Doch es gibt auch solche Voten: «Ich hoffe auf 1000 Basler in der Altstadt. Diese Aussagen von Nause sind einmal mehr eine absolute Frechheit!»

Es könnte also einen heissen Spieltag geben. Einmal mehr.