Die umstrittene Davis-Cup-Reform erhitzt die Gemüter weiter. Am Donnerstag meldete die französische Sportzeiung «L'Equipe», dass sich eine Gruppe von «Top-Spielern» weigere, an der im November 2019 in Madrid stattfindenden Final-Woche teilzunehmen. Sie hätten ihren Unmut dem Tennis-Weltverband ITF in einem Brief mitgeteilt. Gerade in Frankreich ist die Unruhe gross. Der inzwischen zurückgetretene Verbandspräsident Bernard Giudicelli hatte sich für die Reform ausgesprochen und damit gegen den Willen seiner Spieler.

Lucas Pouille schrieb danach: «Ihr seid eine Schande für das Tennis. Lasst uns das letzte Jahr geniessen.» Zahlreiche Topspieler haben bereits angekündigt, dass sie dem Davis Cup künftig fernbleiben werden. Unter ihnen auch Alexander Zverev, der sagte: «Lieber mache ich Ferien auf den Malediven, als in Madrid zu spielen.» Von einem Brief wisse er nichts, er gehöre also auch nich zu den Unterzeichnenden. Eine Teilnahme sei weiterhin nicht vorgesehen. Er bleibe bei seiner Haltung gegenüber der Reform, bekräftigte er auch in Basel.

Keine Lösung für das Problem

Bisher äusserst zurückhaltend äusserte sich auch Roger Federer, der seit dem Schweizer Sieg 2014 nur noch einmal im Davis Cup spielte. Er stellt sich auf den Standpunkt, er sei bereits 37 Jahre alt und das neue Format sei eines für die neue Generation. In Basel auf das Schreiben angesprochen sagte er: «Ich weiss nichts davon.» Auch er habe nur durch die Medien davon erfahren. Und er unterstrich noch einmal: «Ich habe immer gesagt, dass ich auch keine Lösung für das Problem habe. Ich weiss nicht, was das Richtige ist für den Davis Cup.»

Es war schon weit nach 22 Uhr. Federer hatte alle möglichen Fragen beantwortet. Nicht alle hatten mit Tennis zu tun. Und die eine oder andere war auch absurd: Ein Privatradio wollte von ihm wissen, welche Frucht er gerne wäre («Ein Apfel will ich nicht sein»). Federer tat das wie immer souverän und mit Geduld. Kaum einer beherrscht das Spiel mit den Medien besser als er. Doch die gleiche Frage am gleichen Abend mehrfach zu beantworten, das widerstrebt auch ihm. «Was willst du von mir hören?», fragte er auf eine Nachfrage zum Davis Cup.

Klarer Standpunkt, klare Meinung

Er sei ein Meinungsführer und müsse sich dazu äussern, sagte der Fragende. Und Federer gab auch hier noch eine Antwort: «Ich verstehe beide Seiten. Was mich überrascht, war, dass man im Spätsommer eine Reform durchwinkt, die bereits für das kommende Jahr Gültigkeit hat.» Sein Standpunkt war klar. Er hatte sich in den letzten Wochen nicht geändert und es gab auch keinen Grund, noch mehr Fragen dazu zu stellen. Ein Romand tat es dennoch. Ob er den Brief denn unterschrieben hätte, wenn er ihn gesehen hätte, wollte er wissen.

Eine hypothetische Frage, denn Federer hatte längst zwei Dinge klar gemacht: Erstens: Er wusste nichts von diesem ominösen Brief. Zweitens: Seine Meinung hatte sich nicht geändert. «Ich habe mich klar geäussert: Setzt mich nicht so unter Druck», sagte er. Es war ein kurzer Moment, in dem Federer die Geduld verloren hatte. Minuten später aber gab er dem gleichen Fragesteller noch Antworten für die Radiostationen in der Romandie. Nachtragend ist Roger Federer nicht. Und geduldig auch: Um 23.00 Uhr gab er noch immer Autogramme.