Analyse

Bei der Modusdebatte in der Super-League fehlt leider der Blick fürs Ganze

Bei der aktuellen Debatte fehlt der Blick für das Ganze.

Bei der aktuellen Debatte fehlt der Blick für das Ganze.

Der Start in die vielversprechende Rückrunde der Fussball-Super-League wird von der Modusdebatte begleitet.

Gut geschlafen, ihr Murmeltiere? Nachdem es in den letzten Jahren im Januar an der Transferfront oft hektisch zugegangen ist, sind diesmal die sechs Wochen Winterpause gespenstisch ruhig verlaufen. Nicht weniger als sechs Klubs haben auf jegliche Zuzüge verzichtet, nur die abstiegsgefährdeten Xamax und Thun reagierten mit je zwei Neuen auf ihre heikle Situation.

Dazu lieh Basel das Talent Van der Werff von Salzburg aus und Sion holte bis zum Saisonende Djourou. Die Gesamteinnahmen der Vereine aus Transfers: 0. Die Ausgaben: 100'000 Franken. Eine wahrlich einmalige Konstellation.

Natürlich sind die Vereine keine Murmeltiere und haben die Winterpause auch nicht verpennt. Man kann die Flaute so interpretieren: Die einen haben ihre Hausaufgaben schon im letzten Jahr erledigt, den anderen fehlt es am Kleingeld für narrensichere Verstärkungen.

Woran es für einmal aber nicht fehlt: an Spannung. Nach jahrelanger Basler Dominanz und zuletzt zwei YB-Alleingängen verspricht die Tabellenkonstellation (YB 38 Punkte, Basel 36 und St.Gallen 35) nun sogar einen Dreikampf um den Titel. Fussballherz, was willst du mehr? Und auch am Ende der Rangliste ist es prickelnd: Kann Thun den Abstieg verhindern?

Ausgerechnet jetzt, wo die Zehnerliga die vielleicht attraktivste Phase ihrer Geschichte erlebt, wird der Spielbetrieb von der Debatte über ein neues Format begleitet. Zumindest bis Mitte März. Dann muss klar sein, mit wie vielen Vereinen und in welchem Modus ab 2021 gespielt wird.

Denn in wenigen Monaten wird der neue Fernsehvertrag ausgeschrieben. Die Liga hofft, den Preis von bisher 50 Millionen Franken pro Saison deutlich zu erhöhen. Was nur möglich ist, wenn die Interessenten wissen, was Sache ist und überzeugt sind, dass die Meisterschaft Spektakel bringt und für Spannung sorgt.

Als 2003 die Zehnerliga eingeführt wurde, hatte sie angesichts der Klubstrukturen und der Anzahl ordentlicher Stadien die richtige Grösse. Sie hat gute Dienste geliefert und ist gerecht. Inzwischen hat sich allerdings einiges getan, selbst wenn Zürich und Aarau noch immer auf ihre Arena warten. Die Überlegungen, die Liga aufzustocken, sind daher legitim. Zumal ihr Krebsgang im Uefa-Ranking kein Plädoyer ist.

Weil die Schweiz aber nicht wie Deutschland oder England 18 oder 20 kompetitive Teams hergibt, muss für ein kleineres Feld ein attraktives Format gefunden werden. Der Modus der schottischen Premier League mit zwölf Klubs und einer Dreifachrunde mit anschliessender Teilung in eine Meister- und eine Abstiegsrunde könnte eine pragmatische Lösung sein. Auch wenn er nicht ganz gerecht ist. Denn: Wer zum Beispiel hat im Grunddurchgang zweimal Heimrecht, YB oder Basel?

Erkundigungen in Schottland zeichnen indes ein positives Bild. Kieran Devlin begleitet für den «Athletic» die Liga. Der Journalist sagt, die Grösse und der Modus der Premier League seien auf die bescheidenen finanziellen Verhältnisse des schottischen Fussballs zugeschnitten. Und die Teilung nach 33 Runden habe sich bewährt. Wenn die besten Teams um den Titel und die schwächsten gegen den Abstieg spielten, führe das zu erhöhter Spannung.

Fatal ist nur, dass sich die Debatte hierzulande nur auf die Super League konzentriert, zu wenig offen für scheinbar Verrücktes ist. Warum nicht wie das vergleichbare Belgien mit 16 Teams spielen? In Winterthur, Vaduz, Schaffhausen, ja sogar in Kriens und Biel gäbe es taugliche Stadien. Vor allem aber ist es ein Versäumnis, nicht auch den Unterbau (Challenge League, Promotion League) in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Welche Ligen sollen Profifussball spielen? Was ist das Beste für die U21-Teams der Spitzenklubs? Die Swiss Football League ist gerade dabei, das Dach zu bauen, ohne an die Grundmauern zu denken.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1