FCB gegen Liverpool
Bei der Geburt getrennt: Mario Balotelli und Breel Embolo

Für den FC Basel ist das Champions-League-Duell gegen Liverpool (Mittwoch, 20.45 Uhr) das nächste Highlight. Für FCB-Sturmjuwel Breel Embolo ist es das erste Treffen mit seinem grossen Idol Mario Balotelli.

Sebastian Wendel
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Auffällige Frisur und grosse Kopfhörer: Mario Balotelli (l.) und Breel Embolo.

Auffällige Frisur und grosse Kopfhörer: Mario Balotelli (l.) und Breel Embolo.

Keystone

Es gab Zeiten, da wurde Breel Embolo abgeschottet. Etwa nach seinem Premierentor im März dieses Jahres, als er beim 5:0 gegen den FC Aarau für den Endstand sorgte. Interviews durfte der 17-Jährige während der vergangenen Saison keine geben. Um ihn zu schützen, hiess es vom FC Basel.
Es gab Zeiten, da wäre es besser gewesen, Mario Balotelli wäre abgeschottet worden. Um auch ihn zu schützen – vor sich selber, vor seinem Umfeld und vor den Medien. Aber das wurde verpasst.

«Ich bin intelligenter als die Norm»
Und Balotelli – heute 24 – sagte schon in seinen jungen Jahren unverblümt Sätze wie: «Ich denke, dass Mario niemandem was beweisen muss. Nicht den Engländern, nicht den Italienern oder sonst wem.» Oder: «Ich bin intelligenter als die Norm. Nur kann ich es nicht beweisen.» Ganz heiss auch sein Versprechen vor dem Halbfinal-Rückspiel 2013 in der Champions League: «Sollte Real Madrid gegen Borussia Dortmund eine Aufholjagd gelingen, lasse ich meine Freundin mit allen Spielern schlafen.»
Solche Sätze aus Embolos Mund? Unvorstellbar. Nach seinen drei Toren vor einer Woche in Winterthur durfte er zu den Journalisten sprechen. Er sagte: «Ohne die Mannschaft wäre das nicht möglich gewesen.» Als wir um ein persönliches Gespräch mit Embolo bitten, lehnt er ab. Mit der Begründung, momentan sei ihm alles zu viel: Hier der bevorstehende Durchbruch beim FCB mit immer mehr Interesse an seiner Person, dort der Stress vor den Lehrabschlussprüfungen.

Balotelli ist Embolos Idol
Vielleicht lehnt Embolo auch ab, weil er sich denken kann, über wen er im Interview etwas sagen soll. Und sich nicht die Finger verbrennen will mit einem Urteil über den Spieler, dem er – wenn er denn aufgeboten wird – am Mittwoch im St. Jakob-Park gegenüberstehen könnte: Mario Balotelli.
So viel den braven Embolo und den exzentrischen Balotelli auch unterscheidet – wer sucht, der findet Parallelen zwischen den beiden. Und versteht dann vielleicht auch, warum Embolo Balotelli als sein grosses Idol bezeichnet.
Das Talent
Es gibt Fussballer, die müssen sich alles erarbeiten: Ballbehandlung, Explosivität, Schnelligkeit, Schusstechnik. Und es gibt Spieler wie Embolo und Balotelli, denen wird all dies in die Wiege gelegt. Bei denen Fussball spielen auf Profiniveau aussieht, als wäre es das Einfachste der Welt. Nur: Es dauert, bis ihr Talent entdeckt wird.
Embolo fällt als Zehnjähriger im Probetraining beim FC Basel durch, Balotelli spielt als Jugendlicher bei unterklassigen Quartierklubs. Dann aber der schnelle Aufstieg: Beide sind junge 16, als sie ihre ersten Profiverträge unterschreiben: Embolo beim FCB, Balotelli bei Inter Mailand. Beide erzielen im zweiten Profieinsatz ihr erstes Tor, beide mit 17. Von diesem Moment an werden sie in ihren Heimatländern als kommende Superstars gefeiert.
Die Liebe zur Mutter
Embolo wird 1997 in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé geboren. Weil es für ihre zwei Söhne dort keine Perspektiven gibt, zieht die Mutter mit ihnen in die Schweiz. In Basel kümmert sie sich rund um die Uhr um Breel, schaut, dass er in der Schule fleissig ist. Er sagte einst über sie: «Meiner Mutter verdanke ich alles.» Mario Balotelli wird 1990 als Sohn der ghanaischen Immigranten Rose und Thomas Barwuah in Süditalien geboren. Drei Jahre später kommt er in die Obhut der Familie Balotelli. Besonders nah steht er seiner Pflegemutter: 2012, nach seinem Doppelpack für Italien im EM-Halbfinal gegen Deutschland, rennt er zu ihr auf die Tribüne und umarmt sie vor der ganzen Welt.
Die Krux mit dem Pass
Beide haben ihre Wurzeln in Schwarzafrika, lehnen aber immer wieder Aufgebote für die Auswahlen von Ghana bzw. Kamerun ab. Denn Tore schiessen aber wollen beide nur im Trikot ihrer neuen Heimat. Nicht so einfach: Beide müssen lange auf ihre Einbürgerung warten. Balotelli, weil er von seinen Pflegeeltern nicht adoptiert ist und so erst mit 18 Italiener werden darf. Embolo wartet immer noch, obwohl er im Frühling den Einbürgerungstest mit Bravour bestanden hat. Es heisst aber, bis Ende Jahr sei Embolo Schweizer.
Phantom auf dem Platz
Würden sie nicht schon allein wegen ihrer Hautfarbe auffallen, Embolo und Balotelli gingen dem Zuschauer wohl glatt vergessen. Beide sind nicht der Typ Stürmer, der sich am Flügel oder im Mittelfeld die Bälle holt. Oft trotten sie minutenlang teilnahmslos zwischen den Innverteidigern umehr, um dann ansatzlos die gegnerische Abwehr zu düpieren. Zwei ähnliche Typen halt.