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Bei der einen Bundesligaminute soll es beim Schweizer Salim Khelifi nicht bleiben

Der Westschweizer Salim Khelifi von Eintracht Braunschweig wird eifrig gescoutet. Der 22-Jährige stand noch vor zwei Jahren bei Lausanne-Sport unter Vertrag und gehört bei den Niedersachsen mittlerweile zur Stammformation.

Markus Brütsch
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Salim Khelifi spricht mittlerweile fast perfekt Hochdeutsch.

Salim Khelifi spricht mittlerweile fast perfekt Hochdeutsch.

Keystone

Natürlich hat Peter Knäbel die Meldung des «Kicker» flugs dementiert. Der Hamburger SV würde Interesse an Salim Khelifi haben, der Sportdirektor habe sich deshalb den jungen Schweizer gegen Paderborn angeschaut, hatte das Fachblatt berichtet.

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In loser Folge berichten wir von Schweizer Fussballern, die teilweise an exotischen Orten ihr Geld verdienen.

Knäbel ist gewiss nicht der Einzige, der das Waadtländer Sturmjuwel verpflichten möchte. Zugeben will dies aber niemand, der Preis soll ja nicht in die Höhe getrieben werden. Der Umworbene steht bei Braunschweig noch bis Ende Juni 2018 unter Vertrag; wer ihn will, muss tief in die Kasse greifen.

Reifen in der Zweitklassigkeit

Khelifi selber gibt sich bedeckt, sagt, er wisse nichts davon, dass er bei mehreren Bundesligisten auf dem Zettel stehe. «Das ist im Moment kein Thema. Für einen jungen Spieler wie mich ist es gut, noch eine Saison in der 2. Bundesliga zu reifen.»

22 Jahre alt ist der Offensivspieler und seit etwas mehr als zwei Jahren bei der Eintracht unter Vertrag. Es war für viele eine saftige Überraschung gewesen, als die Niedersachsen im Januar 2014 die Verpflichtung Khelifis von Lausanne-Sport vermeldeten. Sie hätten ihn schon lange gescoutet und Khelifi passe genau ins Profil, hatte der Sportliche Leiter Marc Arnold bei der Präsentation der Neuerwerbung gesagt. Und Khelifi tapfer in leidlichem Deutsch, dass er sich freue, Spieler wie Karim Bellarabi, die er bisher nur im Fernsehen gesehen habe, kennenzulernen.

Im ersten Spiel verletzt

Mit der Erfahrung von 65 Super-League-Spielen hatte er sich reif genug gefühlt, um den Sprung zu wagen. Braunschweig spielte damals noch in der 1. Bundesliga und war in akuter Abstiegsgefahr. Khelifi, der einst zwei Jahre im SFV-Internat in Payerne ausgebildet worden war, sollte behutsam an den deutschen Spitzenfussball herangeführt werden und zuerst einmal mit der Reservemannschaft in der Regionalliga Spielpraxis holen. «Gleich im ersten Spiel gegen Bremen verletzte ich mich am Sprunggelenk und fiel wochenlang aus. Das war natürlich eine bittere Erfahrung», sagt Khelifi.

Denn als er im Winter gekommen war, hatte er davon geträumt, ein Bundesligaspieler zu werden. Doch jetzt lief ihm die Zeit davon, die Eintracht stand vor dem Abstieg und möglicherweise würde er erst in der neuen Saison zu seinem Debüt in der ersten Mannschaft kommen – in der 2. Liga.

Dann aber, am zweitletzten Spieltag, im vorentscheidenden Spiel gegen Augsburg, wurde Khelifi von Trainer Torsten Lieberknecht ins Aufgebot genommen und eine Minute vor dem Ende eingewechselt. «Es stand 0:0 und mit dem ersten Ballkontakt hatte ich die Chance zum 1:0, doch Marwin Hitz zeigte eine unglaubliche Parade», erinnert sich Khelifi. Im Gegenzug schoss Raul Bobadilla das 1:0 und Braunschweig so gut wie in die 2. Liga. «Wäre mir das Tor gelungen, dann hätten wir uns vielleicht noch gerettet», sagt Khelifi. «Es tut heute noch weh.»

Nie aufgegeben

Denn geblieben ist es deshalb bei dieser einen Bundesligaminute gegen Augsburg. Khelifis erste Saison in der 2. Liga war danach mühsam verlaufen. «Ich bekam nicht viel Einsatzzeit. Der Trainer sagte mir, ich müsse effizienter werden und mehr für die Defensive arbeiten», sagt Khelifi. «Ich habe nie aufgegeben und die Ratschläge befolgt.»

Mit der Konsequenz, dass der Flügel in dieser Saison zum unbestrittenen Stammspieler wurde und mit sieben Toren der beste Torschütze seiner Mannschaft ist. «Mir läuft es gut», sagt Khelifi, in fast perfektem Hochdeutsch, «nur schade, dass wir nicht mehr aufsteigen können. Das war unser Ziel.»

Gleichwohl fühlt sich der Schweizer U21-Nationalspieler mit nordafrikanischen Wurzeln – «meine ganze Verwandtschaft lebt in Tunesien» – wohl im Norden Deutschlands. «Es ist fantastisch, in diesem Land zu spielen. Es kommen immer mindestens 20 000 Zuschauer und die Deutschen leben für den Fussball», sagt Khelifi, der als Single im Zentrum von Braunschweig wohnt. «Auf der Strasse werde ich immer sofort erkannt und sehr freundlich behandelt», sagt Khelifi. Mit seinen Schweizer Mitspielern Saulo Decarli und Orhan Ademi geht er oft essen und häufig reist auch die Familie aus Lausanne an. Vor allem die Drillingsbrüder Alexandre und Sami interessiert es brennend, wie es Salim geht. «Auch sie spielen Fussball, auch sie sind Flügel, schnell und dribbelstark wie ich», sagt Salim. Alexandre hatte Pech mit zwei Kreuzbandrissen und versucht jetzt bei Le Mont in der Challenge League, die Karriere zu lancieren. Sami dagegen spielt bei Montreux nur noch hobbymässig.

Vielleicht hat er am Freitag Zeit, um nach Heidenheim zu fahren, wo Salim mit der Eintracht spielt. Sami könnte sich dann auf der Tribüne umschauen. Vielleicht ist ja auch Knäbel wieder da.

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