«Die Ambiance im Schweizer Team ist gut. Es ist bei uns wie im normalen Leben. Mit den einen Leuten diskutierst du fünf Stunden lang, mit anderen fünf Minuten», versuchte er zu relativieren. Und ergänzte: «Es gibt keine Clans, die sich aufgrund ihrer Herkunft zusammenschliessen.»

Behrami nannte die Debatte «verletzend» und «mies», zumal es auf dem Feld nicht um Freundschaft, sondern um Leistung gehe. Und er verwies auch noch einmal auf seine eigene Vergangenheit. «Ich war zu Beginn meiner Nationalmannschafts-Karriere als Stammspieler von Lazio auch überzählig – und kaum jemand hat mit mir gesprochen. Aber habe ich mich deswegen beklagt? Nein.»

Was Behrami dabei ausblendet, ist seine teilweise auch selbst verschuldete Isolation. Abseits des Trainingsplatzes schottete er sich gerne ab. Eine Integration in die Gruppe fand beiderseits nicht statt. Erst über die Jahre hat sich Behrami geöffnet und zum Leader entwickelt.

Lichtsteiners Sorgen um Zahlen

Die Vorgänge dieser Tage rund um das Team sind etwas besorgniserregend. Nun ist zu vernehmen, dass einige Spieler mit Migrationshintergrund damit begonnen haben, ein Opfer für die jüngste Debatte zu suchen, dabei vorschnell auf Valentin Stocker zielen und sich ihn zur Brust nehmen wollen. Womit genau wieder passiert, was in Zukunft eben nicht mehr passieren sollte. Dass sich die Gruppen innerhalb des Nationalteams gegenseitig Vorwürfe machen, anstatt sich gemeinsam zusammenzuraufen.

Wir erinnern uns: Im letzten März sagte Stephan Lichtsteiner: Für die Schweiz ist es extrem wichtig, auf die Identifikationsfiguren aufzupassen – denn wirklich viele haben wir nicht mehr. Mir geht es nicht um ‹richtige Schweizer› oder um die ‹anderen Schweizer›, sondern darum, dass sich das Volk weiterhin mit dem Nationalteam identifizieren kann. Es ist ein heikles Thema, das weiss ich, aber es ist auch ein Thema, dem wir uns nicht verschliessen dürfen.» Es war unmittelbar nach dem Rücktritt von Pirmin Schwegler und der Ausbootung von Tranquillo Barnetta.

Wenn nun die gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb des Teams zu-, anstatt abnehmen, bekommt die Debatte genau jene ungesunde Dynamik, die es zu vermeiden gilt. Und die dazu führt, dass einige Spieler weniger Lust auf das Nationalteam haben als früher.

In der «Sonntagszeitung» sprach Stephan Lichtsteiner noch einmal über seine Aussagen vom März. Er steht weiterhin dazu und ergänzte sie um folgende Überlegung: Im Herbst des Jahres 2009 spielte die Schweiz die entscheidenden Spiele der WM-Qualifikation gegen Griechenland und Israel vor 38 500 Zuschauern. Nun kamen beim wegweisenden Heimspiel gegen Slowenien noch 25 500 Zuschauer. Und folgert: «Ich glaube, einige Schweizer können sich mit unserer Mannschaft nicht mehr gleich identifizieren.»

Viele Reaktionen aus dem Volk geben Lichtsteiner recht. Und natürlich weiss er ganz genau, dass es vor allem an der Mannschaft selbst liegt, dies zu ändern. Für viele Schweizer geht es in Fussballspielen eben um mehr als das Resultat. Es werden auch Soft-Faktoren wie Auftritte neben dem Platz in die Bewertung einbezogen.