Er sei ihm schon unterwegs bewusst gewesen, dass es nicht die perfekte Fahrt sei, gab Beat Feuz nach dem knapp verpassten dritten Sieg am Lauberhorn zu. "Ich habe die Brüggli-Passage nicht einwandfrei erwischt. Ich fand zu wenig Grip vor, und es verschlug mir etwas die Ski. Vincent (Kriechmayr) lag danach eine halbe Sekunde vor mir", so die Analyse des Abfahrts-Weltmeisters. Am Ende des Tages gehe sein Resultat in Ordnung, befand Feuz: "Über diesen zweiten Platz am Lauberhorn will ich mich sicher nicht beklagen."

Der 31-Jährige sinnt auf schnellstmögliche Revanche: "Ein Österreicher gewinnt in Wengen, deshalb wäre es an der Zeit, dass wieder einmal ein Schweizer in Kitzbühel gewinnt." Genau das werde er versuchen, versprach Feuz. Mit dem Klassiker am Hahnenkamm hat er sowieso noch eine Rechnung offen. 2018 schnappte ihm der Deutsche Thomas Dressen den Sieg weg, zwei Jahre zuvor war Feuz ebenfalls bereits Zweiter geworden. 2017 riskierte er auf dem Weg zum überlegenen Triumph in der Traverse zum Zielhang zu viel. Die Konsequenz: ein so spektakulärer wie schmerzhafter Sturz in die Fangnetze.

Die Bilder des Lauberhorn-Rennens:

Alain Berset würdigt Podestplatz von Feuz

Alain Berset würdigt Podestplatz von Feuz

Bundesrat Alain Berset hat das Rennen vom Pistenrand aus mitverfolgt und die Abfahrt selbst auf den Skiern zurückgelegt. "Ich fahre Ski mit sehr viel Leidenschaft", sagt der Magistrat im Interview.

Auch Caviezel und Roulin in Top 10

Mit Mauro Caviezel (7. Rang) und Gilles Roulin (10.) klassierten sich zwei weitere Schweizer in den ersten zehn. Der Bündner Caviezel sah sich auf seiner Fahrt nicht behindert von den Rückenproblemen, über welche er sich tags zuvor nach seinem 4. Platz in der Kombination beklagt hatte. "Die Therapie am Freitag war lang und gut. Beim Aufstehen am Morgen danach zwickte es mich schon noch ein bisschen, doch während der Fahrt spürte ich nichts", sagte Caviezel.

Der Zürcher Roulin, der am Mittwoch im ersten Training noch gestürzt war, durfte sich über sein bestes Saisonresultat freuen: "Es war mein erster Sturz überhaupt in einer Abfahrt. Im zweiten Training hatte ich danach grossen Respekt. Nun aber bin ich sehr zufrieden mit meiner Fahrt." Im Weltcup schnitt Roulin erst einmal besser ab: im Dezember 2017 in Val Gardena als Vierter.

Die restlichen zwei der nur fünf gestarteten Schweizer klassierten sich knapp ausserhalb der Top 15. Niels Hintermann, der mit 1,49 Sekunden Rückstand 16. wurde, hat nun in vier von fünf Saisonabfahrten überzeugt. Am Lauberhorn war der 23-jährige Zürcher der jüngste Fahrer in den Weltcup-Punkten. Hingegen für Routinier Carlo Janka (17.) brachte Wengen nicht den erhofften Aufschwung. Zwar brillierte der Bündner mit der Bestzeit beim Brüggli-S. Doch auf den letzten 30 Fahrsekunden liess Janka stark nach und büsste dadurch gleich zehn Positionen ein.

Kriechmayr für einmal ohne Fehler

Die 89. Internationalen Lauberhornrennen sahen nach dem Kombi-Triumph tags zuvor von Marco Schwarz bereits den zweiten österreichischen Sieger. Sowieso befinden sich die ÖSV-Männer gerade in einem gewaltigen Hoch: Sie sind in allen sechs Weltcuprennen 2019 noch ungeschlagen.

Kriechmayr: "Für einen Abfahrer eines der schönsten Rennen"

Sieger Kriechmayr: "Für einen Abfahrer eines der schönsten Rennen"

Vincent Kriechmayr stand in diesem Winter in der Abfahrt noch nie auf dem Podest, dennoch gehörte er zu den Mitfavoriten für die Wengener Abfahrt. Der 27-Jährige hat schon oft in den Trainings mit starken Leistungen für Aufsehen gesorgt. "Doch in den Rennen mache ich immer sehr viele Fehler. Dass es nun hier in Wengen, bei einem meiner Lieblingsrennen mit dem Sieg geklappt hat, ist für mich eine grosse Erleichterung", sagte der Oberösterreicher nach seinem vierten Weltcupsieg, dem ersten in dieser Saison.

Es freue ihn "irrsinnig, dass ich Beat die entscheidende Zeit im Ziel-S abgenommen habe". Vor der letzten Schlüsselstelle auf der knapp 4,3 km langen Abfahrt lagen Kriechmayr und Feuz noch exakt gleichauf. Nur einmal noch geriet der mit der Nummer 7 gestartete Kriechmayr gehörig ins Zittern. Aleksander Kilde lag bei der letzten Zwischenzeit noch um einen Hundertstel vorne. Doch der letztlich drittklassierte Norweger war auf den letzten 17 Fahrsekunden um fast drei Zehntel langsamer als Kriechmayr.