Skistar steigt ein
Beat Feuz wandelt auf den Spuren von Roger Federer und wird Unternehmer

Der Abfahrtsolympiasieger beteiligt sich neu beim Thuner E-Bike-Unternehmen e-Framer. Ein Engagement, dass auf die Zeit nach der Karriere abzielt.

Rainer Sommerhalder
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Beat Feuz baut ein erstes Standbein abseits der Skipisten auf.

Beat Feuz baut ein erstes Standbein abseits der Skipisten auf.

Keystone

Ein Medientermin mit Beat Feuz Mitte Mai. Die Einladung sorgte bei einigen für erhöhten Puls und für regen Telefonverkehr. Der Abfahrtsolympiasieger wird doch nicht etwa zurücktreten? Feuz schmunzelt ob der Aufregung, die er auslöst. Erst kürzlich hat er seinen Vertrag mit Skihersteller Head um zwei Jahre verlängert. Der 35-Jährige denkt nicht daran, seine Skier in die Ecke zu stellen. «Solange ich die Konkurrenz etwas ärgern kann, fahre ich weiter», sagt er.

Der Grund des Treffens mit dem besten Schweizer Abfahrer der vergangenen Jahre geht aber durchaus über die Karriere hinaus. Beat Feuz ist seit neuestem an einem aufstrebenden Startup-Unternehmen beteiligt. Die Thuner E-Bike-Spezialisten e-Framer, vor drei Jahren von einem Trio gegründet, ist seit dem 1. Januar 2022 ein Tochterunternehmen von Ochsner Sport. Der Marktführer im Schweizer Sporthandel seinerseits ist seit 2020 Individualsponsor von Feuz.

«Die Verantwortlichen von Ochsner Sport haben mich angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei e-Framer einzusteigen», erzählt der Emmentaler. Nach einer Besichtigung des Werks in Thun liess sich der im Tirol lebende Skifahrer definitiv überzeugen und ist nun als Inhaber eines ansehnlichen Aktienpakets Teilhaber der jungen Schweizer Firma.

Schuhe für Federer, Velos für Feuz

Das Engagement ist vergleichbar mit jenem von Roger Federer beim Sportschuhhersteller On. «Nur ein paar Nummern kleiner», sagt Feuz schmunzelnd, «On war beim Einstieg von Federer wohl kaum mehr ein Startup-Unternehmen».

Der Olympiasieger von Peking betont, die Liaison passe für ihn hervorragend. «Ich bin nicht der Typ, der auf jeder Party tanzt und wähle mir meine Engagements mit Bedacht aus. Schon vor rund 10 Jahren bin ich im Training vom Mountainbike auf die elektrische Version umgestiegen. Ich bin inzwischen durchaus so etwas wie ein Spezialist.»

Er wolle seine Erfahrungen und seine Kenntnisse in die Entwicklung und das Design der Velos einbringen und nach dem Ende der aktiven Karriere auch vermehrt Einfluss in strategische Prozesse des Unternehmens nehmen, sagt Feuz. Vielleicht gibt es in naher Zukunft sogar ein Modell mit seinem Namen.

Auch in der Bike-Abfahrt ein wilder Hund

Vorerst aber braucht Beat Feuz das Velo als Untersatz im Sommertraining. «Skifahrer sind keine Ausdauersportler. Bei uns gehört Velofahren zum Grundlagentraining und mit dem E-Bike kann ich meinen Puls viel besser steuern, als wenn ich mit einem üblichen Mountainbike die Berge hochfahre. Das Training ist so effektiver», erklärt der 35-Jährige.

Noch lieber fährt Beat Feuz auch mit dem Velo den Hang runter. Er mache dies in einem ähnlichen horrenden Tempo wie auf Ski, verrät ein Bekannter. Bereits am Samstag fliegen die Schweizer Skistars auf die Ferieninsel Mallorca zum ersten Trainingslager der neuen Saison. Es ist primär ein Velo-Camp.

Sechs Wochen Pause als Therapie für sein linkes Knie

Der Emmentaler freut sich auf den Trainingsstart, denn er kommt aus einer sechswöchigen Pause. «Die erste so lange Pause seit vielen Jahren. Das linke Knie hat sie mir quasi verschrieben. Ich habe auch auf die üblichen Materialtests auf Schnee am Ende der Saison verzichtet. Aber wenn ich mir das gesundheitliche Resultat anschaue, darf ich sagen, dass es sich gelohnt hat.»

Feuz hat keine Bedenken, dass er beim ersten Rennen des nächsten Winters wieder bereit ist. Dieses dürfte so früh wie noch nie – irgendwann Anfang November – auf dem Gletscher in Zermatt erfolgen. Auch wenn der Weltcupkalender der Alpinen noch immer nicht bekannt ist. Aber auch das nimmt der 35-Jährige mit der ihm eigenen Ruhe.

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